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Der Urban Art Walk bringt Graffiti-Kunst nach Saarbrücken

Abenteuer in der Region : Kunst mitten in der Fußgängerzone

15 renommierte, internationale Künstler beweisen beim Art-Walk in der Saarbrücker Innenstadt: Graffiti sind besser als ihr Ruf. Wir haben uns die Wandgemälde angesehen.

Strahlend blauer Himmel bei 25 Grad in der Saarbrücker Bahnhofstraße. Die Fußgängerzone ist gut besucht. Die Menschen nutzen das Wetter, um gemütlich durch die Straßen in der Innenstadt zu schlendern. Wer sich nicht nur für die Schaufenster der Geschäfte interessiert, sondern den Kopf ein wenig hebt, sieht auch die Hausfassaden der Straße. Was zunächst nach kahlen Wänden klingt, wird jedoch zum bunten Spektakel mitten in der Stadt. Denn riesige Graffiti zieren die Wände einiger Häuser. Sie sind Teil des Art-Walks, den die Kuratoren Patrick Jungfleisch und Benjamin Knur ins Leben gerufen haben. 15 renommierte, internationale Künstler haben sich zwischen März und August 2017 an 13 Fassaden in Saarbrücken verewigt. Und auch wir haben uns die Freiluftgalerie, die im Oktober 2017 im Rahmen des Colors of Pop-Festivals präsentiert wurde.

An diesem Sonntag, der seinem Namen alle Ehre gemacht hat, starteten wir in der Bahnhofstraße, in der gleich drei Wandgemälde, sogenannte Murals, auf uns warteten. „In der Fußgängerzone trifft die Kunst die Passanten unvorbereitet und plötzlich“, heißt es auf der Webseite des Art-Walks. Dem werden regelmäßige Besucher der Bahnhofstraße zustimmen. Auf dem Weg in Richtung St. Johanner Markt fallen die Graffiti nicht auf. Fußgänger, die zur Europagalerie laufen, haben da etwas mehr Glück. In Höhe der Hausnummer 66 und 62 prangen zwei große Kunstwerke an den Wänden. Wer sie erkunden will, muss daher die Adressen kennen. Das erste Bild ist das „Unmoral Mural“. Der Schweizer Sprayer Smash137 wollte zunächst seinen Namen unzählige Male an die Wand bringen, um eine Reizüberflutung zu schaffen. Am Ende entschied er sich für das im Vergleich dazu eher schlichte Motiv, um „weiterzukommen“.

Direkt dahinter prangt das Gemälde „Saarbroken“ an der Hausnummer 66. Die französischen Künstler Sowat und Lek kombinierten ihre Stile. Sowat sprayt vorwiegend Kalligrafie und Lek drückt sich mit abstrakten Formen aus. Mit ihrer Arbeit in Saarbrücken wollen sie ihre Werkzeuge und Techniken in den Vordergrund rücken, statt dem Kunstwerk großen Interpretationsspielraum zu verleihen.

Anschließend spazieren wir zur Futterstraße 15. Der Wahl-Saarländer Cone The Weird hat sich dort mit seinem Mural „The Antonymy“ verewigt. Er wollte mit dem Gemälde ein persönliches Kunstwerk schaffen. Um das Graffito zu betrachten, müssen wir näher heran, denn es ist sehr detailliert. Der Künstler zeichnete zwei Figuren, die zwei Punkte im Leben oder zwei Seiten eines Charakters illustrieren. Cone The Weird ist in Saarbrücken auch kein Unbekannter. Auch am Staden gibt es einige Werke von ihm zu sehen.

Als wir uns von dem Bild des Saarbrückers abwenden, merken wir, dass wir ein Mural noch nicht gesehen haben. Während wir uns wieder Richtung Bahnhofstraße wenden, sehen wir plötzlich an der Wand der Hausnummer 52 ein Kunstwerk, das sehr an den Pop Art Stil erinnert. Der US-amerikanische Graffiti-Artist bringt ein Stück seiner Heimatstadt an saarländische Wände. In der Bahnhofstraße finden wir den berühmten New Yorker „Broadway“. Die Stadt, die niemals schläft, hat auch am Hotel Am Triller (Trillerweg 57) einen Platz gefunden.

Nach einem kurzen Ausflug nach New York laufen wir ins Nauwieser Viertel. Was wäre ein Art-Walk ohne Graffiti im Saarbrücker Szeneviertel? Also auf zur Försterstraße 21. Stammgäste des Café Ubu le Roi kennen „Theo is looking at the window“ sicherlich. Denn von dem Café aus haben wir einen sehr guten Blick auf das Mural. Es handelt sich um eine Koorperation des britischen Künstlers Remi Rough und des Franzosen LX.One. Mit ihrer Faszination für Abstraktion haben sie ein Freestyle-Kunstwerk geschaffen, das aus Richtung Johanneskirche von weitem zu sehen ist.

Eigentlich wollten wir anschließend zum Mural des Spaniers Aryz in der Nassauerstraße. Doch statt vor einem Graffito mit rieisigen Zitronen stehen wir vor einem völlig anderen Wandgemälde. Auch das schwarze Art-Walk-Schild, das die einzelnen Mural kennzeichnet, fehlt. Vor einiger Zeit war das Originalgemälde durch Schmierereien zerstört worden. Da Aryz abgelehnt habe, sein Werk zu restaurieren, wurde es von den beiden Künstlern Paul Grodhues und Jonas Mayer im Auftrag der Saarbrücker Werkstatt für Jugendkultur label.m neugestaltet.

Nichtsdestotrotz geht der Art-Walk weiter. Etwas abgelegen in der Mainzer Straße stoßen wir zunächst bei Hausnummer 183 kurz vor dem Römerkastell auf das Mural „Die Suche“ der Saarbrücker Gruppe Raks und Laune. Die beiden hatten zunächst das Motiv im Kopf und beim Gestalten kam ihnen der Titel für das Bild mit der jungen Frau.

Bereits auf dem Weg zu „Die Suche“ kommen wir an „Boyhood“ des australischen Künstlers Fintan Magee vorbei. Das wollen wir uns auf dem Rückweg in die Stadt genauer anschauen. Gesagt getan. Der Australier hat mit Holzkohle an die Fassade gemalt. „Die kann man, wenn nötig, einfach abwaschen“, erklärt er. Mit „Boyhood“ brachte er ein Stück Kindheit in die Stadt. Seine Inspiration waren dabei Fotos eines Jungen aus Saarbrücken.

Weiter geht es zur Bleichstraße 11 – direkt an der Garage. Am Parkplatz der Veranstaltungshalle bekommen wir gleich zwei Graffiti zu sehen. Eines gehört zwar nicht zum Art-Walk, ist aber dennoch schön anzuschauen. Das zweite entspringt der Feder des russischen Künstlers Alexey Luka. Mit den geometrischen Formen lässt er dem Betrachter einen großen Interpretationsspielraum: Was sehe ich? Eine Figur oder doch eine Landschaft?

Unweit von „one short story“ und direkt an der Saar gelegen kommen wir zum Werk eines weiteren Lokalmatadors – „Out of this world“ von Reso. Er sein Mural an der zum Flussufer gelegenen Seite der Hochschule für Musik Saar hinterlassen. Leider waren auch dort mittlerweile illegale Sprayer zugange und haben Schmierereien hinterlassen.

Auf der gegenüberliegenden Saar-Seite direkt neben dem saarländischen Landtag und unterhalb des Schlosses entdecken wir das Gemälde der deutschen Künstlerin MadC. An der Fassade der Spichererbergstraße 9 hat die Graffiti-Sprayerin aus Bautzen ein farbintensives Kunstwerk geschaffen, das zwischen weißen und grauen Wänden heraussticht.

Zu guter Letzt sind wir auf dem Weg zur Friedrich-List-Schule. Am kaufmännischen Bildungszentrum (KBBZ) hat das Duo Heiko Zahlmann und Stohead das Mural „Mapped 66117“ geschaffen. Während Heiko Zahlmann Buchstaben zerlegt und in geometrischen Formen wieder zusammengesetzt hat, hat Stohead Schriften wie Fraktur auf seine eigene Art weiterentwickelt. In ihrem Kunstwerk am KBBZ treffen die beiden Stile aufeinander.

Der Urban Art Walk bringt Graffiti-Kunst nach Saarbrücken
Foto: Thomas Reinhardt

Alle Teile der neuen Serie Abenteuer in der Region unter: www.saarbruecker-zeitung.de/sz-serien/sommerserie/

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