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Orang-Utans Surya und Suaqu sollen in Vietnam eine neue Heimat finden

Kostenpflichtiger Inhalt: Zwei Orang-Utans, die bald in Vietnam leben sollen : Aus dem Zoo in den Zoo – die Reise von Surya und Suaqu

Was hätte sie wohl zu alledem gesagt? Wäre Surya froh, eine neue Heimat zu bekommen? Froh, einen neuen Artgenossen kennenzulernen? Es wird ihr Geheimnis bleiben. Surya ist ein siebenjähriges Orang-Utan-Weibchen.

Der Neunkircher Zoo hat sie im Juli in den Leipziger Zoo bringen lassen. Für Surya eine wichtige Zwischenstation ihres Lebens. In Leipzig lernt sie ihren künftigen Gefährten Suaqu (elf) kennen. Von Leipzig aus soll es weiter in einen asiatischen Zoo gehen. „Nach Vietnam, um genau zu sein“, meint der Neunkircher Zoodirektor Norbert Fritsch.

Alleine der Umstand, dass Surya von nun an in einem Zoo in Asien leben soll, bereitet Colin Goldner Sorge. Goldner engagiert sich in Vollzeit für den Schutz der Affen, wie er sagt. Seit 2011 kümmert er sich für den „Think-Tank“ Giordano-Bruno-Stiftung um das „Great Ape Project“. Das Projekt hat zum Ziel, den Großen Menschenaffen – Schimpansen, Gorillas, Bonobos und Orang-Utans – wegen ihrer Ähnlichkeit zum Menschen bestimmte Grundrechte zuzugestehen. „Es gibt mit Sicherheit Zoos in Asien, die europäischen Standards entsprechen, aber es gibt auch solche, die das nicht tun“, meint Goldner. „Wenn Surya nach Asien verbracht wird, dann müssen die Lebensumstände dort unbedingt den hiesigen Tierschutzbestimmungen genügen“, fordert er.

Suryas und Suaqus neues Zuhause kennt Simone Schehka genau. Eine kurze Suche und ein Blick in die Computerdaten genügen: „Die beiden sollen künftig im Zoo Vinpearl in Vietnam leben“, erklärt Schehka. Die Leiterin des Zoos in Münster koordiniert mit Clemens Becker vom Karlsruher Zoo den Schutz der Orang-Utans im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP). Vor über 30 Jahren begann laut Schehka das Erhaltungszuchtprogramm und stellt eine der Tätigkeiten des Europäischen Zooverbands EAZA dar. Mehr als 300 Zoos Kontinentaleuropas sind im Verband der EAZA organisiert. Es geht um Standards, „höchste Standards“, wie Schehka meint, die ein Zoo erfüllen muss, um Teil des Erhaltungszuchtprogramms zu werden.

„Ursprünglich diente es der koordinierten Zucht, der in den Zoos gehaltenen Tiere“, erklärt Schehka und sagt: „Mittlerweile steht der Erhalt bedrohter Tierarten immer stärker im Fokus.“ Die Orang-Utans, man unterscheidet drei Arten, nämlich den Borneo-Orang-Utan, den Tapanuli-Orang-Utan und den Sumatra-Orang-Utan, sind bedroht. Die Weltnaturschutzorganisation IUCN listet alle drei Arten als „stark gefährdet“. Rund 119 000 Orang-Utans, davon etwa 105 000 Borneo-Orang-Utans, gibt es nach Schätzungen der Naturschutzorganisation WWF weltweit noch. „Etwa 350 Orang-Utans leben in europäischen Zoos“, sagt Schehka.

Bis Tiere wie Surya und Suaqu eine neue Heimat finden, ist lange Vorbereitung nötig. „Wir reißen uns ein Bein aus, um den richtigen Ort zu finden“, verdeutlicht Schehka „da steckt viel Liebe und Arbeit drin“. Von asiatischen Zoos und den Bedingungen dort höre man ja viele Klischees, meint sie. „Der Zoo in Vinpearl wurde vor Ort von Kollegen aus Leipzig und Singapur angeschaut. Er erfüllt alle Auflagen.“

Zoos setzten sich sehr für den Artenschutz ein, sagt Schehka: „Aber sie halten viel zu sehr damit hinter dem Berg.“ Und auch in Schutzprojekte fließe viel Geld. „Ich möchte, dass die Menschen hören, dass Artenschutz für uns eine Herzensangelegenheit ist.“ Deshalb hält auch der Neunkircher Zoodirektor nicht viel von unsachlich geführten Angriffen, wie er sie nennt, auf die Unterbringung von Tieren in ausländischen Zoos oder Grundrechte für Affen: „Ich glaube, dass das genau das Gegenteil bewirkt. Das führt die Diskussion weg vom Artenschutz, um den es auch uns als Zoos geht“, sagt Fritsch. „Großflächige Abholzung für Palmöl-Plantagen, Tiere, die als Attraktionen in Shows herhalten müssen oder als exotische Haustiere gehalten werden. Darauf sollten wir uns konzentrieren.“

Sobald die Corona-Pandemie es zulässt, soll für Surya und Suaqu ihr Leben in der neuen vietnamesischen Heimat beginnen.