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In Schiffweiler gibt es Streit um Entwicklung von Landsweiler

Wie geht es weiter mit der städtebaulichen Entwicklung in Schiffweiler ? : Vom „Schandfleck“ zum „Ortskern 2.0“

Schiffweiler will sich städtebaulich weiterentwickeln. Zwei Sanierungsgebiete stehen zur Debatte. Und die spannende Frage, was am Standort des ehemaligen Möbelhauses in Landsweiler-Reden geschieht.

Isek - Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept. Ein ziemliches Wortungetüm. Doch dahinter steckt öffentliches Fördergeld für Gemeinden, die ihr Erscheinungsbild verbessern wollen. Isek, mit diesem Programm möchte auch die Gemeinde Schiffweiler im Ortsteil Landsweiler-Reden und Schiffweiler selbst die Weichen Richtung Zukunft stellen. In der Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause stand auf der Tagesordnung des Gemeinderates, den Ausarbeitungen des Illinger Büros Kernplan für die Sanierungsgebiete zuzustimmen. Die Fünfer-Koalition des Rates lehnte dies allerdings ab. Sie forderte mehr Bürgerbeteiligung. Zum Ärger der SPD, die keine Mehrheit mehr im Gremium hat.

Für Bürgermeister Markus Fuchs (SPD) keine gute Entscheidung. „Uns drückt die Zeitschiene“, sagt er. Es geht um Geld aus Fördertöpfen, es sollte jetzt nach einer langen Ausarbeitungszeit der Pläne keine lange Verzögerung mehr geben, argumentiert er.

Wunsch nach Bürgerversammlungen

 Die Kreuzung von Kreisstraße und Hauptstraße in Landsweiler-Reden. Ortsvorsteher Holger Maroldt will dem Ort einen neuen Mittelpunkt geben und ihn optisch attraktiver machen. Foto: Michael Beer
Die Kreuzung von Kreisstraße und Hauptstraße in Landsweiler-Reden. Ortsvorsteher Holger Maroldt will dem Ort einen neuen Mittelpunkt geben und ihn optisch attraktiver machen. Foto: Michael Beer Foto: Michael Beer

Mathias Jochum, CDU-Fraktionschef im Gemeinderat, findet dieses Argument nicht stichhaltig: „Es geht um Investitionen ab 2022. Wir sollten das Ganze natürlich in diesem Jahr abschließen.“ Die Koalition habe bereits Ende 2020 im Gemeinderat auf zwei Bürgerversammlungen zu der Frage der Weiterentwicklung der Orte gedrungen. Zwar habe das Rathaus die Pläne öffentlich ausgelegt, aber das sei nicht die Art von Beteiligung, wie sich die Ratsmehrheit dies vorstelle. Es sei wichtig, die Menschen im Umfeld der geplanten Sanierungsgebiete nach ihrer Meinung zu fragen. Vielleicht müssten die Gebiete an der ein oder anderen Stelle verändert oder erweitert werden. Die Leute müssten jedenfalls mitreden können. Jochum erinnert daran, dass Hausbesitzer im Sanierungsgebiet steuerliche Vorteile hätten, wenn sie investierten.

Einmalige Chance

SPD-Fraktionschef Holger Maroldt sieht die Sache anders: „Man muss wissen, wir reden hier über eine langfristige Geschichte.“ Insbesondere in Landsweiler-Reden (dort ist er Ortsvorsteher) bestünde die einmalige Chance, die Weichen für eine bessere Zukunft zu stellen. Neben dem Sanierungsgebiet in der Hauptstraße richtet sich sein Augenmerk auf die Kreisstraße und die städtebauliche Situation vom ehemaligen Möbelhaus bis zum Freibad. Maroldt: „Wir haben in Landsweiler keinen Ortskern. Zur Entwicklung des Ortes haben wir uns viele Gedanken gemacht.“ Wenn der LfS bald die Kreisstraße vom Lidl bis Stuppis Eck grundlegend saniere und die Kommune das leerstehende  ehemalige Möbelhaus tatsächlich kaufe, bestehe die Chance, in diesem Bereich mit einem Richtung Schwimmbad gelegenen Spielplatz einen ganz neuen Ort der Begegnung in Landsweiler zu schaffen. Ortskern 2.0 nennt er das Vorhaben. Der Ortsvorsteher denkt an einen Mehrgenerationenplatz, der in dem neu zu planenden grünen Quartier entstehen könnte. Der zwischen Schwimmbad und Ex-Möbelhaus gelegene Bauhof platze sowieso aus allen Nähten und könne mittelfristig umziehen, so der Sozialdemokrat. Der Ortskern 2.0 mit Raum für Begegnung, spielende Kinder und viel Grün hat für ihn den Vorzug vor der zweiten Option, einen weiteren Verbrauchermarkt an Stelle des alten Möbelhauses zu errichten. Die Pläne dafür stellt der Investor an diesem Mittwoch im Gemeinderat vor. Die Sitzung in der Klinkenthalhalle beginnt um 17.30 Uhr.

Ende September entscheiden

CDU-Mann Jochum erklärt, in seiner Fraktion bestünden Zweifel, ob die Gemeinde das Gebäude überhaupt mit öffentlicher Förderung erwerben könne. Müsse sie dies aus eigener Tasche tun, werde das Ganze zu teuer. Für einen Einkaufsmarkt würde das alte Gemäuer vom Investor erworben. Jochum setzt auf die beiden geplanten Veranstaltungen zu Isek im September, bei denen sich die Bürgerinnen und Bürger selbst ein Bild zu den Plänen machen könnten. Danach, sagt Jochum, wäre eine Entscheidung über das Thema im Gemeinderat Ende September möglich.

 Holger Maroldt. Foto: Claudia Emmerich
Holger Maroldt. Foto: Claudia Emmerich Foto: Claudia Emmerich
 Mathias Jochum (CDU). Foto: Andreas Engel
Mathias Jochum (CDU). Foto: Andreas Engel Foto: Engel

Sein Gegenpart Maroldt spricht sich nicht gegen Bürgerbeteiligung aus, verweist aber auf die Tücken der vergangenen Pandemie-Monate und erklärt: „Als politisch verantwortlich Gewählter muss man, wenn sich eine Chance wie jetzt bietet, auch zugreifen und sagen, wir machen das.“