Renaissanceschloss und Barockschloss : Als die ehemalige Hüttenstadt noch herrschaftlich prunkte

Dass es mal ein Schloss in Neunkirchen gab, dass können sich zumindest alle die denken, die sich mit Bierkultur auskennen. Dass es aber gleich zwei waren, das wissen die wenigsten.

Wer nicht mehr ganz so taufrisch ist, der hat sie noch erlebt, die Blütezeit der Neunkircher Schlossbrauerei. Und der kann sich zumindest denken: Da war doch bestimmt mal was. Und dann war da noch der alte Goethe. Oder vielmehr das Gemälde, auf dem er so malerisch auf einer Schlosstreppe sitzt und zwar in Neunkirchen. Das hat er sogar verschriftet. Im Sommer 1770 war er hier, der Dichterfürst. Gechrieben hat er darüber in seinem Buch „Dichtung und Wahrheit“. „Wir betraten bei tiefer Nacht die im Talgrunde liegenden Schmelzhütten und vergnügten uns an dem seltsamen Halbdunkel dieser Bretterhöhlen, die nur durch des glühenden Ofens geringe Öffnung kümmerlich erleuchtet werden. . . Ich überließ meinen Freund einem glücklichen Schlafe und suchte das höher gelegene Jagdschloss...Ich saß vor den großen Glastüren auf den Stufen, die um die ganze Terrasse hergehen.“ Zu sehen ist das Gemälde von Franz Kiedrich im Landratsamt in Ottweiler.

Renaissanceschloss bekannt machen

Bei dem Schloss handelt es sich um das Barockschloss, das 1753 bis 1765 erbaut wurde. Doch das war bereits das zweite Schloss auf Neunkircher Gelände, ein Nachfolgeschloss sozusagen. Denn bereits 200 Jahr zuvor gab es ein Schloss in Neunkirchen. Das Renaissanceschloss wurde in den Jahren 1570 bis 1585 erbaut. Historiker, allen voran Horst Schwenk vom Historischen Verein Stadt Neunkirchen (HVSN), haben immer wieder gerne Vorträge über die Neunkircher Schlösser gehalten. Armin Schlicker hat die Infos alle in einem Heft des HVSN zusammengefasst. Außerhalb dieser Kreise ist zumindest die frühere Existenz eines Renaissanceschlosses weitestgehend unbekannt. Das will nun eine ganz andere Neunkircher Gruppe ändern. Der Kinderkarnevalsverein Hoppeditz unter Leitung von Ulla Karthein hatte beim Kinderfest Mitte August bereits angekündigt: Es soll eine Gruppe von Herolden gegründet werden, die auch außerhalb der Fastnachtszeit an die fürstliche Vergangenheit Neunkirchens erinnert.

Es gibt Zeichnungen

Bauherr diesen ersten Schlosses war Graf Johann IV., Baumeister Christian Stromeyer. Das Jagdschloss wurde am Westrand des heutigen Oberen Marktes als Jagdschloss erbaut, lag in der Begrenzung der heutigen Rödelsgasse, der Irrgartenstraße und des Oberen Marktes und war 57 mal 41 Meter groß. Heute kaum noch vorstellbar, war die Umgebung des Schlosses damals geprägt von wildreichen weiten Wäldern. Wie das Schloss ausgesehen hat und wie es aufgebaut war, darüber gibt es mehrere Zeichnungen. Das Schloss hatte im Keller zwei Weinkeller, einen Vorratsraum und zwei Pferdeställe. Im Erdgeschoss fanden sich das Cabinet des Schlosssekretärs, die Schlossküche mit Fleischkammer, Küchenkammer und Brunnen, eine Brotkammer, ein kleiner Esssaal, zwei Lakaiengemächer, sechs vermutlich vom Personal genutzte Räume und zwei Toiletten. Im Obergeschoss: ein großer Esssaal mit Kamin, eine Silberkammer, Gemächer für Grafen, seine Gattine, seine Schwester, eine Kinderstube, ein Fräuleingemach mit weiterer Kammer und zwei Toilettenräume.

Zu Ställen umfunktioniert

Das Schloss wurde im Dreißigjährigen Krieg leicht beschädigt und wieder instandgesetzt. An den Kragen ging es ihm erst, als 200 Jahre später das Barockschloss gebaut wurde, von 1753 bis 1765. Da der südliche Teil des Renaissanceschlosses durch diesen Bereich führte (heute Irrgartenstraße) wurde er abgerissen. Der restliche Teil wurde zu Ställen umfunktioniert, schreibt Schlicker. Allerdings wurde das Abrissmaterial als Baumerial für den Neubau genutzt. Auf den Grundmauern des Renaissanceschlosses, so ist nachzulesen, stehen heute noch das Haus Burgkeller und einige Nebengebäude. Beim Bau des Burgtheaters im Jahr 1950 waren Fundamente der Schlossküche, des linken Treppenturms und der Brunnenschacht freigelegt, vermessen und wieder überbaut worden. Ein Fundament des Südostturms befindet sich dort, wo das vor nicht allzu langer Zeit abgerissene Schuhhaus Itt stand.

Als Materialquelle genutzt

Erbaut worden war das Barockschloss, weil der regierende Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken einen repräsentativeren Bau wollte. Den Auftrag bekam Baumeister Friedrich Joachim Stengel. Viele Bewohner hatte Neunkirchen damals noch nicht. Etwa 60 Bauern lebten rund um die Kirche, dazu kamen rund 40 so genannte Hintersassen (verheiratete Söhne ohne eigenen Hausstand), elf so genannte Schutzjuden. Zuzüglich der Arbeiter auf dem Eisenwerk kam das Dorf so auf ungefähr 900 Einwohner. Das Barockschloss diente als Jagdschloss, hieß deshalb offiziell Jägersberg. Es wurde von den Revolutionstruppen nicht abgefackelt, sondern geplündert und verwüstet. Ein englischer Adliger Lord Thornton wollte das Schloss 1802 kaufen und restaurieren. Doch schließlich ging es an den aus Saargemünd als Maire nach Neunkirchen gekommenen Franz Couturier. Nach und nach zerfiel das Schloss, wurde zu Steinbruch und Materialquelle. Mauerreste sieht man am Haus in der Schlossstraße 22, wo ein Teil freigelegt wurde.

Modelle und Pläne

Das Barockschloss wird von Besuchern, darunter auch Freiherr von Knigge, als besonders schön und prachtvoll beschrieben. Über die Vorhalle betrat man das Schloss mit der von Goethe erwähnten Treppe. Der Mittelrisalit soll eine Breite von 15,67 Metern gehabt haben, der gesamte Mittelbau 47 Meter, die Spannweite lag bei 94 Metern.Lange kämpften Historiker darum, die Reste freizulegen. Modelle der Schlösser wurden bereits mehrfach angefertig. Am Aldi-Gebäude in der Irrgartenstraße hängt ein großer Plan, der das ehemalige Schloss zeigt. Sogar ein Modell aus Streichhölzern gefertigt gibt es vom Renaissanceschloss. Es steht im Foyer des Rathauses.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Neunkirchen hatte bereits zwei Schlösser