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Dreharbeiten für neuen "Tatort" aus Saarbrücken, "Das Herz der Schlange"

Besuch der Dreharbeiten von „Das Herz der Schlange“ : Die letzte Schicht beim Saar-„Tatort“

Letzter Drehtag für den neuen „Tatort“ von der Saar. Wir haben die Darsteller getroffen und gefragt, was man von „Das Herz der Schlange“ erwarten kann. Wo wurde gedreht? Worum geht es in dem Fall? Und was wird aus der Geschichte der beiden Kommissare, die sich selber vor dem Gefängnis fürchten müssen?

Ein Hauch von Abschied liegt in der Luft. Und auch der von Knoblauch und Gewürzen aus dem Caterer-Wagen. Der hat an 21 zurückliegenden Drehtagen das  Saarbrücker „Tatort“-Team bekocht und steht an diesem Freitagnachmittag auf dem Gelände der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Saarbrücken – der Kulisse des TV-Polizeireviers nämlich, die aus Panoramafenstern einen tourismusfreundlichen Blick aus dem ersten Stock auf Saar, Staden und Staatstheater bietet (und die Stadtautobahn optisch elegant ausblendet).

Die Caterer auf dem IHK-Parkplatz offerieren ihre letzten Spezialitäten – „holt Euch was, alles muss weg“; eine Frau mit Hamburger Kennzeichen am Wagen rauscht vom Gelände, ruft dem SR-„Tatort“-Redakteur Christian Bauer noch „bis bald mal wieder“ zu. Sie ist die Maskenbildnerin und kümmert sich jetzt, wie Bauer erzählt, nach der Mission in Saarbrücken um den kommenden „Tatort“ aus Hamburg mit Wotan Wilke Möring. Die gut geölte Krimi-Maschine der ARD läuft und läuft.

 Der Beleuchtungs-Kran vor der IHK in Saarbrücken.
Der Beleuchtungs-Kran vor der IHK in Saarbrücken. Foto: Tobias Keßler

In Saarbrücken steht jetzt noch ein langer Abend an, die letzte Schicht für „Das Herz der Schlange“, den dritten Fall des aktuellen Ermittler-Teams. Von abends bis nachts um drei wird gedreht, unter Corona-Bedingungen: mit Tests, Masken und einem abgeschotteten Drehbereich. Einen Termin für die Presse gibt es dennoch, kurz vor Drehbeginn und coronahalber an der frischen Luft. Ein Hauptdarsteller fehlt: Daniel Sträßer, der Kommissar Schürk spielt, den Polizisten mit Familientrauma und kurzer emotionaler Zündschnur, hat seine Szenen schon abgedreht.

Worum geht es in dem neuen Fall?

Aber der Rest des Teams ist da und erklärt, ohne zu viel zu verraten, was es mit „Das Herz der Schlange“ auf sich hat. Um einen „Mord an einer Frau in einer reichen Gegend von Saarbrücken“ geht es, sagt Vladimir Burlakov, der Hauptkommissar Leo Hölzer spielt. Am Tatort findet sich neben viel Bargeld und einem blutigen Baseballschläger auch ein schwer verletzter Tatverdächtiger, der ins Krankenhaus gebracht wird. Weitere Ermittlungen zeigen: In der Villa des Opfers wurde vor Monaten heimlich eine Überwachungskamera installiert.

 Dreharbeiten am 25. Juni 2021 zum Saarbrücker "Tatort" "Das Herz der Schlange" bei der IHK in Saarbrücken - mit Brigitte Urhausen, Vladimir Burlakov und Ines Marie Westernströer (von links)
Dreharbeiten am 25. Juni 2021 zum Saarbrücker "Tatort" "Das Herz der Schlange" bei der IHK in Saarbrücken - mit Brigitte Urhausen, Vladimir Burlakov und Ines Marie Westernströer (von links) Foto: Tobias Keßler

So weit der eigentliche Fall. „Aber das Besondere an unserem ‚Tatort‘ ist ja immer, dass wir parallel von den Kommissaren Hölzer und Schürk erzählen“, sagt Burlakov. Also davon, dass die beiden Kindheitsfreunde eine Art Schicksalsgemeinschaft bilden, hat einst doch Hölzer den sadistischen und prügelnden Vater Schürks mit einem Spaten ins Koma geschlagen – aus dem war der Vater 15 Jahre später wieder aufgewacht und erinnert sich nun langsam wieder an die Tat. Am Ende der zweiten Episode „Der Herr des Waldes“ scheint er das den Kolleginnen von Schürk/Hölzer mitgeteilt zu haben (ganz deutlich wurde das aber nicht). Man kann also weiter zittern um dieses Duo der Angeschlagenen, das aus Angst vor der Aufdeckung der Tat und deren Vertuschung auch juristische Grenzen überschreitet – siehe den Peilsender am Rollstuhl des Vaters in der zweiten Episode. Diese Dynamik und dieser Erzählstrang „werden eine große Rolle spielen“, sagt Burlakov.

Eine größere Rolle als bisher sollen auch die beiden Ermittlerinnen Esther Baumann (Brigitte Urhausen) und Pia Heinrich (Ines Marie Westernströer) spielen, was die Darstellerinnen verständlicherweise freut. Man sei jetzt stärker ein Ermittler-Team, sagt Westernströer, zugleich sei man auch als Kolleginnen und Kollegen stärker zusammengewachsen, „was sich auch im Spiel zeigt“. Für sie ist die dritte Folge, gedreht unter anderem in Neunkirchen und Dudweiler, „eine intensive, wunderbare Arbeit“. Anders als die Vorgänger-Episode, die viel Wald und Sonnenschein bot, wird es nun mehr Nacht und Stadt geben, „es wird urbaner“, sagt Westernströer.

Wie spielt man unter Corona-Bedingungen?

Dass die Corona-Bedingungen das Spiel vor der Kamera möglicherweise gehemmt oder im körperlichen Ausdruck eingeschränkt haben, konnte Brigitte Urhausen nicht festellen. „Eher das Gegenteil – man freut sich, dass man nicht vorsichtig sein muss, weil man sich hier sicher fühlen kann“, sagt die Luxemburgerin, die in der Pfalz wohnt und seit langem auch in einem anderen „Tatort“ mitwirkt – in den „Radio-Tatorten“ des SR, in denen sie die Ermittlerin Amelie Gentner spricht.

 Dreharbeiten auf dem IHK-Parkplatz mit Vladimir Burlakov.
Dreharbeiten auf dem IHK-Parkplatz mit Vladimir Burlakov. Foto: Tobias Keßler

Einig ist sich das Mimen-Trio in der Begeisterung über die neue Regisseurin Luzie Loose, deren Spielfilmdebüt „Schwimmen“ 2020 den Regiepreis bei den Hofer Filmtagen gewonnen hat. Ihre Regie sei „unglaublich präzise“, sagt Burlakov, sie sei die beste Regisseurin, mit der er bisher gearbeitet habe. Sie hole „das Maximum heraus“, sagt Urhausen, „das ist manchmal anstrengend, aber es gut, gefordert zu werden“. Zugleich habe Loose eine enorme Ruhe ans Set gebracht und unnütze Hektik vermieden. „Und trotzdem hatten wir noch nie so wenig Überstunden wie diesmal. Aber das sollte ich vielleicht nicht laut sagen, sonst kriegen wir beim nächsten Mal einen Drehtag weniger“, sagt Burlavok.

Dann ruft die letzte Schicht in der IHK, vor der einige „Tatort“-sinnige Schaulustige stehen und Fotos machen – neben einem Kran, der von außen die Beleuchtung auf die Höhe des ersten Stocks wuchten soll, wenn es dunkel wird. Es wird eine lange Nacht – das Ergebnis läuft im nächsten Jahr in der ARD.