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Der Terror vom 11. September: Zeitungsmuseum zeigt Exponate - und mehr

Ausstellung „9/11 - Revolution & Terror“ im Zeitungsmuseum : Die Mauer und das World Trade Center

Mit der Ausstellung „9/11 – Revolution & Terror“ widmet sich das Deutsche Zeitungsmuseum in Wadgassen dem Terror des 11. Septembers – aber nicht nur. Auch um die deutsche Geschichte geht es.

Man sollte Zeit mitbringen – denn man kann sich hier wunderbar in die Historie versenken. Eine Lesebrille wäre auch gut, denn im vergangenen Jahrhundert war die Schrift in den Zeitungen doch deutlich kleiner als heute. „9/11 – Revolution und Terror“ nennt sich die Ausstellung im Foyer mit einem originellen Konzept: Das Datum „9/11“ verweist auf den 11. September, wie es in den USA geschrieben wird – erst Monat, dann Tag. Bei uns ist es umgekehrt, da verweist 9.11. auf den 9. November,  „ein deutscher Schicksalstag“, wie der Kurator Christian Göbel vom Museum erklärt. Und so hat er unter der Bezeichnung „Revolution & Terror“ über 50 Exponate zusammengetragen, die sich ebenso dem 11. September 2001 widmen wie Eckpunkten der Geschichte, die sich am 9. November festmachen lassen: 1918 der Kollaps des Kaiserreichs, 1923 der Putschversuch Hitlers, 1938 die Reichspogromnacht, 1989 der Fall der Mauer.

Ausschließlich Titelseiten von Tageszeitungen und Zeitschriften sind ausgestellt, abgesehen von einem „Trabbi“-Modell als historische Garnierung. „Man weiß ja, was damals geschehen ist“, sagt Göbel, „unsere Ausstellung soll aber zeigen, wie damals berichtet wurde“. Gerade die Exponate zum 11. September 2001 sind noch die am wenigsten spektakulären, sind die Medien derzeit ohnehin voller Erinnerungen an die Anschläge. Viel weiter entfernt ist da das Ende des Kaiserreichs am 9. November 1918. Da kann man sich schöne „Fake News“ anschauen. „Wilhelm II. hat sich entschlossen, abzudanken“, verkündet das Berliner Tageblatt – dabei ist es Reichskanzler Max von Baden, der den Monarchen in die Rente zwingt und die Abdankungs-Meldung medial verbreitet.

Bei den verschiedenen Titelseiten von 1923 kann man verfolgen, wie der Putsch Hitlers misslingt und die Nachrichtenlage klarer wird. „Hitler und Ludendorff übernehmen die völkische Diktatur“ jubelt der „Völkische Beobachter“ verfrüht und schreibt am 9. November vom „Sieg des Hakenkreuzes“, während die „Kölnische Zeitung“ spekuliert: „Münchner Putsch schon zusammengebrochen?“ Das Berliner Blatt „Vorwärts“ weiß am 12. November mehr: „Hitler verhaftet“.

Die Perfidie der gleichgeschalteten NS-Presse kann man anhand der Reichspogromnacht verfolgen: Als der deutsche Diplomat Ernst Eduard vom Rath am 7. November vom jüdischen Attentäter Herschel Gryn­szpan angeschossen wird und stirbt, heizt die Presse antijüdische Ressentiments an, NS-Schergen gehen auf jüdische Einrichtungen los. Doch als die Reaktionen des Auslands auf die Gewalttaten verheerend sind, wird die Presse angewiesen, die Pogromnacht herunterzuspielen, so im „Völkischen Beobachter“, mit dem zynischen Satz: „Da die Volksgenossen äußerste Disziplin bewahrten, ist keinem Juden auch nur ein Haar gekrümmt worden.“ Eine erschütternde Lektüre.

Der Fall der Mauer bietet neben großen Emotionen („Das Volk hat gesiegt“) publizistisch auch Kurioses: Da verkündet die „Bild“ am 10. November die Grenzöffnung in der DDR, allerdings nicht als Hauptmeldung: Die gebührt dem ehewilligen „Schwarzwaldklinik“-Idol Klausjürgen Wussow („Ich heirate Yvonne“). Am selben Tag wird die Ausgabe in einigen Regionen aktualisiert, Wussow wandert nach unten, der Mauerfall nach oben. (Unverändert bleibt übrigens die Position der Werbung für ein Abführmittel).

Die Titelseiten schließlich zum 11. September versetzen einen sofort zurück an diesen Tag, sie sind sich bei Foto und Schlagzeile recht ähnlich, wobei die „Rheinische Post“ sofort spekuliert: „War es Osama bin Laden?“. Geradezu prophetisch wirkt da ein „Spiegel“ vom 5. November 2001: „Falle Af­ghanistan“, titelt er: „Amerikas heilloser Bombenkrieg und das Gespenst von Vietnam.“ 

 9/11
9/11 Foto: Sammlung Deutsches Zeitungsmuseum (Stiftung Saarländischer Kulturbesitz)
 „Deutschland umarmt sich“, freut sich die „Bild“-Zeitung angesichts des Mauerfalls 1989.
„Deutschland umarmt sich“, freut sich die „Bild“-Zeitung angesichts des Mauerfalls 1989. Foto: Sammlung Deutsches Zeitungsmuseum (Stiftung Saarländischer Kulturbesitz)

Die Ausstellung ist ab Samstag geöffnet und läuft passenderweise bis zum 9. November. Eintritt frei, für fünf Euro gibt es ein sehr informatives Booklet. Geöffnet Dienstag bis Sonntag: von 10 bis 16 Uhr.