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Uni-Klinik Homburg: Krankenpfleger-Prozess – Witwe schildert seltsames Verhalten

Er ist wegen Mordversuchs an Patienten angeklagt : „Als würde ich ihm gefallen“: Witwe berichtet von seltsamem Verhalten des angeklagten Krankenpflegers

Im Prozess gegen Krankenpfleger Daniel B. wegen Mordversuchs berichten Angehörige eines mutmaßlichen Opfers, wie sich der Angeklagte ihnen angenähert habe – und dass ein Verdacht sie traf.

Es geht an diesem Tag nicht nur um versuchten Mord, sondern auch um das Misstrauen, das Daniel B. in die Krankenhäuser getragen haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren Krankenpfleger vor, sechs Menschen starke Medikamente verabreicht zu haben, um als Lebensretter glänzen zu können. Als mutmaßliche Tatorte nennt die Anklage die SHG-Kliniken in Völklingen und eine Intensivstation des Universitätsklinikums. Seit Juni läuft vor dem Landgericht Saarbrücken der Prozess gegen den 29-Jährigen, dessen Fall an die Mordserie von Niels Högel in Niedersachen erinnert.

Mehrere Prozesstage ging es in Saarbrücken um die Medikamente, die B. seinen mutmaßlichen Opfern gespritzt haben soll, um sie laut Anklage in einen „reanimationspflichtigen Zustand“ zu versetzen. Experten sprachen über die Wirkung und den Nachweis von Präparaten, die Midazolam oder Flecainid heißen.

An diesem Dienstag sagen nun frühere Vorgesetzte und Kolleginnen des Angeklagten aus. Aber auch die Angehörigen eines Krebspatienten, der erheblich jünger war als die übrigen Kranken, die Daniel B. laut Anklageschrift für seine Taten ausgewählt haben soll. Martin L. (Name geändert) musste wegen eines Tumors mehr als ein halbes Jahr auf der Intensivstation in Völklingen behandelt werden. Die Klinik sei ihr „zweites Zuhause“ gewesen, sagt die Witwe von Martin L., die täglich sieben bis neun Stunden am Krankenbett ihres Mannes verbrachte.

Daniel B. soll die Nähe der Frau gesucht, sie teilweise nicht aus den Augen gelassen haben, „als würde ich ihm gefallen“, sagt sie vor Gericht. „Er war sehr zuvorkommend und hat sich aufgespielt.“ Dann kam der Tag, dessen Datum die heute 34-Jährige wie ihre Schwiegereltern noch genau angeben kann. „Es war der 10. 3. 2016, ich wurde morgens von der Klinik in Völklingen angerufen“, erzählt die Zeugin. Ihr Mann wache nicht mehr auf, habe ein Arzt ihr am Telefon gesagt. „Er hat einfach dagelegen, war nicht mehr ansprechbar“, erinnert sich die Ehefrau. „Ich dachte, ich verliere meinen Mann.“

Im Urin des Patienten werden Benzodiazepine nachgewiesen, laut Anklage in hoher Konzentration, obwohl dem Schwerkranken kein Beruhigungsmittel verordnet worden war. Was dann geschieht, erschüttert die Familie des mittlerweile Verstorbenen bis heute. Ob ihr Mann nicht mehr leben wolle, soll ein Krankenhausarzt die Ehefrau gefragt haben. Und ob sie „etwas mitgebracht“ habe, ein Medikament. Auch die Eltern des Krebspatienten sehen sich dem Verdacht der Sterbehilfe ausgesetzt. Für seine Mitarbeiter lege er die Hand ins Feuer, soll der Mediziner versichert haben.

Anders reagiert der Angeklagte in dieser Situation. „Er war der Erste vom Personal, der nach dem Vorfall mit mir geredet hat“, sagt die Frau von Martin L., der überlebt, später seinem Krebsleiden erliegt. In seinem Beisein soll Daniel B. geraten haben, die Klinik zu verlassen, die Medikamentengabe zu überwachen. „Ich hätte hier auch kein Vertrauen mehr zu jemandem“, soll der mutmaßliche Täter gesagt haben.