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Firma ITN Sand & Stein macht Beschichtungen für Pfannen und Industrie

Serie Regionalmarke „Wertvolles aus der Willkommensregion Neunkirchen“ : Ein neues Leben für Pfanne und Co (mit Bildergalerie)

Seit 2018 gibt es im Landkreis Neunkirchen die Regionalmarke. Wertvolles aus der Willkommensregion bieten seitdem immer mehr Hersteller aus dem Landkreis an. Wir stellen die Partner-Betriebe vor. Heute: ITN Sand & Stein Pfannenbeschichtungen Neunkirchen.

Hier „wowt“ man sich als Besucher so durch. Das fängt schon bei der Ankunft im Hof an. Geschäftsführer Thomas Stein steht am Bäckerwagen. Mütze auf, Schaffhose an. Geschäftsführer Nummer zwei, Kai-Uwe Sand, übernimmt derweil im Verkaufsraum die Überprüfung des Impfnachweises des SZ-Besuches. Auch er so gar nicht das Bild des klassischen Geschftsführers mit Anzug und Krawatte. Zu dritt geht’s ins Besprechungszimmer im ersten Stock, wo die Herren erstmal die belegten Weck verputzen. „Sorry, aber die Frühstückspause muss sein“, sagt Stein, der für die Produktion der Firma zuständige Teil. Sand, der Teil fürs Kaufmännische, schaltet den großen Fernseher ein, über den die Werbefilme der Firma ITN Sand & Stein Pfannenbeschichtung flimmern. Auch auf dem Tisch liegt so einiges aus über die Neunkircher Partner der Regionalmarke. Unter anderem eine Miniausgabe des Plakates, das vor gut einem Jahr für viel Furore und Rummel sorgte: Knapp bekleidete Dame wirbt dafür, die alte (Pfanne) zu erneuern. Witzig eigentlich.

Aus Neunkirchen in die Welt

Sand und Stein, deren Nachnamen irgendwie so wunderbar zu dem passen, was sie hier machen, verdienen ihr Geld damit, gebrauchte Pfannen, Töpfe, Grillplatten aber auch Industrie-Maschinen („einfach alles, wo was dran kleben kann“) neu zu beschichten. Seit 2019 sind sie die Geschäftsführer. Gegründet wurde die Firma von Gerhard Baatz im Jahr 1993. Damals als Fräserei und Dreherei für den Werkzeugbau. Irgendwann begann Baatz mit der Beschichtung gebrauchter Pfannen, bekam die Technik immer mehr in den Griff, spezialisierte sich auf Bäckereien und Back-Industriebetriebe und die Beschichtung von deren Brotformen und Backblechen. 2018 hat Sand, Industriemeister Metall, bei der Firma als Betriebsleiter angefangen. Stein, gelernter Maschinenschlosser, war schon länger hier. Als Baatz die Rente plante, hat Sand Kollege Stein davon überzeugt, das Unternehmen gemeinsam zu übernehmen. Alles rund ums Beschichten haben sie sich selbst beigebracht. Das Unternehmen haben die Beiden ohne große Werbung zu einem weltweit agierenden Betrieb gemacht.

Markenzeichen: Lyonerpfanne

Ganz unprätentiös gehen sie die Sachen an. Vermutlich ist das ihr Erfolgsgeheimnis. Ganz zu Anfang, erinnert sich Sand, Ende 2019, da war auf einmal nicht mehr wirklich was zu tun. Mit der Beschichtung von Pfannen und Co für deutsche Hotels war erst mal nichts, die brauchten alles so kurz vor Weihnachten im Einsatz. „Da dachte ich: Was ist denn mit Mallorca, dort ist doch grad eher touristische Pause, die brauchen doch ihre Pfannen zurzeit nicht“, erzählt der Geschäftsführer. Also schrieb er die Hotels an – der erste Auftragsschwung aus dem Ausland kam dann gleich palettenweise. Oder die Geschichte mit den Maschinen, die den Kunststoff für Autolenkräder herstellen. Eine knifflige Sache. „Irgendwie haben wir es hingekriegt“, erzählt Sand und lacht dann: „Bei keinem hatte das bisher geklappt. Wir haben nicht gewusst, dass es nicht geht und haben es einfach gemacht.“ Bei allen nationalen und internationalen Aufträgen allerdings gibt es eines, was das Markenzeichen der Firma Sand & Stein geworden ist: Die Lyonerpfanne. Die wird mittlerweile bis nach Neuseeland verkauft, ist patentiert und seit kurzem in neuem Design auch induktionsfähig.

Von 50 auf 3000

35 Annahmestellen in Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz gibt es mittlerweile. Viele Hersteller wie Tefal, Moulinex und Krupps lassen hier beschichten. Viele bieten Wiederbeschichtung an, die ITN macht’s, der Firma gibt es unter ihrem Namen zurück. Hotels in ganz Europa gehören längst zu den Kunden. Die Steigerung ist enorm: wurden anfangs 50 bis 100 Pfannen pro Woche beschichtet, sind es mittlerweile 2000 bis 3000. „Unsere Vision ging auf“, sagt Stein. Das Brötchen ist nun gegessen. Der Geschäftsführer verabschiedet sich, später wird man ihn wiedertreffen. Sand führt durch die Produktion. Die erste Station liegt gegenüber des Papierschredders. „Nachhaltigkeit und Umweltschutz werden bei uns tatsächlich gelebt“, hatte Stein schon vorab gesagt. Hier kann man es sehen: Gebrauchte Kartons werden zu Verpackungsmaterial. „Wir haben da noch nie was zugekauft. Und Plastik kommt sowieso nicht in Frage.“ Nachhaltigkeit gilt übrigens auch für die Energie: Mit der Abluft, die beim Waschen der Teile entsteht, wird geheizt. Zurück zur ersten Station. Hier erhält das einkommende Teil eine Nummer, der dazugehörige Besitzer wird erfasst. Für „das Geld eines Kleinwagens“ haben die Geschäftsführer eine spezielle Software entwickeln lassen, die die Zuordnung über diese Nummer am Ende erleichtert und viele Arbeitswege spart.

Der Chef arbeitet mit

Je höher die Qualität der Pfanne ist, desto öfter kann man im Übrigen neu beschichten. „Ich kann aus zehn Metern Entfernung sehen, was das für eine Pfanne ist, von welchem Hersteller“, sagt Sand. Und weil jede Pfanne anders ist, kann die Arbeit auch keine Maschine verrichten. „Bei uns ist alles Handarbeit“, sagen die Weltmarktführer in Sachen Beschichtung. Auf Wunsch gibt es auch eine Einprägung, zeigt Sand einen Schwung Lyonerpfannen für eine Trierer Metzgerei. Auf mehreren Wagen warten Pfannen, Töpfe, Bleche, Backformen in den verschiedensten Zuständen aufs Schönerwerden. „Wir kriegen alles hin.“ Nächste Station: Sandstrahlen. Hier staubt es übel. Zwei Kammern gibt es, in denen der alte Schmutz runter kommt. Die Arbeiter haben dazu komplette Schutzkleidung an. Weiter geht es durch den Wasserfall und hinein in den Abluftofen zum Trocknen bei 200 Grad. Dann kommt die eigentliche Kunst, das Beschichten. Hier treffen wir Geschäftsführer Stein wieder. Drei Schichten des High-Tech-Kunststoffes werden aufgetragen, auf besonderen Wunsch und wenn ausreichend zusammenkommen auch durchaus mal farbig. Dann wird es für die Teile 400 Grad warm. Es folgt das Schleifen oder Polieren. Beim SZ-Rundgang ist da Kevin Müller grad ganz in seinem Element.

Das Gegenteil von Klebstoff

Es gibt noch einen kleinen Einblick ins Nähkästchen: Sand erzählt von den weltweiten Großkunden und ihren Wünschen und wie man ihnen auf kurzen einfachen Wegen hier in Neunkirchen gerecht wird. Dann gibt es noch ein Beispiel dafür, wie sich die Firma neuer Herausforderungen annimmt. Eine Pfanne steht da, mit grünlichem Pulver verschmiert. Dabei eine Tüte mit gemahlenem grünen Tee. Hier geht es darum, für die Rimoco Gewürzmanufaktur aus Saarbrücken einen Weg zu finden, die Gerätschaft so zu beschichten, dass der grüne Tee nicht mehr dran hängen bleibt. „Wenn irgendwo was klebt: Wir sind sozusagen das Gegenteil von Klebstoff“, lacht Sand.

Umsatz im sechsstelligen Bereich

Stefanie Linn und Laila Dreßler, zwei von insgesamt zehn Mitarbeitern, sind beim Verpacken. Auf einem Regal stehen gut sortiert fertige Pfannen und Töpfe. Sand demonstriert, wie dank der bereits erwähnten Software ganz einfach die passende Rechnung zum passenden Topf ausgespuckt wird. Zwei mal am Tag gehen fertige Waren raus. Morgens nimmt DHL mit, was fertig ist, am Mittag kommt ein Lkw für die Pakete. Bis Russland und Amerika gehen die. Am Ende des Rundgangs geht es dann nochmal zurück auf Anfang. Im ersten Raum ist eine kleine Ausstellung von Pfannen, die berühmte Lyonerpfanne vorneweg, die große Regionalmarke-Fahne hintendran. Darauf, Partner der Regionalmakre zu sein, sind Sand und Stein stolz. „Das ist ein gutes Netzwerk“, sagt Sand. Denn auch, wenn im vergangenen Jahr 40 000 gebrauchte Bratpfannen, 15 000 Töpfe und 4000 Raclette- oder Grillplatten neu beschichtet wurden, dazu rund 10 000 für Brat- und Kochgerätehersteller einen anbrenn-resistenten Innenmantel bekommen haben – alles in allem 50 Prozent des Umsatzes, der mit den Beschichtungen im Industriebereich im sechsstelligen Bereich pro Monat liegt, – freut sich Sand doch über eines ganz besonders: „Manchmal, da kommen Kunden spontan wieder und bedanken sich. Das macht uns froh.“

Die Sand & Stein OHG hat ihren Sitz in der Unteren Bliesstraße 9. Dort ist Montag bis freitag von 8 bis 16 Uhr geöffnet. Telefon (06821) 9145640, E-Mail: info@itn-antihaftbeschichtungen.de

Hier geht es zur Bilderstrecke: Blick ins Unternehmen ITN, die Pfannenbeschichter aus Neunkirchen