1. Saarland
  2. Neunkirchen
  3. Spiesen-Elversberg

Ortsmitte Elversberg wird umgestaltet inklusive neuer Veranstaltungshalle

Elversberg braucht eine Veranstaltungshalle : Wo können Elversberger in Zukunft feiern? (mit Bildergalerie)

Mit ihren Hallen haben die Spiesen-Elversberger kein Glück. Aber eine Veranstaltungshalle will die 13000-Seelen-Gemeinde schon. Nach Aufnahme in das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) wird nun ein Gutachten erstellt. Das wird auch entscheiden, welche Hallenlösung kommt.

Mindestens zwei Jahre Durststrecke, eher vier, so schätzt Bürgermeister Bernd Huf, werden die Spiesen-Elversberger noch überstehen müssen, bis die Gemeinde wieder eine neue Veranstaltungshalle hat. „Unter zwei Jahren geht gar nichts“, sagt Huf beim Treffen mit der SZ gemeinsam mit dem Leiter des Bau- und Umweltamtes, Michael Arend. Bis dahin aber sollte dann entschieden sein: Wird die Glückauf-Halle saniert, wird sie abgerissen und was Neues aufgebaut oder kommt die Lösung Kirche als Veranstaltungsort? Wie auch immer es aussehen wird, das hat der parteilose Bürgermeister schon lange deutlich gemacht: Alleine kann die Gemeinde die Kosten auf keinen Fall stemmen. Deshalb hat man sich um Förderung beworben. Damit die kommt, muss ein integriertes Stadtenwicklungskonzept her, abgekürzt ISEK. „Eine gute Chance für uns, die Elversberger Ortsmitte aufzuwerten“, ist sich Huf sicher. Allerdings, erläutert Arend, bis das so weit ist, müssen mehrere Punkte durchlaufen werden. „Die eigentliche Maßnahme kommt dann ganz am Schluss.“

Eine Halle gibt es auf jeden Fall

Das Gebiet, die sogenannte ISEK Gebietskulisse, umfasst Grün- und Freiflächen. Viel Leerstand gibt es hier. Die Glückauf-Halle und die profanierte Kirche liegen im Gebiet. Das reicht von der Glückauf-Halle bis zum evangelischen Kindergarten in der einen, von der Pestalozzistraße zur Luisenstraße in der anderen Richtung. Bis November sollte das Gutachten vorliegen. Das Ministerium, sagt Huf, wird wissen wollen, was mit dem dann nicht genutzten Gebäude geschieht. Bürgermeister und Bauamtsleiter sind sich einig: Die Kirche zur Veranstaltungshalle umzunutzen, könnte letzten Endes die einfacherere Lösung sein. Denn: Die Halle kann man abreißen, die Kirche bleibt stehen, ob genutzt oder nicht. „Wenn da jetzt jemand käme und würde die Kirche kaufen“, sagt Huf, „um da eine Galerie, ein Restaurant, was auch immer reinzumachen, dann fände ich das toll. Aber das Bistum hat bislang keine Interessenten gemeldet.“ Interessenten für das Gelände, auf dem noch das „Gutzje“, wie die Glückauf-Halle nach ihrem bunten Anstrich genannt wurde, steht, die gab es bereits, als bekannt wurde, dass die Halle ohne Groß-Sanierung nicht mehr öffnen kann. Der Antrag auf Städtebauförderung ist – wenn auch Corona-verspätet – seit dem frühen Frühjahr durch. Nun gilt es eben, eine Bestandsaufnahme zu machen. Bevor das Konzept dann dem Ministerium vorgelegt werden wird, wird es entsprechende Abstimmung auf breiter Basis geben, sowohl vom Gemeinderat als auch in Form einer Bürgerbefragung. „Dann hat das Ministerium das letzte Wort.“ Im günstigsten Fall stehen dann nach der Prüfung im Mai die Fördergelder bereit. „Das Konzept wird zeigen, welche Art von Halle es geben wird“, sagt Huf. „Aber in welcher Form auch immer, wird es auf jeden Fall eine Halle geben.“

Nicht auf die Halle beschränken

Bereits vor vier Jahren sollte die Glückauf-Halle saniert werden. Damals waren dafür 4,7 Millionen Euro angesetzt. Eine Förderung wurde damals vom Ministerium abgelehnt. Um so wenig Zeit wie möglich zu verlieren, so sagen Huf und Arend, soll parallel gearbeitet werden. Mit den ersten Entwürfen im November soll die Machbarkeit schon abgeklärt werden. Für das komplette betroffene innerörtliche Gebiet gilt: Grünflächen, Entsiegelung und eben die Hallenlösung. Bürgermeister und Bauamtsleiter setzen bei der Planung auf Langfristigkeit. „Zurzeit wird das letzte Sanierungsgebiet abgearbeitet, das stammt aus den 80er Jahren“, sagt Arend. „Was jetzt mit ISEK passiert, das ist eine Weichenstellung für die nächsten Jahrzehnte.“ Und Huf ergänzt: „Wir haben nun die Möglichkeit, den Ortskern komplett neu zu gestalten. Über ISEK können wir etwas Tolles machen, da dürfen wir uns nicht nur auf die Halle beschränken.“

1974 Drittgrößte im Land

Sicherlich brauche der Ort eine Veranstaltungshalle, allerdings angepasst auf die Große der dort stattfindenden Veranstaltungen, macht Huf klar. „Oder wir brauchen ein Budget für richtig große Veranstaltungen“, die aber in Spiesen-Elversberg nicht notwendig seien. Schließlich ist man nah an St. Ingbert und an Neunkirchen, mit etablierten umfassenden kulturellen Angeboten. Die Zeiten, als 1974 die Glückauf-Halle nach Saarland- und Congresshalle die drittgrößte Halle des Landes war, sind lange Geschichte. Nun gilt es vor allem eine temporäre Lösung für die Fastnachter zu finden. Die mussten bereits 2012 aus der Großenbruchhalle (UBA: nur als reine Turnhalle nutzbar) und dann 2019 aus der Langdell. Für die Langdell wird noch mit der Unteren Bauaufsicht gemeinsam nach einer Lösung gesucht. „Wir reden hier ja lediglich von drei, vier Fastnachtsveranstaltungen.“ Für die Halle war von der UBA eine automatische Löscheinrichtung gefordert worden, „sehr kostenintensiv“ (Arend). Der mitgliederstarke Pensionärverein soll künftig vorübergehend den Vip-Bereich der Ursapharm-Arena nutzen dürfen. Da laufen die Verhandlungen. Das CfK in Spiesen ist weiterhin für Veranstaltungen bis 200 Personen nutzbar. Allerdings die dazugehörige Turnhalle, wo sich zurzeit der Kneipp-Verein trifft, fällt für die Kneippianer demnächst auch weg. Hier sollen wohl Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen werden, weiß Huf. Einen Veranstaltungsort bietet das Pfarrheim. „Das könnte man während der Durststrecke sicherlich als Dorfgemeinschaftshaus nutzen.“ Die Halle an der Lindenstraße, nur der Vollständigkeit halber, ist im Rückbau. Hier kommt die Filiale einer großen Drogeriekette hin.

„Gefahr für Leib und Leben“

 Um dieses Gebiet geht es grob umrissen.
Um dieses Gebiet geht es grob umrissen. Foto: Gemeinde Spiesen-Elversberg/.Michael Arend

Eine weitere Teilöffnung der Glückauf-Halle jedenfalls kommt eher nicht in Frage. Davon haben auch Anwälte abgeraten, sagt Huf. „Ich bin da als Bauherr in Haftung. Das ist nicht so abzusichern, dass es völlig gefahrlos funktioniert“, sagt der Bürgermeister. Nach der Sanierung des Restaurants im Jahr 2015 sollten die im Keller des Gebäudes befindlichen Toiletten saniert werden. Die Halle sollte kleiner werden, das Foyer neu gestaltet, die Gemeindebücherei ins Kellergeschoss. Doch dann wurden im Zuge der Bauarbeiten gravierende Mängel festgestellt. „Gefahr für Leib und Leben“, das habe der Tüv bestätigt. Die Mängelbeseitigung ginge in Millionenhöhe.