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Neues Großprojekt im Neunkircher Zoo dürfte Affen-Fans freuen

Bald soll es losgehen : Neues Großprojekt im Neunkircher Zoo dürfte Affen-Fans freuen

Großprojekt im Neunkircher Zoo derzeit: Das Paviangehege wird ausgebaut. Darauf dürfen sich Besucher jetzt gefasst machen.

Ganz schön schräg wird es werden bei den Pavianen im Neunkircher Zoo. Zumindest hat Gerhard Roth das so geplant. Der Architekt vom Stadtplanungsamt in Neunkirchen setzt den Affen nämlich einen drauf, aufs Innengehege. Und das wird ganz besonders aussehen, wie Zoodirektor Norbert Fritsch der SZ beim Besuch auf der noch etwas renovierungsbedürftigen Terrasse neben dem Betriebsgebäude erläutert.

Man erinnert sich. Es war im Jahr 2018. Damals hatten Tierschutzverbände und auch der Landestierschutzbeauftragte Hans-Friedrich Willimzik über angeblich tierquälerische Haltung der Mantelpaviane im Zoo geklagt. So weit ging das, dass sogar ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gegen den promovierten Biologen Fritsch lief. Doch dann kam Professor Franz-Josef Kaup, vom Ministerim bestellter Gutachter und Pavian-Experte, und bestätigte: Im Zoo ist in Sachen Paviane alles im grünen Bereich. Nichtsdestotrotz hatte er einige Verbesserungsvorschläge im Gepäck. Und die will man jetzt umsetzen.

So soll in einem ersten Schritt das Innengehege vergrößert werden. „Wenn die Tiere jetzt drinnen sind, dann sind sie hinter einer Wand, das Innengehege ist nicht einsehbar“, erklärt der Zoodirektor. Viele Gedanken hat man sich dazu gemacht, wie die Erweiterung umzusetzen ist, ohne, dass die Tiere lange Zeit eine Baustelle im Gehege haben.

Die zündende Idee: Man geht in die Höhe. So kann man erweitern, ohne über längere Zeit ins Leben der Tiere einzugreifen. Der Aufsatz wird quasi aus drei langen Containern, sogenannten See-Containern, außerhalb zusammengebaut werden und dann aufgesetzt. Die Idee des Ausbaus stammt von Gerhard Roth. Und der dreht auch den zweiten Stock. An zwei Seiten gibt es eine Glasfront. Die Tiere können rausgucken: Einmal zu den Menschen vorm Gehege, von der anderen Seite Richtung Elefanten. Und auch die Besucher können umgekehrt die Tiere beobachten, auch, wenn die drinnen sind. „Und es ist schön hell“, erklärt Fritsch. Durch den zweiten Stock wird das Innengehege der Tiere verdoppelt werden.

Doch nicht nur für die Tiere und die Besucher hat der Aufbau Vorteile. Auch die Tierpfleger können die Arbeit im Innern künftig besser händeln, bei der Reinigung beispielsweise. Über einen Strick können die Tiere direkt in den zweiten Stock klettern – oder direkt vom zweiten Stock ins Gehege kommen. „Für alle ist das künftig dann komfortabler, da hat jeder etwas davon“, ist sich Fritsch sicher.

Die geschätzten Kosten für die Aufstockung liegen bei 170 000 Euro. Davon hat das Ministerium bereits 100 000 Euro Zuwendung bewilligt. Das restliche Geld wird aus einem größeren Darlehen kommen. Mehrere Millionen nimmt der Zoo auf, um verschiedene Projekte zu stemmen. In Kürze, so sagt Fritsch, wird das Geld verfügbar sein. Einziges Problem: Das allseits bekannte Dilemma in der Bauwirtschaft. Hier gibt es Materialprobleme, die Firmen haben prall gefüllte Arbeitslisten, einen Bauleiter muss man außerdem noch finden. Anfangen will Fritsch gerne so schnell wie möglich. Diesen ersten Bauabschnitt noch dieses Jahr zu beenden fände er super.

Denn wo es einen ersten Baubabschnitt gibt, da folgt in der Regel mindestens ein weiterer. In diesem will man dann das Außengehege sozusagen öffnen. Heißt: Vorne mittig wird man nach unten gehen, eben-

erdig zum Außengehege der Paviane. Das hat auch ganz praktische Gründe. Bislang, so erläutert Fritsch, war es immer schwierig, etwas im Außengehege zu erneuern, Baumstämme auszutauschen beispielsweise. Das geht bislang alles nur mit Kran und von oben. Durch die geplante Öffnung könnte auch großes Gerät beifahren und somit einiges erleichtern.

Für die Besucher hätte die Öffnung den Charme, dass sie den Tieren sozusagen auf Augenhöhe begegnen könnten. Wie Fritsch weiß, habe es einige von ihnen immer gestört, von oben herab auf die Tiere zu gucken. Für Bauabschnitt zwei werden dann noch einmal etwa 120 000 Euro gebraucht. Notwendig, das betont der Zoodirektor noch einmal, sei der Umbau nicht gewesen, auch nicht die Erweiterung. Aber man wolle damit auch weiteren Diskussionen vorbeugen. Um die Besucher über das Leben der Tiere zu informieren, sind bereits große Tafeln in Gehegenähe angebracht.

 Ansicht und Grundriss der Erweiterung des Paviangeheges, erster Bauabschnitt
Ansicht und Grundriss der Erweiterung des Paviangeheges, erster Bauabschnitt Foto: GErhard Roth/Gerhard Roth
 Zoodirektor Norbert Fritsch erläutert die Pläne.
Zoodirektor Norbert Fritsch erläutert die Pläne. Foto: Elke Jacobi

Nach Corona will man noch einen Schritt weitergehen. Ähnlich wie im Kölner Zoo soll es kommentierte Fütterungen geben. „So erhalten die Leute einen Zugang zu den Tieren.“ Der Informationsbedarf sei hier hoch, die die Vorfälle 2018 gezeigt hätten. Zurzeit leben hier noch 70 Tiere. 30 hatte man nach 2018 weggegeben. Weitere 20 sollen noch gehen im nächsten Jahr. Das wäre schon passiert, wenn nicht Corona auch Tiertransporte erschwert hätte. Mehr Flexibilität im Gehege sei immer gut. Deshalb denkt man in einem weiteren Schritt auch nochmal über möglichen Nachwuchs bei den Pavianen nach. Zurzeit greifen die Maßnahmen zur Geburtenkontrolle, bei den Affenfrauen reversibel, bei den Männchen nicht. Deshalb können die Damen, wenn alles gut geht, auf frisches Blut von außen hoffen . . .