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"Im weißen Rössl" im Saarländisches Staatstheater

Premiere „Im weißen Rössl“ im Saarländischen Staatstheater : Ein Singspiel aus der Tiefkühltruhe

Die Operette „Im weißen Rössl“ feiert morgen Premiere im Staatstheater. Regisseur Michael Schachermaier taute seine Produktion wieder auf – nachdem sie nach der Generalprobe zunächst im „Gefrierschrank“ gelandet war.

„Zuschau‘n kann i net“ singt der Hotelkellner Leopold in der Operette „Im weißen Rössl“ – gemünzt darauf, dass er‘s nicht mehr ertragen mag, dass seine angebetete Chefin Josepha einen anderen anhimmelt. Unsereins mochte freilich auch nicht mehr länger zuschauen: Kaum noch auszuhalten, was während des zweiten Lockdowns kulturell erneut auf Eis gelegt werden musste! Regisseur Michael Schachermaier hat dafür auf seiner Website eigene Kategorien eingerichtet: Da gibt’s Produktionen „In der Tiefkühltruhe“ und welche „In der Mikrowelle“. Zu den Produktionen, die eingefroren wurden und nun aufgetaut werden, gehört Ralph Benatzkys Singspiel „Im weißen Rössl“.

Das hätte am Saarländischen Staatstheater schon Anfang Dezember Premiere haben sollen und erlebte immerhin noch seine Generalprobe, bevor es ins Gefrierfach kam. Und wer wäre als Regisseur besser geeignet als Michael Schachermaier? Mehr Expertise geht nicht: Der Österreicher, 1982 in Hallein bei Salzburg geboren, ist in Bad Ischl aufgewachsen – mitten im Salzkammergut also, wo man bekanntlich gut lustig sein kann, und ganz in der Nähe des kleinen Ortes Lauffen. Dort wohnte nicht nur seine Großmutter, nein: Dort befand sich auch das Gasthaus zum Weißen Rössl, das den Autor Oscar Blumenthal (1896) zu seinem frivolen Lustspiel inspirierte.

Das wiederum diente als Vorlage für die Operette Benatzkys (1930), der das Rössl an den illustreren Wolfgangsee verlegte, weil dort touristisch mehr Glück vor der Tür steht. Oder eben auch nicht, wenn man wie Schachermaier die Handlung in der Gegenwart verortet und „ohne Corona-Hau-drauf-Maschinerie“ die aktuellen Probleme der Reise- und Beherbungsbranche thematisiert – „die existenzielle Fallhöhe, den ökonomischen Druck, die drohende Pleite“, plus den üblichen Zirkus mit der Liebe und „die Angst vorm Verlassenwerden.“

Heute lebt Schachermaier als freischaffender Regisseur und Autor in Wien. Er inszeniert Sprechtheater, künstlerische Cross-Over-Projekte, musikalisches Unterhaltungstheater und Oper sowie Theater für Kinder und Jugendliche. Dem hiesigen Publikum hatte er sich 2019 mit dem Weihnachtsmärchen „Die Kleine Meerjungfrau“ vorgestellt und sich im Februar vergangen Jahres mit Peter Shaffers Schauspiel „Amadeus“ empfohlen – noch so eine Produktion, die nach ein paar Vorstellungen auf Eis gelegt wurde und nun Corona-konform aufgewärmt wird. Heißt, Schachermaier ist aktuell mit gleich zwei Wiederaufnahmen beschäftigt. Aber er findet‘s „schön, mit ein bisserl Abstand drauf zu gucken“. Und wenn er so schnell arbeitet, wie er spricht, dürfte er alles mühelos hinkriegen – auch wenn bei den Proben die CO2-Messgeräte piepen und Zwangs-Lüftungspausen eingelegt werden müssen.

Mittlerweile, so Schachermaier, habe er sich ans Regieführen unter Corona-Bedingungen gewöhnt, auch wenn es einen gerade im Musiktheaterbereich vor Herausforderungen stelle: „Künstlerischen Pragmatismus“ nennt er das Ringen um eine Balance zwischen dem Machbaren und kreativer Freiheit. Nicht zuletzt diesem coronösen Spagat ist geschuldet, dass das Rössl in der orchestral abgespeckten Fassung der Berliner „Bar jeder Vernunft“ aufgeführt wird – das reduzierte Instrumentalensemble sitzt im Graben, während der Opernchor vom ersten Rang herab singt.

Beim Bühnenbild setzt Schachermaier auf eine „zweidimensionale Kulissenhaftigkeit“, die den Schein-Sein-Aspekt des Operettenhaften herausfiltern soll. Postkartencharme: Kaiser Franz Joseph etwa ist hier nur als Selfie-Attraktion vertreten – ein schnöder Pappkamerad, der nur im Alkoholrausch Leopolds lebendig wird. Zur Inspiration – und um Charaktere zu studieren – fuhr das Inszenierungsteam zum echten Romantikhotel, wo Schachermaier tatsächlich gelegentlich zur Sommerfrische weilt. Bei der Fotosafari habe er sich gefühlt wie ein Naturkundler beim Erforschen der Eingeborenen, sagt Schachermaier, obwohl ihm das einschlägige Personal sehr vertraut sei.

Dieses Typen-Kaleidoskop will er nun „schlagkräftig und mit österreichischer Larmoyanz“ auf die Bühne bringen, ohne sich darüber lustig zu machen. Schachermaier: „Mir war wichtig, die Figuren in ihren Ängsten und Nöten ernst zu nehmen, nur dann kann‘s komisch werden. Es darf menscheln!“ Eine gewisse Ahnung vom Zwischenmenschlichen beschleicht einen übrigens auch, wenn man sich mit der Entstehungsgeschichte der Operette beschäftigt. Wer da wann welche Lied- und Wortbeiträge beigesteuert hat und Autorenschaft geltend macht, das sei „juristisch eine wahnsinnig interessante Angelegenheit“, bestätigt Schachermaier lachend: „Die Erben überziehen sich wahrscheinlich immer noch gegenseitig mit Urheberrechtsklagen.“ Ärger? Nix da. Schachermaier hat Wellness im Sinn: „Ich möchte die Leute auf einen Kurzurlaub am Wolfgangsee einladen!“

Premiere: Donnerstag, 8. April, 19.30 Uhr, Saarländisches Staatstheater
Termine, Karten, Infos: Telefon (0681) 30 92-486, www.staatstheater.saarland