Serie Welches Kraut gewachsen ist : Im Winter sammelt man Kräuter, Wurzeln und Harz

Wie Baumharze, Fichtennadeln und Winterkräuter gegen verschiedenste Krankheiten helfen können.

Die Natur ruht zwar im Winter weitestgehend. Nichts desto Trotz bietet sie dem Sammler so einiges an, was hilft, heilt oder einfach nur gut tut. Fichtennadeln zum Beispiel sind auf vielerlei Arten aufzubereiten und anzuwenden. Zum Wurzelsammeln ist der Winter ideal. Und auch einige Kräuter bieten immer noch frische Blätter an. Vor allem aber nicht zu vergessen die Baumharze. Die sammelt man im Winter leichter als im Rest des Jahres, da das Harz an der kalten Luft schnell aushärtet. Harze hat im Übrigen auch schon das Jesukind geschenkt bekommen, denn Weihrauch und Myrrhe sind Harze, allerdings von Pflanzen, die bei uns nicht heimisch sind. Im Morgenlande, von wo ja die Gaben bringenden König kamen, allerdings schon: Die Weihrauch-Pflanze gibt es in Asien und Afrika, gerne pflanzt man sie in unseren Breiten auch mal zwischen den Sommerflor; die Myrrhe gehört zur Familie der Balsamgewächse, gedeiht in Südarabien und Äthiopien. Bei uns findet man die Baumharze der Nadelbäume als klebrigen, fettlöslichen und zähen Balsam. Wie Kräuterkundlerin Marie-Luise Spettel erklärt, handelt es sich hierbei um ein komplexes Stoffgemisch aus ätherischen Ölen, Säuren und Alkoholen. „Von Harz spricht man erst, wenn alle flüchtigen Inhaltsstoffe verdunstet sind.“

Sammeln mit Bedacht

Das Harz ist für den Baum ein Pflaster, es verschließt Wunden an der Rinde. Jeder Nadelbaum hat sein spezielles Harz betreffend Konsistenz, Inhaltsstoffe, Geruch, Farbe und Anwendungsgebiet. In unseren Breiten verwendet man laut Spettel vor allem das Harz der Fichte, aber auch von Lärche, Zirbel, Douglasie und Kiefer. Bei der Tanne findet sich das Harz bei den jungen Bäumen in Harzblasen unter der Rinde. Sollte das doch mal zu klebrig sein: kurz in die Gefriertruhe legen. Ganz wichtig, so betont Spettel: „Ein wertschätzender Sammler hinterlässt keine Spuren.“ Will sagen: Das Harz vorsichtig vom Baum entfernen, nur ein wenig Harz von mehreren Bäumen, altes Fichtenharz (es ist milchig-weiß statt gelb) eignet sich besonders, ohne Schaden zuzufügen, „niemals absichtlich einem Baum Wunden zufügen“. „An gefällten Bäumen“, sagt Spettel, „kann man sich natürlich problemlos bedienen.“ Handschuhe, ein Schraubglas und ein stumpfes Messer oder ein Holzschaber – um den Baum nicht zu verletzen – braucht man zum Sammeln. Das Harz säubern und gut trocknen lassen. Wer sich Kleidung mit klebrigem Harz versaut: Am besten mit ein wenig Pflanzenöl entfernen, Baumharz ist nicht wasserlöslich.

Wundheilend und aktibakteriell

Wie das Harz die Wunde des Baumes heilt, so hilft das Harz auch beim Menschen wundheilend und antibakteriell, verhindert Narbenbildung und Entzündungen. Schmerzen werden gelindert. Die Salbe aus Harz wärmt, hilft bei Gicht und Rheuma, fördert die Durchblutung und zieht als Zugsalbe Splitter aus der Haut. Die Salbe aus Baumharz ist bekannt unter dem Namen Pechsalbe. Der Name rührt daher, dass der lateinische Name der Gemeinen Fichte Picea abies lautet. Und piceus ist Lateinisch und heißt übersetzt pechschwarz beziehungsweise aus Pech bestehend.

Rezept: Pechsalbe

  • 100 ml hochwertiges Olivenöl
  • etwa 40 g Baumharz
  • 15 g Bienenwachs (je nach gewünschter Konsistenz weniger)
  • 1 alter Topf, der verschmutzen darf
  • Öl sanft im Wasserbad erhitzen, Harz unter Rühren auflösen. Bei niedriger Hitze etwa eine Stunde ziehen lassen. Mit sauberem Mulltuch oder altem Sieb abfiltern. Bienenwachs im Harzöl auflösen. Alles in ein zuvor sterilisiertes Döschen füllen. Erst verschließen, wenn die Salbe abgekühlt ist. Optional ätherische Öle hinzugeben oder andere getrocknete Kräuter (Kamille, Schafgarbe, Ringelblume) im Ölbad mit ausziehen (Quelle: fräuleingrün.at)

Vielfältige Fichte

Neben dem so genannten „Gold des Waldes“ haben die Nadelbäume aber noch anderes zu bieten: Ihre Nadeln selbst. „Jedoch gilt“, sagt Spettel, „immer große Vorsicht bei der Bestimmung walten lassen und Finger weg von der hochgiftigen Eibe!“ Wer sich an Fichten hält, der hat einiges an Verwendungsmöglichkeiten: von der Fichtennadel-Tinktur bei Muskel und Nervenschmerzen über den Fichtennadeltee bis hin zum Fichtenpeeling. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig.

Rezept: Fichtenadel-Tinktur

  • 250 ml vom Zweig gezupfte Fichtennadeln
  • 400 ml Alkohol (Wodka oder Korn)
  • in eine weithalsige Flasche geben, luftdicht erschließen, zwei Wochen auf der Fensterbank ruhen lassen. Dann abseihen, in eine dunkle Flasche füllen.
  • Die ätherischen Öle der Fichte helfen bei Muskel- und Nervenschmerzen.
  • betroffene Hautstellen mehrmals täglich einreiben
  • Achtung: Alkohol trocknet die Haut aus

Rezept: Fichtennadeltee

  • 3 ganze Triebe
  • 15 ml Wasser
  • Ästchen mit der Spitze nach unten in die Tasse stecken, mit heißem Wasser aufgießen, fünf Minuten ziehen lassen, Ästchen entfernen, mit Honig abschmecken
  • wirkt antibakteriell, schweißtreibend, beruhigend
  • bei Erkältungskrankheiten
  • enthält viel Vitamin C

Rezept: Fichtenpeeling

  • 10 Gramm Fichtennadeln (etwa zehn frische kleine Zweige)
  • 1 EL hochwertiges Öl
  • beides vermischen und fein hacken
  • dann 5 bis 7 EL Öl und 6 EL grobes Meersalz dazu
  • mit 1 EL Honig mischen
  • 10 Tropfen ätherische Öle nach Wunsch (Lavendel, Salbei, Tanne, Rose, Minze . . .)
  • Ganzkörperpeeling machen – danach duschen

Wildkräuter-Sammeln möglich

Tatsächlich kann man auch im Winter Wildkräuter sammeln, auch, wenn die Bestimmung jetzt, ohne Blüte schwieriger ist. Da gibt es zum einen das Gänseblümchen, das es in milden Wintern nie leid wird zu blühen und eine schöne Deko auf Speisen abgibt oder Grundzutat pflegender Gänseblümchensalbe. Die Brennnessel bietet auch im Winter frische junge Blätter an, die eine wahre – allerdings harntreibende – Vitaminbombe in Smoothie oder Salat sind. Auch die zarten Schafgarbe-Blätter machen sich darin gut und sind auch schön als Tee. Bei Erkältungskrankheiten helfen Thymian (Husten lösend, antibakteriell), Salbei (Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut), Lindenblütentee (schweißtreibend) und Holunderblüten (immunstärkend, hilft bei fiebriger Erkältung). Hat man über die Festtage der Völlerei gefrönt, wirken Echte Kamille, Fenchel, Anis und Thymian krampflösend und gegen Blähungen.

Zeit für Wurzeln

Der Winter ist auch die Zeit zum Sammeln von Wurzeln. „Die meisten Pflanzen ziehen ihre Kräfte im Winter in die Wurzeln zurück“, sagt Marie-Luise Spettel. So bietet die echte Nelkenwurz nicht nur die Blätter, sondern auch die Wurzel an. Die duftet nach Nelke und aus ihr lässt sich eine Gurgellösung bei Enzündungen im Mund- und Rachenraum herstellen. Sie aromatisiert aber auch winterlichen Punsch. Ernten kann man sie ganz leicht durch Herausziehen mit der Hand. Für das Ausstechen der Löwenzahnwurzel hingegen ist schon Werkzeug nötig. Aus ihr lässt sich dann aber sogar Kaffeeersatz herstellen: die gereinigten und klein geschnittenen Wurzeln trocken und klein schneiden und dann mit heißem Wasser übergießen. Man erkennt den Löwenzahn an seinen gezackten Blättern, die in einer dichten Rosette angeordnet sind. Auch die Brennesselwurzel lässt sich nun gut ernten. Die wird gereinigt und getrocknet. Dann kann man eine Prostatatinktur damit zubereiten.

Rezept: Schleimlöser

  • 2 EL Spitzwegerich
  • 2 EL Eibischwurzel
  • 2 EL Königskerzenblüten
  • 2 EL Malvenblätter
  • 2 EL Malvenblüten
  • alles mischen, dunkel und trocken aufbewahren
  • 1 EL der Mischung mit kaltem Wasser übergießen
  • 5 Minuten ziehen lassen
  • auf Körperwärme erhitzen
  • mehrere Tassen pro Tag in kleinen Schlucken trinken
  • im Kaltauszug bleiben die wertvollen Schleimstoffe am besten erhalten

Hier geht es zur Bilderstrecke: Diese Pflanzen helfen im Winter