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Die Kinos im Saarland öffnen am 1. Juli - welche Probleme gibt es? Was müssen Besucher wissen?

Interview mit der saarländischen Kinobetreiberin Claudia Ziegler : „Wir müssen zeigen, dass wir wieder da sind“

Am Donnerstag öffnen die saarländischen Kinos endlich wieder – aber einfach wird der Neustart nicht, erklärt die saarländische Kinobetreiberin Claudia Ziegler.

Es geht endlich wieder los: Am Donnerstag, 1. Juli, nehmen die kommerziellen Kinos im Saarland den Betrieb wieder auf (das städtische Filmhaus und das Kino Achteinhalb in Saarbrücken sind bereits geöffnet). Wie schwierig wird der Neuanfang und was die größten Probleme? Wir haben stellvertretend für ihre Kolleginnen und Kollegen mit Claudia Ziegler vom alteingesessenen Familienbetrieb Haas Filmtheaterbetriebe (Capitol Saarlouis, Union Theater IllingenNeues Theater St. Wendel und City Filmstudio Lebach) gesprochen.

  Kinobetreiberin Claudia Ziegler freut sich auf die Wieder-Öffnung.
Kinobetreiberin Claudia Ziegler freut sich auf die Wieder-Öffnung. Foto: Ziegler

Frau Ziegler, die kommerziellen saarländischen Kinos öffnen nach monatelanger Schließung wieder am 1. Juli. Hatten Sie die Hoffnung schon aufgegeben?

ZIEGLER Nein, das nicht. Aber ganz am Anfang, als noch keine Hilfen gestartet waren, hatte ich Angst. Als dann die Überbrückungshilfen kamen, wussten wir, dass wir die Zeit wohl irgendwie überstehen.

Welche Arbeit liegt für die Kinobetreiber jetzt an?

ZIEGLER Wir bringen die Kinos gerade nochmal auf Hochglanz, checken bei der Technik, ob etwas repariert werden muss, und wir terminieren Filme. Endlich wieder. Das war sehr schön, als die ersten Terminbestätigungen von Filmen bei uns eingingen. Und wir halten als Kinos ständig Kontakt mit den Ämtern, wie der Stand der Rechtsverordnungen ist, was die Hygienevorgaben angeht. 

Mit welchen Hygienestandards wird der Kinobetrieb wieder anlaufen?

ZIEGLER Aktuell sieht es so aus, dass wir mit dem Konzept starten, mit dem wir 2020 aufgehört haben: mit einem Abstand von 1,5 Metern. Die Maske kann am Platz ausgezogen werden, so dass man auch wieder Popcorn essen kann. Das gehört zum Kino dazu – und davon leben wir ja auch hauptsächlich, mehr als von den Eintrittsgeldern. Unsere Besucherinnen und Besucher müssen einen negativen Tagestest dabei haben oder den Nachweis, vollständig geimpft oder genesen zu sein – eben die drei Gs. Das ist fair, weil es in anderen Bereichen ja auch so ist. Und es ist vertrauensbildend.

Machen die Hygienemaßnahmen den Kinobetrieb teurer?

ZIEGLER Sicher – im vergangenen Sommer hatten wir uns zwar schon mit  Hygienespendern und Ähnlichem ausgerüstet, aber wir brauchen natürlich mehr Personal, weil wir mehr kontrollieren müssen und Listen führen für die Besucher, die sich ihre Karten nicht schon online gekauft haben. Und das Genesen/Geimpft/Getestet muss ja auch kontrolliert werden.

Muss man sich Plätze in den Kinos reservieren?

ZIEGLER Nein, aber für die Kinobetreiber ist es einfacher, wenn die Besucherinnen und Besucher die Karten online kaufen. Da entfällt Papierkram, denn sonst müssen wir die Kontaktdaten vor Ort erfassen, wie in Restaurants etwa.

Wie hoch kann man bei den Hygiene-Abständen im Kino die Säle auslasten?

ZIEGLER Das hängt davon ab, wie groß die Besuchergruppen sind. Die können ja zusammensitzen, und dann können auch mehr Menschen in den Saal, als wenn viele Einzelpersonen kommen. Wir schätzen da auf eine Auslastung von um die 30 Prozent.

Kann ein Kino da wirtschaftlich arbeiten?

ZIEGLER Nein. Deshalb hoffe ich, dass wir nach dem Wiederanlaufen von diesen Abständen mehr und mehr wegkommen – wenn schneller geimpft wird, wenn die Delta-Variante nicht kommt und mehr gelockert wird. Für den Anfang wird es noch Überbrückungshilfen für uns geben und den Sonderfonds für die Kulturbranche. Aber wir müssen die Kinos besser auslasten können, wir wollen ja auch nicht immer auf Hilfen angewiesen sein. Wenn zum Beispiel der neue Bond-Film kommt, muss man den Saal füllen können, um wirtschaftlich arbeiten zu können.

Der neuen James-Bond-Film wurde mehrmals verschoben, jetzt soll er Ende September starten. Glauben Sie, dass es diesmal klappt?

 Der neue Bond, „Keine Zeit zu sterben“ mit Daniel Craig, soll Ende September anlaufen.
Der neue Bond, „Keine Zeit zu sterben“ mit Daniel Craig, soll Ende September anlaufen. Foto: dpa/Nicole Dove

ZIEGLER  Ich hoffe es sehr, ich glaube, jetzt ist er endlich fällig. Ich hoffe, „Keine Zeit zu sterben“ im abstandsfreien Kino zeigen zu können. Bis dahin sollte die Impfkampagne ja abgeschlossen sein.

Was sind die drängendsten Probleme der Kinos zurzeit?

ZIEGLER Die Frage, wie es weitergeht und ob es nochmal eine Corona-Welle gibt. Außerdem öffnen wir jetzt im Sommer, was  traditionell nie die besucherstärkste Zeit ist. Wir hoffen auch, dass wir im Herbst nicht wieder schließen müssen wie im  vergangenen Jahr – das war ein ziemlicher Schock.

Sind genug potenziell kassenstarke Filme für die ersten Wochen des Wiederanlaufens da?

ZIEGLER Ja, da startet einiges. Die saarländischen Kinos hätten ja früher starten können, aber da hätte es zu wenig Programm gegeben. Aber die Kinoverbände, ebenso die der eher kommerziellen Häuser wie die der Arthouse-Kinos, haben sich auf diesen Termin geeinigt, damit die Verleiher ein  gutes Startprogramm zusammenstellen können. Ich glaube, „Catweazle“ mit Otto wird gut laufen, auch „Peter Hase 2“ und „Die Croods – Alles auf Anfang“ für die Kinder, ebenso „A Quiet Place 2“, „The Fast and the Furious 9“ und auch  „Täglich grüßt die Liebe“.

 „Catweazle“ mit Otto Waalkes startet am 1. Juli.
„Catweazle“ mit Otto Waalkes startet am 1. Juli. Foto: obs/Tom Trambow

Worauf freuen Sie sich am meisten?

ZIEGLER Auf „Der Spion“ mit Benedict Cumberbatch. 

Es wurde so viel verschoben – droht da auch ein Filmstau?

ZIEGLER Ja, das könnte zumindest für kleinere Verleiher ein Problem sein, ihre Filme in der ersten Zeit unterzubringen.

Es gibt seit einigen Wochen die Initiative „Kino im Saarland“ – was und wer steckt dahinter?

ZIEGLER Die wurde von den saarländischen Kinos miteinander ins Leben gerufen und wird von den Saarland Medien mit 10 000 Euro gefördert, für Anzeigen und für Werbematerial. Wir müssen ja schauen, dass wir unser Publikum wieder ins Kino bekommen und zeigen, dass wir wieder da sind. Wir konnten den Leuten ja keine Trailer zeigen, damit sie schon Lust auf den nächsten Film bekommen. Wir haben als Kinobetreiber für die Initiative „Kinos im Saarland“ eng zusammengearbeitet und viel mehr Kontakt miteinander gehabt als früher, auch mit den Kinoverbänden. Wenn es ein Gutes bei dem Ganzen gibt, dann immerhin das.

Mehr Informationen zur Kampagne:
www.kinoim.saarland