1. Saarland
  2. Neunkirchen
  3. Ottweiler

Imkerei Blies-Biene gehört zur Regionalmarke im Landkreis Neunkirchen

Serie: Wertvolles aus der Willkommensregion Neunkirchen : 60 Völker sorgen für süße Verführung (mit Bildergalerie und Info)

Seit 2018 gibt es im Landkreis Neunkirchen die Regionalmarke. Wertvolles aus der Willkommensregion bieten seitdem immer mehr Hersteller aus dem Landkreis an. Wir stellen die Partner-Betriebe vor. Heute: Imkerei Blies-Biene aus Ottweiler.

„Es ist ja nur ein Hobby“, sagt Michael Breit. Und muss selbst lachen. Denn das Hobby ist sicherlich eines der arbeitsintensivsten, die man sich vorstellen kann. Breit ist Imker. Gemeinsam mit seiner Frau Hanne betreibt er die (Hobby-)Imkerei Blies-Biene. Sie waren mit bei den ersten Partnern, die unter der Regionalmarke des Landkreises Neunkirchen ihre Ware vermarkten. Organisator Willi Walter hatte sich bei dem Ehepaar aus Ottweiler gemeldet. Die waren sofort dabei. „Das spart schon enorme Ressourcen“, sagt Breit. Der fühlt sich schon immer der Natur verbunden – was der Besucher in der Linxweilerstraße, ganz am Ende der Sackgasse gelegen und beim ersten Mal gar nicht so leicht zu finden, sofort sieht. Hier grünt und blüht es, dass es eine Pracht ist. Kaninchen mümmeln in ihren Ställen. Und dann natürlich: Imkerzubehör, Honig – allgegenwärtig. Dabei ist Breit eher ein Spätberufener. Erst 2013 hat er einen Imkerkurs belegt. Mit zwei Völkern fing damals alles an. Ein Jahr später waren es bereits zehn, 2015 hatte er 20. Mittlerweile schwärmen 60 Völker für die Breits. Damit, so Breit, zählt das Hobby als Nebenerwerbsbetrieb. Das beginnt bei 25 Völkern.

Vermehrung durch Ablegerbildung

Die Bienenvölker leben allerdings quasi von den Breits getrennt. Auf einem ihnen gehörenden größeren Grundstück außerhalb von Ottweiler. Nur die Brutwaben sind im Garten beim Haus. Denn Breit vermehrt selbst durch Ablegerbildung. Normalerweise, so erzählt der Imker, ziehen sich die Völker im Mai ihre Königin. Aber man kann das auch selbst machen. „Dann sind die Tiere in der Regel friedfertiger, lassen sich besser führen und gezielt begatten“, erzählt Breit. Wobei: Friedfertig, so sagt Hanne Breit, das seien eigentlich alle ihre Völker. In diesem Jahr lief es allerdings mit der Vermehrung eher schlecht. „Kein gutes Jahr für Vermehrung oder Honig“, sagt Breit. „Viele Imker haben gar nichts.“ Zu lange sei es zu kalt gewesen, gerade dann in den Monaten April bis in den Juli, wenn die Haupttracht normalerweise eingeflogen wird. „Die Trachtpflanzen haben geblüht, hatten aber wenig Nektar“, weiß der Imker.

Die Völker wandern

Die Breits wandern mit ihren Wirtschaftsvölkern. Nur für die Frühjahrs- und Sommertracht bleiben sie stehen. Für spezielle Sorten ziehen sie dorthin, wo die Pflanzen sind. Dazu fahren sie jeweils ein- bis zweimal mit dem Hänger und den Bienenvölkern los. Die Stellplätze sind zuvor mit den jeweiligen Besitzern ausgemacht, werden quasi gepachtet. Den Anfang macht der Raps. Vier bis fünf Wochen fliegen die Tiere aus 45 Völkern dort im April bis Mai auf dem Feld eines Bauern in Elm. Im Anschluss geht es dann nach Bierbach oder Wallerfangen auf einen Reiterhof für die Akazientracht. 30 Völker arbeiten hier. Es folgen die Kastanien von Juni bis August. 30 Völker sind das in diesem Jahr, die bei Hauenstein unterwegs sind. Wenn der Wald „besser steht“, wird geteilt, dann geht es halbe halbe, der Waldstandplatz ist bei Dahn. Für das Aufstellen im Wald wird die Genehmigung des Försters eingeholt. Und so klärt sich ein großes Geheimnis: Woher weiß der Imker, wo die Bienen gesammelt haben? „Die Bienen richten sich nach den Massentrachten, die haben den meisten Nektar“, macht Breit schlau. Deshalb eben fährt man für speziellen Honig auch spezielle Orte an. Das Saarland ist für Waldhonig schlecht geeignet, sagt Breit. Hier werde dann Pflanzensaft statt Blüten gesammelt. Und dann muss auf dem Honig-Etikett eben auch „Wald- und Blütenhonig“ stehen.

Wie die Bezeichnung entsteht

Überhaupt: Die Bezeichnung. Die muss jeder Prüfung standhalten, sonst bekommt der Imker Stress. An Bieneninstituten kann man den Honig nach genauen Regeln untersuchen lassen. In dem Buch von Helmut Horn mit dem Titel „Honig“ ist für jede Honigart genau vermerkt, wie der Honig sein muss. Farbe, Geruch, Geschmack, Konsistenz, Verhältnis Fruktose zu Glukose und vieles mehr müssen stimmen, damit der Honig die entsprechende Bezeichnung verdient. Die Untersuchung kostet zwar so etwa 120 Euro. „Aber man ist auf der sicheren Seite“, sagt Breit. Ansonsten gibt es die Möglichkeit der Ergänzung, beispielsweise „Blütenhonig mit Akazien“. Sein Wissen bezieht Breit aber nicht nur aus Hiens Buch, der „Bibel der Imker“. Ein ganzes Regal ist dem Wissen um die Bienen gewidmet. Breit besucht auch regelmäßig Kurse am Bieneninstitut, gut zwölf sind das schon gewesen.

Überwintern der Bienen

Ist die Schwarmzeit vorbei, ist die Arbeit nicht zu Ende. Dann gilt es, die Tiere zu überwintern. Die Vorbereitung beginnt bereits jetzt. Dann wird eingefüttert: Zuckerwasser gibt es da, das im Laufe der Zeit immer dickflüssiger wird. Pro Volk werden zehn bis 15 Kilo Zucker verfüttert. Anfangs im Verhältnis 0,7 zu eins, am Ende drei zu eins. Außerdem findet die erste Behandlung gegen die Varroamilbe statt. Mitte September folgt je nach Bedarf Behandlung Nummer zwei. Wenn es im Oktober kühl wird, um die null Grad, kommt Behandlung Nummer drei. Die Milbe haben alle Völker, weiß Breit. Behandelt werden allerdings nur die Winterbienen. Die haben einen großen Fettkörper, leben von September bis Februar und dienen dazu, die Königin in einer Kugel zu schützen. Die beginnt Mitte Januar dann Eier zu legen, 2000 bis 3000 am Tag. Die Sommerbienen leben im Übrigen nur vier bis sechs Wochen. 40 000 bis 60 000 Bienen hat ein Volk, wenn es trachtreif ist. Beim Einwintern sollten auf jeden Fall über 7000 Bienen leben. Während die Bienen sich wärmen und mehren, hat Breit auch über Winter alle Hände voll zu tun. Denn die Breits bauen ihr Imkermaterial selbst: Bienenwohnungen, Pollensammler, Bienenfluchten und so weiter. Und auch wenn Hanne Breit sich selbst nicht als Imkerin sieht – ihre helfende Hand ist auch bei diesen Arbeiten immer dabei.