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Schüler des Gymnasium am Krebsberg treffen Seiji Kimoto

Seiji Kimoto : „Bleiben Sie wach und aufmerksam“

Im Gespräch mit Schülern des Krebsberggymnasiums gab Seiji Kimoto Einblicke in sein Schaffen als Künstler und erzählte manch private Anekdote in einem lebendigen Austausch.

Seiji Kimoto bricht einen kleinen Zweig einer Nusshecke ab, kniet sich auf den Boden und zeichnet etwas in die Erde. Der Mann ist schließlich Künstler. Und wenn es darum geht, die Komplexität der japanischen Schrift zu erläutern, dann greift man am besten zu Stift und Papier. Oder eben zu Zweig und Erde. Man muss sich nur zu helfen wissen.

Die Schüler des Gymnasiums am Krebsberg jedenfalls sind sichtlich angetan von den Erzählungen und anschaulichen Erklärungen Seiji Kimotos und seiner Frau Ursula, die sich am recht kalten Montagmittag viel Zeit nehmen, um den Zwölftklässlern Rede und Antwort zu stehen. Der Anlass: Japan. Das ist nämlich das frei gewählte Thema eines Seminarfachs der Schüler, die sich im Unterricht mit ihrem Lehrer Frank Ebener mit der Geschichte und der Kultur des ostasiatischen Staates befassen. So ist die Idee für ein Treffen mit Kimoto entstanden, passender Weise vor dessen Mahnmal für Fremdarbeiter und Fremdarbeiterinnen am Neunkircher Wasserturm.

Wie es kommt, dass Kimotos Werk häufig einen Bezug zum Zweiten Weltkrieg hat, lautet die erste Frage der Schüler, die dem 83-Jährigen in den fast sechs Jahrzehnten seines Schaffens als Künstler nicht zum ersten Mal gestellt wird. Seine Antwort: „Weil ich ein Mensch bin.“ Und als solcher wolle er daran erinnern, was Menschen anderen Menschen antun, wenn sie die Macht dazu haben. Zudem hätte auch Japan eine dunkle Geschichte im Zweiten Weltkrieg, die man jedoch dort kaum aufarbeiten würde.

Kimoto tut dies in seiner Kunst, wie das Mahnmal in Neunkirchen eindrücklich zeigt, und dessen Bedeutung er am Montag auch den Schülern näher bringt.

Das abgebildete Opfer, ein Fremdarbeiter, der im Krieg nach Neunkirchen verfrachtet wurde, sei angekettet ans Schicksal und werde beobachtet von einem stummen „Daneben-Steher“. Die jetzige Generation sei natürlich nicht für die damaligen Gräueltaten verantwortlich, dennoch müsse sie die Last der Erinnerung tragen und sich bewusst sein, dass sie dafür verantwortlich sei, was künftig von Deutschland ausgehe, erklärt das Ehepaar Kimoto, das im Laufe der kurzweiligen 70 Minuten auch Einblicke ins Privatleben gewährt.

Dass er sein Leben der Kunst widmen konnte, verdanke er seiner Frau, erklärt Seiji Kimoto, die mit ihrem Einkommen für finanzielle Sicherheit gesorgt habe. „Und sie hat nie gejammert“, sagt Seiji Kimoto mit einem Lachen. „Wie könnte ich jammern, bei einem so interessanten Mann an meiner Seite. Bei uns ist es immer spannend“, fügt Ursula Kimoto hinzu.

Dass man sich im Hause Kimoto auf Deutsch unterhält, eine Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn zum ersten Treffen des Paars führte, man bis heute japanische Traditionen pflegt – Seiji Kimoto ist Teemeister –, beide Töchter nach dem Abitur ein Jahr in Japan verbracht haben und weder Seiji noch Ursula Kimoto nicht gut kochen konnten und daher in jungen Jahren ein „deutsch-japanisches-Mitsch-Matsch“ auf den Tisch kam, all das erfahren die Schüler aus erster Hand.

Am Ende des Treffens gibt das Ehepaar den jungen Leuten noch einen Rat mit auf dem Weg: „Bleiben Sie wach und aufmerksam. Seien Sie keine Daneben-Steher.“