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Seifenland aus Spiesen-Elversberg ist Partner der Regionalmarke

Serie Wertvolles aus der Willkommensregion Neunkirchen : Das Land, in dem die Düfte herrschen (mit Bildergalerie)

Seit 2018 gibt es im Landkreis Neunkirchen die Regionalmarke. Wertvolles aus der Willkommensregion bieten seitdem immer mehr Hersteller aus dem Landkreis an. Wir stellen die Partner-Betriebe vor. Heute: Seifenland aus Spiesen-Elversberg.

Hier duftet es in allen Farben. Verführerisch Lila, frisch Gelb, rosig Rot oder babyzart Rosa. Dies ist das Land, in dem die Seife herrscht. Seit April 2009 liegt das Land in der Spieser Hauptstraße. Gegründet hat es Natascha Rupertus. Dass es jemals so weit kommt, dass sie sich so ganz und gar zu Hause fühlt hier, dass hätte sie vor 18 Jahren noch nicht gedacht. Aber vielleicht geahnt. Im Jahr zuvor hatte sie mehr oder weniger zufällig eine Reportage im Fernsehen gesehen. Es ging um eine achtfache Mutter aus Bayern, die Seife herstellte. „Das mache ich auch mal“, dachte sich Rupertus – und kam dann erst doch nicht dazu. Dann aber wurde sie schwanger und hatte Zeit. Los ging es. Mit Lavendelseife. „So fängt jeder an“, lacht Rupertus. Fortan gab es zu allen Geschenkanlässen wertvolle Öle. Rupertus ging in die Produktion, zog irgendwann von der Küche in den Keller um. Experimentierte, produzierte – für den Eigenbedarf und für Verwandte und Freunde und für den Spaß. Sie, die immer schon gerne kreativ war, merkte: „Das ist genau mein Ding.“

Eines Tages dann stand jemand vor der Tür, wollte Seife kaufen. „Aber das geht ja nicht, das muss das Gesundheitsamt ja prüfen.“ Aber der Anstoß zur offiziellen Seifenproduktion war gemacht, fortan hat Rupertus offiziell gesiedet. Regelmäßig war sie auf dem Wochenmarkt in St. Ingbert zu finden, immer mittwochs und samstags. Ging auf Weihnachtsmärkte. „Es wurde immer mehr.“ Eine Freundin wollte einsteigen, übernahm den Verkauf auf den Märkten. Rupertus produzierte. Dann Anfang 2009 hörte die Freundin von dem Ladenlokal in der Hauptstraße 98. Eine Apotheke war bislang dort drin. Eigentlich hatte Natascha Rupertus eine solche Bindung nicht unbedingt gewollt. Doch sie war schnell überzeugt. Eine Staffelmiete machte den Start einfach, es wurde renoviert. Am 23. April 2009 war Eröffnung. Fortan strich sie die Marktbesuche auf ein Minimum zusammen. Bis die Pandemie allem einen Strich durch die Rechnung machte, war sie noch im CJD in Homburg, auf dem Weihnachtsmarkt Blieskastel oder auch auf Finkenrech.

15 Seifen im Dauerangebot

Treu zur Seite steht Schwester Tanja Harlos. Sie macht den Verkauf. „Viele Leute denken, ich bin die Inhaberin, die sehen ja nur mich, Natascha ist ja in der Küche“, erzählt sie beim SZ-Besuch. Geplant war das übrigens nicht. „Eigentlich sollte ich am Eröffnungstag nur ein paar Stunden aushelfen.“ Seitdem ist sie dort. Eine weitere Schwester hilft mit, wenn Not am Mann ist. Nataschas Ehemann macht die Buchführung. Und viele Freunde hat sie, die gerne mal eine Schicht an den Marktständen übernehmen. 15 Seifen sind im Dauerangebot, allerdings wechseln die aus 30 möglichen Sorten. Die Klassiker gibt es immer: Lavendel, Rosen und Nofretete. Andere sind Jahreszeiten abhängig wie die Arabische Nacht, der schwere Duft kommt im Herbst-Winter. Das gilt selbst redend auch für weihnachtliche würzige Spezialseifen. Etwa 20 Pflegeprodukte ergänzen das Angebot. Die Körperbutter wird demnächst aus Plastik- in Glastiegel umziehen. Thema Nachhaltigkeit. Stolz ist Rupertus auf ihr Spitzenprodukt, die Deocreme, ganz ohne versteckte Zutaten. Neu im Angebot ist auch ein festes Shampoo. „Da waren wir eigentlich früher als das, das in der Werbung kommt“, erzählt die Seifenherstellerin. Hier allerdings sind Tenside drin. Die einzige Chemie, die sie benutzt. „Aber Shampoo geht nicht ohne.“

Seife mit Alpaka-Wolle

Woher weiß sie eigentlich, wie’s geht? „Ich lese Rezepte, bin in Foren, informiere mich.“ Und dann wird ausprobiert, getestet, nochmal probiert. Bis es passt. Testperson ist gerne Schwester Tanja. Alle zwei Jahre etwa kommt unangemeldet der Verbraucherschutz und nimmt Produkte mit für die Untersuchung im Labor. Alle Rohstoffe müssen zertifiziert sein. Bis ein Produkt von der Idee bis ins Regal kommt, das kann ein gutes Jahr dauern. Viele regionale Produkte verarbeitet Natascha Rupertus, meist auf Wunsch der Kunden. So gibt es als Hommage an Beckers Bier aus St. Ingbert eine Bierseife. Oder die Heinitzer Seife. In der werden Pfefferminz und Salbei, die ein Heinitzer anpflanzt, verwendet. Seit fast drei Jahren liefert Rupertus auch an den Wendelinushof. „Da kommen mittlerweile gezielt Leute wegen der Seife hin“, weiß sie. Im Rahmen der Regionalmarke gibt es eine ganz besondere Seife: Die Alpaka-Farm wollte eine Seife mit der Wolle ihrer eigenen Alpakas. Die gibt es nur dort und im Seifenland.

Alles, was möglich ist

Die regionale Zusammenarbeit läuft gut, hat sich laut Rupertus die letzten Jahre sehr verbessert. Ihre Ware findet man so als kleine Pflegeprodukte in den Hotelzimmern des CFK, der Kleiderladen im Ort hat Spezialseifen zum Verschenken geordert, ein neuer Hofladen in Illingen hat angefragt. Immer mal wieder kommen Firmen, die spezielle Wünsche haben – beispielsweise Seife in Firmenfarben. Oder Brautpaare, die als Gastgeschenk Seife passend zur Tischdecke möchten. „Alles wird probiert, was machbar ist, wird gemacht.“ Allerdings: Die Großkunden sind nicht ihr Hauptding, sie will vor allem die Kleinkunden bedienen.

14 Tage bis die Seife fertig ist

Bald beginnt in der Küche des Seifenlandes wieder die Hauptproduktionszeit. 30 Prozent des Jahres-Umsatzes laufen im November und Dezember. „Am 24. Dezember sind unsere Regale leer“, weiß Rupertus. Mit der Produktion beginnt sie im Oktober. 14 Tage dauert es, bis eine Seife fertig ist. Los geht es damit, dass gesiedet wird. Auch, wenn sie auch mal kaltverseift: Das Heißverseifen ist ihr Ding. Dazu nutzt sie Warmhaltewannen wie man sie aus der Gastronomie kennt. Überhaupt: Das Vorratsregal könnte auch das einer Großküche sein. Also: theoretisch ist die Seife auch essbar. Wäre nur schade drum. Die flüssige Seife wird dann in vom Ehemann selbst gebastelte Holzkisten zum Trocknen gefüllt. Ein spezielle Schneidegerät trennt später in Seifenstücke, die mit dem typischen ausgefransten Rand. Und was kommt als nächstes? „Eine Reinigungspaste fürs Gesicht – aber die ist noch in der absoluten Testphase.“ Eben ein Land der vielen Möglichkeiten, hier mitten in Elversberg.

das-seifenland.de

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das Seifenland in Spiesen-Elversberg