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Fans von Borussia Neunkirchen sorgen sich um das Ellenfeldstadion

Stadion in Neunkirchen : Was wird aus dem Ellenfeld?

Droht dem Ellenfeldstadion der Abriss? Das befürchten namhafte Freunde von Borussia Neunkirchen. Dabei geht es um ein Zerwürfnis mit der Stadt und dem Verein. Und um zwei Millionen Euro.

Es ist eine Mischung aus Unverständnis, Enttäuschung, Verärgerung und Angst, die im Gespräch mit den Mitgliedern der Stadiongesellschaft Ellenfeld (SGE) immer wieder durchdringt. Und wie derzeit üblich, wenn im Saarland von einem Stadion und Fußball die Rede ist, bleibt auch der 1. FC Saarbrücken nicht unerwähnt. Denn in dessen Absicht, ein neues Stadion zu bauen, sahen Prof. Dr. Jens Kelm (Stadionbeauftragter), Jürgen Trenz (ehemaliger Präsident des heutigen Saarlandligisten Borussia Neunkirchen), Rainer Lauffer (ehemaliger Finanzvorstand Borussia), Herbert Grundmann (Datenschutzbeauftragter Borussia) und Sighard Groß eine Chance. Für Borussia Neunkirchen.

Die Idee: Das Ellenfeldstadion sollte für die 3. Liga tauglich gemacht werden, sodass der FCS für die Zeit des Stadionbaus dort hätte spielen können. Also machte man sich an die Arbeit und erstellte akribisch einen detaillierten Maßnahmenkatalog mit den „für das Stadion wichtigsten Sanierungs- und Ertüchtigungsinhalten“, wie es in einem Schreiben der SGE heißt. Dies alles war gedacht als Ergänzung zum Vorhaben der Stadt Neunkirchen, das Stadion mit dem Bau einer Dreifeld-Sporthalle zu ergänzen. Der FCS entschied sich aber dafür, seine Heimspiele in Völklingen auszutragen. „Das war für die Stadt Neunkirchen und für die Borussia einen riesige Chance, die leider nicht genutzt wurde“, sagt Rainer Lauffer, der in der passiven Haltung der Stadtverwaltung damals einen Grund dafür sieht, dass es den FCS nicht ins Ellenfeld verschlagen hat.

Weil aber die SGE viel Zeit und Mühe in ihr Konzept investiert hatte, wollte man dieses nicht ungenutzt lassen. Unterm Strich waren darin rund 1,6 Millionen Euro vorgesehen, die in Flutlicht (580 000), ein neues Rasenspielfeld (330 000), den Rückbau von Block 4 und die Coachingzone (400 000), neue Wellenbrecher (155 000) und die Schadstellensanierung der Westkurve (120 000) hätten fließen sollen. Geld, für das die SGE gemeinsam mit der Stadt als Eigentümer beim Innenministerium vorstellig wurde. „Der Verein hat uns damals Prokura in der Sache erteilt“, betont Jens Kelm, der von Treffen mit der Stadtverwaltung, unter anderem in Person des damaligen Bürgermeisters Jörg Aumann berichtet. Und von einer stets guten Zusammenarbeit mit der Stadt, die letztendlich auch zielführend war. Im April 2019 besuchten die Minister Strobel und Boullion das Ellenfeldstadion, erhielten die Dokumentation der SGE und sagten finanzielle Unterstützung in Höhe von einer Million Euro zu.

Dann erfolgte ein Bruch zwischen SGE auf der einen und Stadt sowie Verein auf der anderen Seite. Die SGE, mit der zuvor noch Gespräche geführt wurden, die bei Treffen dabei und den Verein vertrat, war plötzlich außen vor. „Es gab Kontakt zur sogenannten Stadiongesellschaft“, bestätigt das Innenministerium auf SZ-Anfrage, und auch der Neunkircher Oberbürgermeister sagt: „Ich kann und will nicht jeden Kontakt von mir oder meiner Verwaltung zur Stadiongesellschaft ausschließen.“ Er ergänzt: „Aber es gab seit ich Oberbürgermeister bin keine gemeinsamen Gespräche mit der Stadiongesellschaft zu Planungen für das Ellenfeld. Diese Gespräche haben wir mit dem Vorstand des Vereins geführt.“

Ein Umstand, der bei der SGE auf absolutes Unverständnis stößt, denn schließlich hätte all ihre Arbeit stets dem Erhalt des Ellenfelds gedient. „Wir waren vor Freude nah am Herzstillstand, als wir erfuhren, dass es sogar zwei Millionen an Fördermitteln gibt“, sagt Rainer Lauffer. Als die SGE daraufhin bei der Stadt um einen Termin bat, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen, erfolgte eine Anfrage des damaligen Bürgermeisters Jörg Aumann an den Vereinsvorstand Alexander Kunz, in dem er die Frage stellt, wie die SGE in den Verein eingebunden sei und welche Rechte diese für den Verein laut Satzung ausübe.

Das wiederum sorgt noch immer für große Verärgerung bei der SGE. Aumann hätte sich an sie angehängt, und als die Fördermittel zugesagt waren, den Kontakt abgebrochen. „Es ist verwerflich, wie mit uns in der Sache umgegangen wird. Wir waren zwei Jahre sehr gute Partner. Ich hätte nie gedacht, dass es mal zu einem solchen Bruch kommt. Wir werden um unsere Arbeit fürs Ellenfeld betrogen. Ein solches Verhalten gehört sich nicht“, betont Lauffer. Die Borussia, die als Mieter des Ellenfelds bei der Stadt auftritt, äußert sich in Person von Vorstand Alexander Kunz auf die Frage, mit welchen Aufgaben die SGE betraut war und wie deren Zusammenarbeit mit dem Verein aussah, wie folgt: „Die SGE war organisatorisch nicht dem Verein zugehörig. Es war / ist eine private Interessengemeinschaft, die in einzelnen Belangen, das Stadion und sein Umfeld betreffend, den Vorstand unterstützte. So war die SGE z.B. federführend für die Organisation der Umrüstung der Flutlichtanlage auf dem Nebenplatz der Ferraro-Sportarena auf LED-Beleuchtung.“ Vom Mitwirken bei der Fördergeldakquise ist keine Rede.

OB Aumann dazu: „Die Stadiongesellschaft spricht weder für die Stadt noch für den Verein. Auch wenn der etwas irreführende Name dies nahe legt.“ Erster Ansprechpartner für alle Fragen um das Ellenfeld-Stadion sei der Mieter: der Vorstand des Vereins Borussia Neunkirchen. Mit dem hätte es im vergangenen Jahr sehr gute Gespräche gegeben. „Stadt und Verein haben sich sehr eng über die Planungen zum Stadion abgestimmt“, sagt Aumann.

Die SGE befürchtet nun, dass die zwei Millionen nicht etwa in den Erhalt des Stadions fließen, sondern in den Bau der Halle. Und das Stadion quasi mehr oder weniger vernachlässigt wird, bis es irgendwann zum Abriss kommt. „Die Stadtverwaltung braucht kein Stadion“, sagt Prof. Dr. Kelm und verweist auf die Historie des ersten, für die Bundesliga erbauten Stadions in Deutschland, in dem seit 1912 Fußball gespielt wird. Das Innenministerium teilt jedoch mit, die finanzielle Förderung soll in „substanzerhaltende Maßnahmen“ fließen. Dies sei bereits im Sommer 2019 mit dem damaligen Oberbürgermeister Jürgen Fried besprochen und vereinbart worden. Das Geld sei „zweckgebunden für den Bereich des Stadions zu verwenden“. Das wäre für die SGE, wo man immer wieder betont, dass es ihr um den Erhalt des Stadions geht, eine gute Nachricht. Allerdings überschneiden sich ihre Pläne nicht mit denen der Stadtverwaltung. „Derzeitiger Stand ist, dass die Stadt mit dem Vorstand des Vereins eine Sanierungskonzeption Ellenfeld erarbeitet hat. Die bestehenden Sozial-, Funktions- und Sporträume im Kopfgebäude sind einerseits mehr als sanierungsbedürftig und zudem für die Funktionserfüllung, was Anzahl, Größe und technische Ausstattung betrifft, nicht mehr zeitgemäß. Am wirtschaftlichsten ist es, diese Räume neu zu errichten“, teilt der OB auf die Frage, wofür die zwei Millionen Euro vorgesehen sind.

Die ganze große Sorge der SGE, dem Stadion könne der Abriss drohen, kann Aumann entkräften: „Selbstverständlich will die Stadt das Ellenfeldstadion erhalten. Das heißt aber nicht, das Stadion aus einem falsch verstandenen Traditionsbewusstsein ohne jede Veränderung, quasi als Freilichtmuseum zu konservieren. In diesem Stadion wird immer noch von einem sehr traditionsreichen Verein Fußball gespielt. Dem muss man Rechnung tragen.“ An der Idee einer neue Halle wolle man, trotz unlängst abgelehnter Förderung aus Berlin, festhalten: „Neunkirchen hat den Bedarf an einer Dreifeldhalle. Als Standort bietet es sich an, die Halle in das Stadion zu integrieren. Um dies klar zu betonen, diese Halle hat nichts mit den zwei Millionen Zuwendungsbescheid des Landes zu tun und die Halle kann und soll davon auch nicht finanziert werden.“

Auch wenn die Borussia und die Stadt nicht mehr mit der SGE zusammenarbeiten, wird das Bündnis der fünf Borussen-Freunde sich weiterhin um den Erhalt des Ellenfeldstadions sorgen. Ihre Angst, das Stadion könnte später einmal neben Straßenbahn, Stadtbad, Scheiber Wasserturm und Gasometer nur noch in den Geschichtsbüchern auftauchen, besteht nach wie vor.