1. Saarland
  2. Neunkirchen
  3. Neunkirchen

Tour durchs Ellenfeldstadion in Neunkirchen

Tour durchs Ellenfeldstadion : Geschichte(n) vom Rasen bis unter die Tribüne (mit Bildergalerie)

Was ist das Besondere am Neunkircher Ellenfeldstadion, das von Fußballfans gerne mit dem Zusatz „Mythos“ versehen wird? Bei einer Stadionführung wird es deutlich.

„Eine wahre Perle der Stadionkultur“, „die Blaue Mauritius unter den Stadien“, „der Bökelberg des Saarlandes“, „ein absolutes Muss“, „ein magischer Ort“: Wer im Internet nach Ellenfeldstadion sucht, landet schnell in Foren von Stadionfans aus ganz Europa, die in den höchsten Tönen von dem 1912 erbauten Rund schwärmen. Vielen von ihnen hat Prof. Dr. Jens Kelm das Stadion bei einer seiner Führungen näher gebracht; ein Kenner der Historie und der Spielstätte, der zu nahezu jedem Stein eine Anekdote kennt.

Los geht’s an der Spieler-Statue, die seit 1955 imposant vorm Stadion die Fans begrüßt, und bei der sich ein Blick auf die Rückseite des Sockels lohnt. Dort ist nicht nur der Name des Künstlers, Karl Hock, verewigt, sondern auch Schlägel und Eisen, für die damalige Industriestadt ein unverzichtbares Symbol. Die Pfeiler der Fassadenfront fallen nicht sofort ins Auge, beim Hinweis Kelms aber auf den Vergleich zu den original erhaltenen Kassenhäuschen wird deutlich, dass diese ebenso konisch zulaufen wie die wuchtigen Betonstützen. „Das ist alles so beabsichtigt“, weiß Kelm, der den Gang über den Stadionrasen scheut. Das stehe ihm, der nie Fußball gespielt hat, nicht zu, erklärt er. Wer den Rasen betritt und sich auf den Mittelpunkt stellt, wird feststellen, warum die Borussia seit eh und je in der ersten Hälfte lieber in Richtung Spieser Kurve spielt: Der Platz hat ein Gefälle. Und so geht es in Hälfte zwei, wenn die Kräfte schwinden, den „Berg“ hinunter.

Und wer hier schon alles auf dem Rasen in Zweikämpfe verwickelt war: Von Beckenbauer über Heynckes bis hin zu Walter, Seeler, Overath. Und natürlich sämtliche Legenden der Borussia, allen voran Willi Ertz. Seit dessen Tod im Juli 2018 bleibt sein Sitzplatz auf der Haupttribüne für immer unbesetzt. Eine Plakette erinnert an den „Held von München“, an dessen Fähigkeiten als Torwächter so mancher Stürmer verzweifelt ist.

Auch das Dach der Tribüne weist eine Besonderheit auf. 19,70 Meter ragt es seit 1965 frei schwebend über den Köpfen der Fans. „Das ist einzigartig in Deutschland. Zur damaligen Zeit ein architektonisches Meisterwerk“, weiß Kelm, der seinen Gästen stets dazu rät, die Spieser Kurve bis zur letzten Stufe zu erklimmen und erst dann den Kopf Richtung Stadion zu wenden. Es eröffnet sich ein Blick, der weit über das Stadion und das Sudhaus der ehemaligen Schloss-Brauerei hinaus reicht. Und es braucht nicht viel Vorstellungskraft um gemeinsam mit 7500 Gleichgesinnten auf den großen Stufen die eigene Elf anzufeuern, wenngleich die Borussen-Anhänger schon seit vielen Jahren auf den Block 5 ausgewichen sind.

Einen weiten Schritt zurück in die Historie des Vereins verschafft der Gang in die Katakomben der Haupttribüne. Die ursprünglich erbaute Holztribüne brannte 1928 ab. Man vermute, so Kelm, dass Landstreicher im damals kalten Winter dort Unterschlupf gesucht hatten und sich an einem Feuer wärmen wollten. 1930 wurde dann die heutige Tribüne erbaut. Und noch immer sind Relikte aus dieser Zeit zu sehen. Etwa die Duschen und die Toiletten im damaligen Umkleide-Trakt, in dem schon Fritz Walter in seine Stollenschuhe schlüpfte. Oder die alten Kleiderhaken und die Schalter, befestigt auf einer Marmorplatte, noch immer versehen mit handgeschriebenen Zetteln, die zeigen, was damit in Gang gesetzt wurde.

Weitaus moderner geht es im Trakt mit den heutigen Kabinen zu, der lustigerweise auch über einen „Dopingraum“ verfügt. Bei der Wahl des Schildes hätte man sich wohl besser für „Dopingkontrollraum“ entschieden. Im Keller dann wieder Einblicke in die erfolgreichen Jahre der Borussia, als Neunkirchen in der Bundesliga spielte. Hochmodern waren die Hüttenstädter damals ausgestattet, etwa mit Ermüdungsbecken und Regenerations-Wanne. „So etwas gab es damals nicht mal beim FC Barcelona. Der Erfolg der Borussia war kein Zufall, sondern logische Konsequenz. Die haben schon gewusst, was sie machen“, betont Jens Kelm mit Verweis auf die vielen saarländischen Spieler in den damaligen Reihen der Borussia.

Viele davon zu sehen auf Fotos im heutigen VIP-Raum. Etwa Willi Erz und Dieter Schock beim Spiel gegen Borussia Mönchengladbach am 14. August 1965. Ein Spiel, bei dem übrigens Günter Netzer, Jupp Heynckes und Berti Vogts ihr Bundesligadebüt feierten. Historisch. Wie nahezu jeder Winkel im altehrwürdigen Ellenfeldstadion der Borussia aus Neunkirchen.

Wer Interesse an einer Führung durchs Ellenfeldstadion hat, kann sich auf der Geschäftsstelle der Borussia melden, bestenfalls mit Terminwunsch. Tel. (06821) 9144747, oder per E-Mail: office@borussia-neunkirchen.saarland.

borussia-neunkirchen.saarland

Hier geht es zur Bilderstrecke: Durchs Neunkircher Ellenfeldstadion