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Impfaktionen in Neunkirchen: Gynäkologe zeigt großen Impf-Einsatz

Impfaktion neben NVG-Bus und Gebläsehalle : Gynäkologe zeigt großen Impf-Einsatz in Neunkirchen

Die Stadt Neunkirchen hat dem Corona-Virus dem Kampf angesagt. Der Impfbus steht am Samstag wieder am Zoo, auch die Gebläsehalle öffnet sich dann für Impfwillige. Und die Kirchgemeinde St. Josef St. Johannes lädt sogar für die beiden Weihnachtstage ein.

Was man in München, Leipzig und Brebach kann, das kann man in Neunkirchen schon lange. In der Münchner Sankt Lukas Kirche wurde ebenso wie in der Leipziger Nikolaikirche Ende November geimpft. Mit großem Erfolg und großem Zuspruch. Am Sonntag waren dann die Brebacher die ersten im Saarland: in der katholischen Kirche Maria Hilf. Da stand der Entschluss der Kirchengemeinde St. Josef-St. Johannes schon längst fest. Und hier setzt man sogar noch einen drauf. „Impfen unterm Weihnachtsbaum“ heißt das Motto. Das bedeutet: am Samstag, 25. Dezember, und Sonntag, 26. Dezember, kann man sich erst-, zweit- oder drittimpfen lassen. am 25. von 12 bis 14 Uhr in St. Josef in Furpach, am 26. von 11 bis 14 Uhr in St. Johannes in Wellesweiler. Anmeldung ist gerne gesehen, aber grundsätzlich gilt: Wer will, der kriegt auch. Solange der Impfstoff reicht.

Gemeinsam mit Tochter und Sohn

Die Idee zur Durchführung kam, so teilt Pastor Clemens Kiefer auf SZ-Anfrage mit, von Philipp Örtel vom Pfarrgemeinderat. Der Pastor findet, das Impfen ist ein diakonischer Dienst und da viele sich fragten, wo denn während der Pandemie die Kirchen waren, hätten die so einiges gut zu machen. „Mit dieser Aktion zeigen wir: Wir sind da“, sagt Kiefer. Weihnachten findet der Seelsorger ist ein guter Termin für eine solche Aktion. „An Weihnachten wird Gott Mensch.“ Bei dem Neunkircher Gynäkologen Dr. Jörg Angresius stieß die Idee auf offene Ohren. Angresius hat vergangenes Wochenende die Mitarbeiter von Stadt und Betriebshof, „als Testlauf“, wie er der SZ sagt, in der Gebläsehalle geimpft. An diesem Wochenende impft er dort jedermann. Auf jeden Fall am Samstag, in Überlegung ist auch noch der Sonntag. Am Freitag war Angresius am Neunkircher Krebsberg-Gymnasium, um das Kollegium zu impfen. Den Weihnachtstermin hat Angresius vorgeschlagen. Gibt das keinen Stress zu Hause? „Keineswegs“, sagt der Arzt. Ganz im Gegenteil: Tochter und Sohn unterstützen die Impfaktionen aktiv. Die Tochter ist bereits Assistenzärztin, wird in der Gebläsehalle diese Woche mitimpfen, der Sohn – im letzten Medizin-Studienjahr – war letztes Mal dort dabei und impft an Weihnachten mit. „Von meiner Frau habe ich die volle Unterstützung“, sagt der Arzt.

So lange der Imfpstoff reicht

Etwa 60 Menschen haben sich bisher für die Weihnachtsimpfung angemeldet. Sowohl der Arzt als auch der Pastor rechnen damit, dass es letzten Endes 100 bis 200 werden könnten. Clemens Kiefer betont: „Wir werden niemanden wegschicken.“ Wobei dabei trotz allem zwei Faktoren eine Rolle spielen: Die Impfungen sollten schon innerhalb der vorgegebenen Zeitfenster stattfinden und es muss ausreichend Impfstoff da sein. „Wenn da nach der angesetzten Zeit noch zehn Leute stehen und es ist noch Imfpstoff für sie da, dann wird auch noch geimpft“, sagt Kiefer. Aber wer erst um 15 Uhr komme, der habe dann halt Pech. „Es ist ja schließlich auch noch Weihnachten und die Helfer haben ja auch Familie“, erinnert der Pastor. „Ich finde es super, dass Menschen dazu bereit sind, das zu machen, anderen ein solches Geschenk zu machen.“ Dr. Angresius und sein Team werden jeweils rein für die Impfungen zuständig sein. Alles andere machen freiwillige Helfer: In der Gebläsehalle Stadt-Mitarbeiter, in den Kirchen Mitglieder des Pfarrgemeinderates beziehungsweise aus den Jugendgruppen.

Alle zwei Minuten eine Impfung

Etwa sechs bis acht Leute pro Impftag werden zeitgleich zusätzlich zum Impfteam gebraucht: fürs Einchecken, für die Einweisung, für die Überwachung nach dem Impfen. „Kein großes Problem, die zu finden“, sagt Pastor Kiefer für seine Kirchengemeinde. Zurzeit wartet Angresius auf die Impfstoffzusagen. „Die Drähte laufen heiß.“ Für die Gebläsehalle hat er etwas über 100 Dosen signalisiert. „Ein bisschen habe ich noch in der Praxis, den nehme ich auch mit.“ 100 bis 120 Menschen in der Gebläsehalle zu impfen, das sei gut machbar. „Aber wenn der Stoff all ist, dann ist er all“, das sei jetzt ja überall so. Machbar seien 60 Impfungen pro Stunde – bei zwei impfenden Personen. „Zwei Minuten braucht man im Schnitt.“ An reiner Impfzeit, den Rest erledigen die Helfer. Wobei die Aufklärung in der Gebläsehalle im Block passiert, dann bleibt aber noch Zeit für Einzelfragen.

Kleines Programm in der Kirche

Etwa 93 Prozent werden nach Angresius’ Erfahrung für die dritte, die Booster-Impfung, kommen. Pastor Clemens Kiefer hofft, dass vielleicht gerade an Weihnachten der ein oder andere sich dann doch auch noch zur Erstimpfung entschließt. „Das tut mir richtig weh, wenn ich sehe, wie es den Leuten, die nicht geimpft sind und die erkranken, auf Intensivstationen liegen, jetzt geht“, sagt er. „Die werden sterben“, bricht dem Pastor fast die Stimme weg. Er jedenfalls habe ein sehr großes Interesse daran, dass geimpft werde, so viel wie geht. Damit das Warten nicht zu lange wird, wird es möglicherweise in den Kirchen ein kleines Programm geben. Außerdem stünde da die Krippe, deren Anblick man genießen könne. Vielleicht werde er zur Einkehr bitten, möglicherweise werde man gemeinsam Lieder singen.

Es geht weiter

Weitere Impfangebote nach den Weihnachtsimpfungen schließt Angresius nicht aus. Er habe Oberbürgermeister Jörg Aumann auch angeboten, in der Woche zwischen Weihnachten und Silvester zu impfen. Da stehen zurzeit Nachmittage zur Diskussion, eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen. „Aber man wird sehen, wie der Run jetzt ist, dann können wir möglicherweise im Januar weitermachen.“

  • Die Sonderimpfaktion in der Gebläsehalle findet an diesem Samstag und Sonntag, von 9.30 Uhr bis 15 Uhr, statt. Eine Terminvereinbarung ist nicht notwendig, mitzubringen sind Personalausweis, Impfausweis beziehungsweise Impfbuch und Krankenkassenkarte.
  • Der Impfbus steht ebenfalls an diesem Samstag wieder bereit. Von 10 bis 15.30 Uhr impft der Neunkircher Urologe Dr. Robert Eichel im Impfbus am Neunkircher Zoo. Terminvereinbarung ist nicht notwendig, Wartezeiten sollten eingeplant werden.
  • Fürs „Impfen unterm Weihnachtsbaum“ am 25. Dezember von 12 bis 14 Uhr in der Kirche St. Josef in Furpach und am 26. Dezember von 11 bis 14 Uhr in der Kirche St. Johannes in Wellesweiler kann man sich anmelden unter der E-Mail: impfaktion@stjj.de oder über eine Whatsapp-Nachricht unter (01520) 8602287 sowie im Pfarrbüro, Telefon (06821) 31179. Man kann auch ohne Anmeldung kommen. Personalausweis, Impfbuch sowie der ausgefüllte Aufklärungsbogen sowie die ausgefüllte Anamnese – findet man unter www.rki.de – sind mitzubringen.