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Tag des offenen Denkmals im Kreis Neunkirchen

Tag des offenen Denkmals im Kreis Neunkirchen : Der Funke sprang über

Wellesweiler Schmiede und Maschinenbaubetrieb Herzog lockten viele Gäste am Tag des offenen Denkmals – sogar aus der Pfalz.

Von der Glut auf den Amboss, die Rundung hämmern oder die Längsseiten, und zurück auf die gut 1200 Grad heiße Kohle. Schweigend wiederholt Timo Schneider den Vorgang immer wieder, die selbst geschmiedete Zange mit dem glühend heißen Werkstück routiniert bewegend. Dem Ganzen haftet etwas Meditatives an. Während draußen an den Tischen bei Kaffee und Kuchen munter geplaudert wird, sagt in der alten Schmiede zwischen Biegemaschine, Fußtritthammer, Bügelsäge & Co. niemand ein Wort. Bis Schneider die beiden überstehenden Enden des Rundstahls abschlägt. Voila, das Herz ist fertig. „Malen kann ich sowas nicht“, grinst der gelernte Zweiradmechaniker. Schmieden funktioniert dagegen hervorragend. Kein Wunder bei 20 Jahren Erfahrung.

Mittelaltermärkte sind ihm inzwischen zu kommerziell. Schneider formt das Eisen am liebsten daheim in Püttlingen allein für sich oder zusammen mit dem jüngsten Sohn, der Gefallen am Hobby des Vaters gefunden hat. Material musste er noch nie zukaufen. „Die Leute stellen mir den Schrott vor die Tür.“ Upcycling also, aus alt mach neu – von den Schmieden schon immer praktiziert. „Das Material ist viel zu wertvoll zum Wegschmeißen.“

Zwischen Schmiede und Junkerhaus herrscht reges Kommen und Gehen, vor allem aber Bleiben. „Wunderbar“, strahlt Günter Sachs, Vorsitzender des gastgebenden Wellesweiler Arbeitskreises für Geschichte. „Die Leute freuen sich riesig, wieder zusammen zu kommen.“ Durch die Pandemie habe die Veranstaltung wie schon im letzten Jahr „einen sozialen Charakter“ bekommen. Los ging es mit einer Führung durch die Stengelkirche, anschließend kredenzte man die berühmte Erbsensuppe mit Würstchen. „Wir hatten das seltene Glück, dafür einen Sponsor zu finden“, dankt er Mehmet Göksu, Inhaber des 500 Meter Luftlinie entfernten E-Centers. So bleibt mehr vom Erlös hängen. Immerhin gilt es Gebäude zu unterhalten. Anstriche stehen an, dazu die laufenden Kosten. Zumal es wohl mit dem Weihnachtsmarkt wieder nichts wird. In die Nostalgie-Schublade möchte Sachs seinen 55 Mitglieder starken Verein übrigens nicht gesteckt wissen. Vielmehr sei man „das Bindeglied zwischen den Generationen“.

Mit der jungen Generation unterwegs war am Sonntag auch Familie Meßmer. Am Frühstückstisch habe man überrascht realisiert, was heute alles angeboten wird. „Ganz spontan“ entschied der Familienrat, die Dreiviertelstunde nach Neunkirchen zu fahren, erzählte Bianca Meßmer. Gezielt hatte das Quartett aus der Pfalz dort zunächst das Maschinenmuseum von Wolfram Herzog aufgesucht. „Sehr interessant“ sei die Führung gewesen, meinte Frank Meßmer. „Super erklärt“, lobte seine Frau, „mit sehr viel Herzblut.“ In der 25 Meter langen Halle stehen über 30 denkmalgeschützte Maschinen und Werkzeuge. Darunter die Langhobelmaschine, vermutlich 18. Jahrhundert. Mit der konnte man große Teile abhobeln, etwa für Kohlenrutschen im Bergbau. Auffällig schön ist die gotische Form. Durchbrüche im Gehäuse erinnern an Kirchenfenster. Das macht die Maschine stabil bei geringem Materialeinsatz, weiß Besitzer Wolfram Herzog: „Damals hatte man noch den Anspruch, Maschinen möglichst schön zu gestalten – immerhin waren die zu der Zeit etwas ganz Neues!“

Mit jedem Stück verknüpft Herzog Erinnerungen an seinen talentierten Großvater. Zunächst Bergmann, Taxichauffeur und Hufschmied, hatte sich Philipp Herzog 1929 nach seiner Lehre im Eisenwerk, auf dem Gipfel der Wirtschaftskrise, selbständig gemacht. 1940 errichtete der Maschinenbauer die Halle, um nach eigenen Entwürfen Maschinen für die Holzbearbeitung herzustellen, hauptsächlich Kreissägen, Drechselbänke oder Hobelmaschinen. Immer knapp bei Kasse, erwarb Philipp Herzog dafür gebrauchte Maschinenteile und sammelte kaputte Geräte auf Schrottplätzen, um sie wieder zum Laufen zu bringen.

 Führungen bot auch das Maschinenmuseum von Wolfram Herzog.
Führungen bot auch das Maschinenmuseum von Wolfram Herzog. Foto: Anja Kernig

„Ich mag das Auto“, verriet Johanna (14) Meßmer, und auch ihrem Bruder Julius (10) hatte es der knallblaue Pick-up, ein VW T1 von 1960, angetan. Nach 30 Jahre Herumstehen war das Firmenfahrzeug einst total durchgerostet gewesen. Bis es Wolfram Herzog für 85.000 Euro restaurierte. Für die Meßmers ging es im eigenen Pkw weiter nach Wellesweiler in die Schmiede. „Aber wir kommen noch mal wieder.“ Das nächste Mal unbedingt mit dem Schwager. Zum „Anfüttern“ nahmen sie den Katalog des Maschinenmuseums mit.