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Das neue Programm der Musikfestspiele Saar

Das neue Programm der Musikfestspiele Saar : Hommage an das Industrieland Saarland

Im Mai gab es die Musikfestspiele Saar nur digital. Ab September aber gibt es wieder Konzerte vor Publikum - auch an einem neuen Spielort, der spektakulär werden könnte.

Bernhard Leonardy klatscht in die Hände – vielleicht ja auch aus Freude über das kommende Programm seiner Musikfestspiele Saar. Ganz sicher aber, um den Klang des Raumes zu demonstrieren. „Aaaaahh, die Akustik“, sagt er, als das Klatschen nicht tonlos versickert, sondern klar durchs Rund schallt. Alles andere wäre auch fatal, ist diese Halle doch ein Spielort des kommenden Festivals – auch wenn man jetzt noch Fantasie braucht, um sich hier den Swing des Bundesjazzorchesters vorzustellen oder gar Haydns „Schöpfung“.

Denn wir stehen in der alten Versandhalle der Gußwerke Saarbrücken – vor der Insolvenz haben hier viele Menschen gearbeitet. Jetzt sieht man noch einige einsame Container, Maschinenreste, in großen Pfützen spiegelt sich das Licht der Fensterreihen an der hohen Hallendecke. Spätestens am 24. September aber, wenn der knapp 80-köpfige Chor der Musikfestspiele Haydns „Mit Staunen sieht das Wunderwerk“ aufführt, wird der Raum ganz anders aussehen; er verspricht, besenrein und mit Bühne, ein spektakulärer, 1600 Quadratmeter großer Kulturort namens „Konzertante Industriehalle“ zu sein. Auch ein Vorteil der großen Halle: Abstände lassen sich gut realisieren, auf bis zu 400 Plätze hofft das Festival.

 Bernhard Leonardy und Eva Behr von den Musikfestspielen Saar.
Bernhard Leonardy und Eva Behr von den Musikfestspielen Saar. Foto: Tobias Keßler

Nach einem 2020 wegen Corona abgesagten Jahrgang und einer fast ausschließlich digitalen Ouvertüre im Mai planen die Musikfestspiele  nun wieder Konzerte vor Publikum: „Ursprünge“ sind die 14 Konzert-Termine zwischen dem 10. September und dem 5. Oktober überschrieben; sie sollen im industriell geprägten Saarland musikalische Verbindungen schaffen „zwischen Ursprung und Moderne, Natur und Industrie“. Deshalb spiele man in den drei großen Industriehallen des Saarlands – in der Völklinger Hütte (bis zu 150 Plätze), in der Alten Schmelz in St. Ingbert (um die 500) und eben in der Industriehalle der Gußwerke.

Der Ort des Auftakts ist weniger industriell – der Merziger Zeltpalast, wo am 10. September Walter Ruttmanns Stummfilm „Berlin - Sinfonie der Großstadt“ (1927) zu sehen ist, den das sonic-art Saxophonquartett begleitet. Gleich zwei Termine sind für eine Uraufführung in der Völklinger Hütte geplant:  Am 11. und 12. September ist „Flegeljahre“ zu sehen, ein musikalisches Stück nach Jean Paul, gespielt von dem GrauSchumacher Piano Duo und Schauspielstar Ulrich Noethen („Ku’damm 59“). Noethen wird in der Geschichte zweier Brüder einen weiten Bogen spannen, „von Rezitation bis Sprechgesang“, verspricht Eva Behr vom Festivalteam.

 Ein Blick auf die Alte Versandhalle, die im September bei Haydns „Schöpfung“ ganz anders aussehen wird.
Ein Blick auf die Alte Versandhalle, die im September bei Haydns „Schöpfung“ ganz anders aussehen wird. Foto: Tobias Keßler

Die Musikfestspiele wollen auch besondere Konzertorte bieten – so wird ein Konzert mit Studierenden der Hochschule für Musik Saar (HfM) am 18. September quer durch den „Garten der Sinne“ in Merzig-Hilbringen führen; zwei Tage zuvor singt das A-cappella-Ensemble Voces8 in der Tholeyer Abtei, für Leonardy „einer der magischsten Kulturorte“. Im Dillinger Lokschuppen gibt es „Minimal Music“ (17. September), wo die Luxemburger Victor Kraus Group das Stück „Canto Ostinato“ von Simeon ten Holts aufführt – „eines der meistgespielten Werke der Avantgarde“, wie Leonardy sagt. So wolle er auch neues Publikum gewinnen, das vielleicht weniger klassikaffin ist als traditionelle Gäste der Musikfestspiele.          

Auch an das ganz junge Publikum ist gedacht, mit dem Kinderkonzert „Naumbolo träum‘ mal richtig hin…“ im Saarlandmuseum (19. September, Uraufführung) – komponiert und aufgeführt vom Frauentrio „Junges Musiktheater Talomini“. Der Eintritt für Kinder ist frei, ebenso bei den „Picknick-Konzerten“ am 26. September im Deutsch-Französischen Garten. Leonardys Rat für diesen Tag der Bundestagswahl: „Morgens schnell die Stimme abgeben, und dann in den DFG.“ Dort werden Musik-Ensembles, darunter die Formation „An Erminig“ spielen. Traditionsgast bei den Musikfestspielen ist die Deutsche Radio Philharmonie (DRP) – sie wird „Ein Sforzato für die Natur“ kredenzen: am 23. September, mit  Sibelius, Beethoven und Richard Strauss.

 Sonic.art eröffnen das Festival am 10. September mit „Sinfonie der Großstadt“ im Zeltpalast Merzig.
Sonic.art eröffnen das Festival am 10. September mit „Sinfonie der Großstadt“ im Zeltpalast Merzig. Foto: michael.jungblut

Finale ist am 5. Oktober in der Gußwerke-Halle mit dem Bundesjazzorchester. „Klingende Utopien – 2021 Jüdisches Leben in Deutschland“ ist das Konzert überschrieben – mit Filmmusik aus Werken Fritz Langs etwa und aus „Das Kabinett des Dr. Caligari“. An diesem Sonntag wird Leonardy das Programm in Saarbrücken vorstellen – und auch in die Tasten greifen: Ab 17 Uhr spielt er auf der Festivalorgel die „Meeressymphonie“ von Ferdinand Pfohl (1862-1949), passenderweise zu Wasser – auf der schwimmenden Bühne des Theaterschiffs Maria-Helena. Das Wetter hat Leonardy im  Blick und ist optimistisch – bei einer Meeressymphonie baden zu gehen, wäre dann doch zu viel des Guten, sagt er und hat noch einen Rat parat: „Wer während des Festivals in Ferien fährt und nicht dabei sein kann, ist selbst schuld.“

Der Vorverkauf  läuft, Karten gibt es an allen ProTicket-Stellen, www.proticket.de/mf-saar, und im Büro der Musikfestspiele, Bismarckstraße 10 (Sb), Montag und Mittwoch 9.30 bis 12 Uhr (Barzahlung).
Informationen und komplettes Programm:
www.musikfestspielesaar.de