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Leseolympiade in der Stadtbibliothek Neunkirchen wird gut angenommen

Leseolympiade in der Stadtbibliothek Neunkirchen : Olympiareife Lektüre – manchmal sogar „zu cool zum Vorlesen“ (mit Bildergalerie)

In Japan wird um die Wette gerannt und gesprungen, in Neunkirchen gelesen. Mit dem Unterschied, dass bei der hiesigen Leseolympiade jeder gewinnt - etwas Fleiß vorausgesetzt

Wer mag sie nicht: Überraschungen. Wenn sie positiv sind natürlich. Gleich zwei davon verspricht das Stadtbibliotheks-Team um Gabriele Essler allen Teilnehmern der Leseolympiade. Jeder, der in den Sommerferien mindestens sechs Bücher liest oder vorgelesen bekommt, kann sich schon mal auf Überraschung Nummer eins freuen. Vorausgesetzt, der Buch-Inhalt wurde auf dem vorbereiteten Fragebogen kurz in Schrift und/oder Bild wiedergegeben und bewertet. Zusätzlich wandert jeder dieser Bewertungsbögen in den großen „Topf“ und nimmt an einer Verlosung für einen zusätzlichen tollen Preis teil – ein schöner, wenngleich nicht wirklich ebenbürtiger Ersatz für das große Lesefest, das auch diesmal wieder Corona zum Opfer fällt.

Vier Tage für sieben Bücher

Das Lesevergnügen selbst lief zum Glück nie Gefahr, hinten runter zu rutschen. Im Gegenteil, die Pandemie dürfte viele zum Buch (zurück)geführt haben. Eine richtige Leseratte ist jedenfalls Anni. Der Lesehunger der Achtjährigen aus Schiffweiler sorgte bei ihren Eltern schon des Öfteren für basses Erstaunen. Seit ihrem letzten Büchereibesuch sind keine vier Tage vergangen, schon bringt sie die ausgeliehenen sieben Bücher ausgelesen mit ausgefülltem Fragebogen zurück. „Wir haben ihr das anfangs nicht geglaubt“, verrät Mama Nicole Weingardt. Zu Hilfe kam ihnen die Antolin-App, die auch an vielen Schulen genutzt wird. In dem Online-Portal können differenzierte Quizfragen zu mehr als 80 000 Kinder- und Jugendbüchern abgerufen und Punkte gesammelt werden. Und siehe da: Anni wusste gut Bescheid über den Lesestoff – und räumte alle Zweifel aus. Krimis und Zeitreisereisegeschichten mag die Achtjährige am liebsten, „Die 3 ???“-Reihe hat sie schon komplett intus.

Leihen statt kaufen

Annis Ziel für die Leseolympiade lautet 42 Bücher. Dass sie erstmals mitmacht, ist ihrer Lehrerin zu verdanken. Die verteilte in der Klasse Flyer der Stadtbibliothek. Für Nicole Weingardt „der Auslöser“, ins KULT zu pilgern und sich in der Stadtbibliothek anzumelden. Denn inzwischen stößt die Familie platztechnisch so langsam an ihre Grenzen, ausleihen statt kaufen ist da eine gute Alternative. „Auf die Idee sind wir selber gar nicht gekommen“, lacht die Sozialarbeiterin. Und will der Bücherei „in jedem Fall“ auch nach der Olympiade treu bleiben.

100er-Grenze durchbrochen

Und das ist kein Einzelfall. Es läuft also ganz gut? Bibliotheksleiterin Essler nickt. Die 100er-Grenze bei den Leseolympiade-Anmeldungen ist durchbrochen, parallel habe man schon etliche Neukunden gewinnen können. Was oft dem Engagement in den Schulen zu verdanken sei. Am meisten Rückmeldungen verzeichne man von den Grundschulen Spiesen und Illingen, auch vom Krebsberg- und Steinwaldgymnasium haben sich schon etliche Schüler gemeldet. Die Ausleihe ist für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Geburtstag generell kostenfrei – auch das Onlineportal. So kann man sich über die „Onleihe Saar“ digital mit Büchern und Hörbüchern eindecken. Für Aktualität ist immer gesorgt. So wurden von Juli 2020 bis Juli diesen Jahres insgesamt 608 neuen Kinderbücher und 244 neuen Kindersachbücher für die Hauptstelle und die Filialen in Furpach und Wiebelskirchen angeschafft.

Ein Band in einem Schwung

Was Familie Becker freuen dürfte. Seit rund fünf Jahren gehören sie zu den Nutzern der Stadtbibliothek. Auch Mika hat die Einladung zur Olympiade in der Schule erhalten – in Landsweiler-Reden. So ehrgeizig wie Anni ist der Achtjährige indes nicht. Ihm genügen sechs Bücher, sich für die Preisverlosung zu qualifizieren. „Für uns ist Lesen sehr wichtig“, betont Papa Nico. Auch für die Großeltern sei das selbstverständlich. Sie haben stets ein Buch zur Hand, oder alternativ eine Zeitung oder Zeitschrift. Ab und zu lässt sich Mika noch zusammen mit seinem kleinen Bruder Maxim (5) vorlesen. Aber meist genießt er seine Lektüre allein. Die „Schule der magischen Tiere“-Reihe gehört zu seinen absoluten Favoriten. So einen Band liest er auch schon mal in einem Schwung weg – heimlich nachts mit der Taschenlampe unter der Bettdecke.

Auch Comics zählen

Manche Bücher sind sogar „zu cool zum Vorlesen“, findet Eliah. Die „Woodwalker“ von Katja Brandis zum Beispiel. Bei Woodwalkern wie Hauptperson Carag, einem jungen Puma- (oder auch Berglöwen-)Wandler, handelt es sich um Personen, die sowohl eine menschliche Gestalt als auch eine Tiergestalt haben und mit einiger Übung beliebig hin und her wechseln können. „Super gut und super spannend“, urteilt der Wiebelskircher Schüler, dessen Lieblingstiere Orkas sind. Vor zwei Jahren hatte Eliah schon einmal an der Leseolympiade teilgenommen – und ein Spiel gewonnen, erinnert sich der Zehnjährige. Letztes Jahr „verpeilte“ er die Aktion, aber diesmal gilt es wieder. Zum Glück zählt auch seine Lieblingslektüre: Comics. Da greift Eliah am liebsten zu Mickey-Mouse-Abenteuern, Asterix & Obelix-Heften oder zu den Schlümpfen. Nie war es leichter, olympisches (Lese-)Gold zu erringen.