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50 Jahre THW Ortsverband Spiesen-Elversberg

50 Jahre THW Spiesen-Elversberg : THW: mehr als nur technisches Know-how

Der Starfighter-Absturz in Heinitz 1980, die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021: Seit 50 Jahren ist das THW Spiesen-Elversberg im Einsatz – vor Ort, aber auch weiter entfernt. Ein Blick in die Chronik und auf aktuelle Entwicklungen.

In einem einsatzreichen Jahr begeht der Ortsverband Spiesen-Elversberg des Technischen Hilfswerks (THW) sein 50-jähriges Jubiläum ohne – bedingt durch das Einsatzgeschehen der Pandemie und der Flutkatastrophe im Ahrtal – dieses feierlich begehen zu können. Eigentlich sollte im November der Festakt mit dem Präsidenten des THW, Gerd Friedsam, im Rahmen eines Empfangs vollzogen werden, wie Michaela Wahl für den THW-Ortsverband mitteilt.

Der Ortsverband kann seit seiner Gründung am 16. November 1971 als THW-Ortsverband Elversberg auf eine bewegte Geschichte zurückblicken, in deren Verlauf sich das Ausbildungs- und Einsatzgeschehen stets dem Wandel der Zeit angepasst hat.

 Wiebelskirchen unter Wasser 2013
Wiebelskirchen unter Wasser 2013 Foto: THW/THW-Archiv

In den Aufbaujahren unter dem Ortsbeauftragten Ludwig Mayer stand die Suche nach einem Unterkunftsgelände und dessen Erschließung im Zentrum der Aktivitäten. Nach einer provisorischen Unterbringung der Mannschaft in den Kellerräumen der Grundschule Heinitz und des einzigen Fahrzeugs im alten Rathaus in Spiesen, konnte unter Vermittlung des damaligen Spiesen-Elversberger Bürgermeisters Wittling das Gelände um das Wallwärterhaus am Wildbertsstock in Spiesen als Unterkunftsgelände gewonnen werden. Parallel konnte der junge Ortsverband seine Einsatzfähigkeit bei kleineren Hilfeleistungen unter Beweis stellen, auch wenn der politische Auftrag in dieser Zeit stark durch den Kalten Krieg geprägt war.

Nach diesen Aufbaujahren entwickelte sich der Ortsverband zu einer verlässlichen Größe im Katastrophenschutz im Landkreis Neunkirchen und im Alltagsleben der Gemeinde Spiesen-Elversberg. Dies sei unter anderem den dramatischen Ereignissen in den 1980er- Jahren geschuldet, als der Kreis Neunkirchen durch mehrere Unglücke getroffen wurde. Die Einsätze beim Starfighter-Absturz in Heinitz, Gasexplosionen in Wellesweiler, Spiesen und Merchweiler prägten den Ortsverband.

 Der Ortsbeauftragte des THW Spiesen-Elversberg, Marc Dawo
Der Ortsbeauftragte des THW Spiesen-Elversberg, Marc Dawo Foto: Dawo/THW

„Es war allen Mitgliedern klar, dass die Ausbildung nicht nur Training für die zivile Verteidigung war, die hoffentlich niemals erforderlich wird, sondern auch Vorbereitung auf reale Unglücks-Ereignisse in Friedenszeiten“, heißt es weiter. In dieser Zeit unter den Ortsbeauftragten Hans Müller und Werner Kaufmann festigte sich auch das Engagement des Ortsverbands im gesellschaftlichen Leben der Gemeinde unter anderem mit den Waldhausfesten, Weihnachtsmärkten, Christbaumsammelaktionen und Unterstützung der Kindergärten. Diese Verwurzelung mit der Bevölkerung wurde auch schon von Beginn an durch eine aktive Jugendarbeit getragen, in der die Jugendlichen sich altersgerecht technisches Knowhow aneigneten und in der Kameradschaft auf den aktiven Dienst vorbereitet wurden. So ist es auch verständlich, dass die folgenden Ortsbeauftragten und viele Führungskräfte ihren Weg zum THW schon über die Jugendgruppen fanden.

Die geopolitische Entwicklung Ende der 80er-Jahre mit dem Fall der Mauer und dem Auseinanderbrechen des Warschauer Pakts hatte auch Auswirkungen auf den Ortsverband in Spiesen-Elversberg, heißt es weiter. Die Strukturen und das Bedürfnis nach Einheiten für die zivile Verteidigung wurden in Frage gestellt. Es kam bundesweit zu Restrukturierungen und im Saarland auch zu Schließungen von Ortsverbänden.

Für den Ortsverband Spiesen-Elversberg sei dies eine existenzbedrohende Situation gewesen, da das Einzugsgebiet der Helferschaft sich auf die Ortslage von Spiesen-Elversberg begrenzte und alle angrenzenden Städte über eigene THW-Ortsverbände verfügten. Es wurden neue Aufgabenfelder gesucht und die Zusammenarbeit mit den Feuerwehren und anderen für die Gefahrenabwehr verantwortlichen Behörden und Organisationen verstärkt.

 Rettungsmannschaften im Einsatz nach dem Starfighter-Absturz in Heinitz, am 12. Mai 1980.
Rettungsmannschaften im Einsatz nach dem Starfighter-Absturz in Heinitz, am 12. Mai 1980. Foto: Hartung

Nach dieser Zeit des Umbruchs übernahm Thomas Schmitt 2001 das Amt des Ortsbeauftragten. Das Einsatzgeschehen hatte sich gewandelt. Kurze Einsätze mit zeitnaher Alarmierung durch die Feuerwehr charakterisierten nun neben Langzeiteinsätzen wie die Hochwasser an der Elbe 2002 und 2013 das Einsatzgeschehen.

Diese Weiterentwicklung in den Einsatzschwerpunkten stellte auch neue Ansprüche an die Ausstattung des Ortsverbandes. Von der Anfangsausstattung mit seinem stark begrenzten Fuhrpark sei außer Greifzug, Brechstange und Schaufel wenig geblieben. Es habe sich vieles verändert: Das Beleuchtungsmaterial ist auf LED umgestellt, hydraulische Werkzeuge kommen verstärkt zum Einsatz, der Radlader wurde durch einen Radbagger mit diversen Greifern, Scheren und Meisel ersetzt und vieles mehr. Heute verfügt der Ortsverband über einen Technischen Zug, bestehend aus einer Führungseinheit (Zugtrupp), den drei Einsatzgruppen (Bergungsgruppe, Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung und der Fachgruppe Räumen) mit ihren spezifischen Ausstattungen und Einsatzfahrzeugen.

 dekade 5/1 2012 bis 2021, Foto5
dekade 5/1 2012 bis 2021, Foto5 Foto: THW/THW-Archiv

„Aber die Technik allein ist es nicht, was den Ortsverband ausmacht. Es sind die Mitglieder – im THW als Helfer bezeichnet, aber in der Sache Spezialisten –, die den Kern der Einsatzeinheit darstellen“, wie es in der Mitteilung heißt. Durch konsequente Aufbauarbeit mit Ausbildungseinheiten vor Ort und auch an den Bundesschulen sei ein Ortsverband geformt worden, der auch über die Grenzen des Kreises bekannt sei und mit mehr als 300 Helfertagen und rund 6000 Einsatzstunden im Katastrophengebiet an der Ahr im Einsatz war. Besonders erwähnenswert sei an dieser Stelle die Aufgabe des aktuellen Ortsbeauftragten Marc Dawo, der für die Zeit von 16 Tagen für das komplette Einsatzgebiet an der Ahr die Leitung und Führung der THW-Kräfte direkt unterhalb der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) des Landes Rheinland-Pfalz innehatte.

 Das THW Spiesen-Elversberg wird dieses Jahr 50. Der Vorstand im Jubiläumsjahr.
Das THW Spiesen-Elversberg wird dieses Jahr 50. Der Vorstand im Jubiläumsjahr. Foto: Elke Jacobi
 Bei der Grundausbildungsprüfung
Bei der Grundausbildungsprüfung Foto: THW/THW-Archiv

Diese kontinuierliche Entwicklung wollte der Ortsverband auch mit der offiziellen Amtsübergabe von Thomas Schmitt auf den amtierenden Ortsbeauftragten Marc Dawo in der Öffentlichkeit dokumentieren. Bedingt durch die Corona-Pandemie, die damit verbundenen Einsätze des Ortsverbandes, aber auch die Einschränkungen des öffentlichen Lebens, war dies bisher nicht möglich. Trotz alledem will der Ortsverband nach vorne blicken und im nächsten Jahr einen neuen Anlauf unternehmen, das Jubiläum und die Amtsübergabe zu feiern.