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Katastrophenschutz in Neunkirchen: Damit alle wissen, wo sie anpacken müssen

Zusammenarbeit der Hilfskräfte : Damit alle wissen, wo sie bei einer Katastrophe anpacken müssen

Katastrophenschutz hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung hinzugewonnen. Feuerwehr, Polizei, Rotes Kreuz, THW und viele mehr koordinieren ihre Arbeit, damit es im Ernstfall klappt. Doch wie funktioniert das alles? Hier ein Beispiel aus dem Landkreis Neunkirchen.

Der lang anhaltende Sirenenton ist nervig. Da kann man nur eines tun: Ohren zu und durch! Oder? Eben nicht. „Wir müssen die Bevölkerung ertüchtigen, dass sie weiß, was zu tun ist“, sagt der Katastrophenschutzbeauftragte des Landkreises Neunkirchen, Alexander Koch. Vorm Kreistag hat er seinen Bericht abgegeben. Im Anschluss mangelt es nicht an erinnerten Katastrophen: Vom AKW-Unfall in Tschernobyl, über den selbst erlebten Einsatz jetzt im Hochwasser-gebeutelten Ahrtal bis hin zur noch immer aktuellen Pandemie. Der möglichen Katastrophen sind viele.

Das weiß keiner besser als Koch, und er sagt: „Anpassung ist wichtig. Die Gefahrenlage ist immer unvorhersehbar, immer anders.“ Seit zwei Jahren läuft die ständige Anpassung, finden entsprechende Fortbildungen statt, für den operativen taktischen Stab aber auch für die Verwaltung. „Man muss die richtigen Dinge richtig tun“, sagt Koch. Will sagen: Konzepte, Planungen und Netzwerke müssen stehen, so weit das geht. 102 000 Euro mehr stehen im Haushalt in diesem Jahr für den Katastrophenschutz bereit, dazu kommen 30 000 Euro für Investitionen.

Gezielte Ausbildung

Katastrophenschutz in Neunkirchen: Damit alle wissen, wo sie anpacken müssen
Foto: Alexander Koch/Mirko Reuther

Mit Einrichtung der Stabstelle Katastrophenschutz sind die Wege kurz geworden, denn die Stabstelle ist dem Landrat direkt unterstellt. „Das war ein großer Vorteil in der Pandemie“, erinnert Koch. Das gereichte auch im Katastrophenfall zum Vorteil. Wichtiger Punkt im Katastrophenschutz: Die Ausbildung der Einsatzkräfte. Lob für die „starken Partner“ hatte es bereits zuvor vom Landrat gegeben. So hätten Feuerwehr, THW, DLRG, DRK, Bundeswehr und Polizei beispielsweise beim Hochwasser in Dirmingen und Eppelborn 2016 im Kreislagezentrum super zusammengearbeitet. „Der Katastrophenschutz ist bunt“, ergänzt Koch und macht sich für die Fortführung der gezielten Ausbildung für den Katastrophenschutz stark. Das größte Ausbildungszentrum liegt im Übrigen in Ahrweiler, im Herbst soll es wieder nutzbar sein.

Synergien nutzen

Ständiges Verbessern der Pläne, ständige Kontrolle, ob sie noch zeitgemäß sind, das sei extrem wichtig. „Man muss das immer wieder auf den aktuellen Stand bringen.“ Für den Fall der Fälle müsse in jeder Hinsicht klar sein, wie vorgegangen wird. Wichtig sei deshalb auch ein objektives externes Planungsbüro. Ganz wichtiger Punkt: Der Selbstschutz der Bevölkerung. Hier müsse klar sein, was zu tun ist im Katastrophenfall, wie wann zu reagieren ist, bis Hilfe kommt. Notfall-Rucksack und wichtige Papiere griffbereit – „das ist ein wichtiger Punkt, der langfristig erreicht werden muss“. Die enge Zusammenarbeit mit den jeweiligen Ämtern sei ebenfalls unabdingbar, ob nun EDV, Kreisumwelt- oder Gesundheitsamt. „Das hat in der Pandemie super geklappt.“ Synergien zu nutzen ist ein weiteres Anliegen Kochs. „Das Netzwerk muss erweitert und gefestigt werden.“ Als Beispiel nennt er die NVG: Hier könnten notfalls einerseits Einsatzfahrzeuge betankt werden, andererseits könne man auch Busse zur Evakuierung stellen. „Wir müssen alle Möglichkeiten einbeziehen, müssen Gespräche führen und die jeweiligen Köpfe kennen.“

Katastrophenschutzlager

Das Gefahrenpotenzial im Landkreis müsse bekannt sein, führt Koch aus. Nur so könne man sich planerisch vorbereiten und den Schaden zu gering wie möglich halten. Dann geht es aber auch noch um einen ganz anderen Punkt: Die Unterbringung der Hilfskräfte. Es dürfe nicht sein, dass die Helfer vor Ort nach stundenlangem Einsatz weder gute Hygiene- noch Schlafmöglichkeiten hätten. Auch hier für entsprechende Ausrüstung zu sorgen, gehöre dazu. Klaus Dieter Woll (SPD) ist das aus dem Herzen gesprochen, wie er später erzählen wird: Als Feuerwehrmann war er selbst zwei Wochen im Ahrtal tätig und hat es am eigenen Leib erlebt. Zelte würden hier auf jeden Fall gebraucht, sagt Koch. Zudem Stromerzeuger, mobiler Hochwasserschutz. Eine Sandsackfüllmaschine komme Ende des Monats. Lob gibt es für die Seminarsporthalle und ihre Ausstattung. In der Notfallklinik fänden 120 Menschen Platz. Ganz in der Nähe auf kreiseigenem Gelände soll übrigens ein Katastrophenschutzlager entstehen.

Kaum Nachwuchssorgen

Viel sei schon auf den Weg gebracht, einiges noch offen, kommentiert Meng am Ende des Berichts. „Wir sind schon ein Stück weiter aber es ist noch einiges zu tun, die Lage ist dynamisch.“ Positiv auf jeden Fall: Bei den Hilfsorganisationen gibt es wenig Nachwuchssorgen. Zwar, so weiß Feuerwehrmann Woll, seien die Zahlen auch hier leicht rückläufig, aber noch immer würden die Feuerwehren beispielsweise zu über 80 Prozent aus den eigenen Reihen gefüllt, der Rest sind Quereinsteiger. Und zu guter Letzt: Wenn der lange Sirenenton ertönt, dann ist Gefahr in Verzug. Dann heißt es: Radio an und Instruktionen abwarten.