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Saarbrücken: Managerin warf Töchter von Brüstung - was sie vor Gericht​ sagt

Tödlicher Vorfall in Saarbrücken : Managerin warf eigene Töchter von Brüstung, eine starb: Sie erklärt vor Gericht, wie es zu Taten kam

Im Juli 2022 soll eine Mutter ihre beiden Töchter in Alt-Saarbrücken von einer Brüstung geworfen haben. Eines der beiden Mädchen starb an den schweren Verletzungen. Jetzt steht die 39-jährige Mutter vor Gericht. Dort beschreibt sie die Tat als „Kurzschlussreaktion“ – und entschuldigt sich.

Vor dem Landgericht Saarbrücken stand am Mittwochmorgen eine 39 Jahre alte Mutter vor Gericht, die ihre beiden Töchter in Saarbrücken von einer Brüstung geworfen haben soll. Die dreijährige Tochter war Ende Juli 2022 bei dem Sturz aus etwa fünf Metern Höhe ums Leben gekommen. Ihre einjährige Schwester und die Mutter, die anschließend selbst in die Tiefe sprang, überlebten. Die Einjährige wurde nur leicht verletzt, die Frau erlitt schwere Verletzungen an der Hüfte, den Beinen und der Wirbelsäule. Tatort war die Forbacher Straße in Alt-Saarbrücken. Dort war die Familie aus dem Main-Taunus-Kreis in Hessen zu Besuch bei den Eltern der Angeklagten.

Prozess in Saarbrücken: Das hat die 39-Jährige vor Gericht gesagt

Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken wirft der angeklagten Frau K. „Mord in Tateinheit mit versuchtem Mord und schwerer Körperverletzung vor“. Dabei soll die Frau im „Zustand der Schuldunfähigkeit“ gehandelt haben. Die 39-Jährige leidet an einer psychischen Krankheit und war schon vor der Tat deswegen in Behandlung. Die Staatsanwaltschaft ist aktuell überzeugt, dass die Angeklagte K. eine Gefahr für die Allgemeinheit ist. Sie will deshalb die Unterbringung der Frau in einem psychiatrischen Krankenhaus erreichen.

Hochgebildete Mutter leidet unter psychischer Erkrankung

Die angeklagte Mutter sagte vor Gericht heute zur Tat aus und berief sich nicht auf ihr Aussageverweigerungsrecht. K. wuchs in Saarbrücken auf und arbeitete zuletzt als Managerin in der Unternehmensberatung. Seit Februar 2022 habe die heute 39-Jährige an Depressionen und Psychosen gelitten. Die promovierte Mathematikerin machte äußerlich ruhig und gefasst Angaben zu ihrem Lebenslauf, ihrer Erkrankung und ihrer aktuellen Lebenssituation in der Klinik für Forensische Psychiatrie in Merzig. An die Tat selbst hat sie nach eigener Aussage nur wenige Erinnerungen. Sie leugnete die mutmaßliche Tat aber auch nicht.

Aussage vor Gericht: Tat soll eine „Kurzschlussreaktion“ gewesen sein

Sie erinnere sich nur daran, an der Brüstung gestanden und an Selbstmord gedacht zu haben. Ihr sei durch den Kopf gegangen, „dass der Tod für ihre Kinder besser sei, als das Leben auf dieser Welt“. Danach soll K. ihre beiden Töchter nacheinander von der Brüstung geworfen haben und danach selbst, in der Absicht sich zu töten, fünf Meter in die Tiefe gesprungen sein. Es sei eine „Kurzschlussreaktion“ gewesen, so die Angeklagte vor Gericht. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft habe sie vor der Tat in Richtung ihrer Familie gesagt: „Ihr macht mich verrückt“. An diesen Spruch kann sich K. laut Aussage nicht erinnern. Sie habe nie das Gefühl gehabt, ihre Kinder seien eine Belastung. Sie könne die Tat und ihr damaliges Denken heute nicht mehr nachvollziehen, so die Angeklagte. Außer der Angeklagten und den beiden Töchtern, waren zum Tatzeitpunkt noch K.’s Lebensgefährte (der Vater der Kinder), die Eltern und ein Bruder der Angeklagten vor Ort.

Wenige Tage vor der Tat hatte sich K. zur Behandlung ihrer psychischen Erkrankungen in eine Tagesklinik begeben. Allerdings habe es dort Konflikte gegeben. K. gab an, das Vertrauen in die Klinik und ihre Medikation sei erschüttert gewesen, und sie habe den Aufenthalt und die Behandlung vorzeitig abgebrochen. Vor Gericht sagte sie am Mittwoch: „Ich wollte nicht mehr in die Klinik und die Medikamentendosis erhöhen. Hätte ich auf die Ärzte gehört, hätte der Tod meiner Tochter vielleicht verhindert werden können.“

Bereits im Februar 2022 habe sie sich schon einmal in einem psychotischen Zustand mit starken Angstzuständen befunden, wie K. vor Gericht aussagte. Dabei habe sie auch ihren Lebensgefährten verletzt. Die Polizei musste anrücken. Nach dem Vorfall wurde K. in einer Klinik behandelt.

Angeklagte entschuldigt sich vor Gericht

Vor Gericht entschuldigte sich die 39-Jährige mit den Worten: „Es tut mir leid, welchen Kummer ich verursacht habe. Und es tut mir leid um meine Tochter, die ihre Schwester verloren hat.“

Außer der Angeklagten sagte am Mittwoch noch der zuständige Rechtsmediziner der Homburger Uniklinik aus. Dieser hatte den Leichnam der getöteten Tochter sowie die Angeklagte untersucht. Dabei wurde auch geprüft, ob es Anhalte dafür gibt, dass die Angeklagte und die Kinder von einer dritten Person von der Brüstung gestoßen wurden. Der Rechtsmediziner hält dies für „sehr unwahrscheinlich“, dafür gebe es keine Befunde.

Der Prozess wird Ende Januar fortgesetzt. Dann sollen unter anderem der Lebensgefährte und Vater der beiden Mädchen sowie die stellvertretende Chefärztin der forensischen Psychiatrie Merzig als Zeugen aussagen.