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Kritik zum Film "Der Rosengarten von Madame Vernet“

„Der Rosengarten der Madame Vernet“ läuft in der Camera Zwo in Saarbrücken : Lass die Blumen sprechen, in Madame Vernets Rosengarten

Der französische Film „Der Rosengarten von Madame Vernet“ läuft in Saarbrücken – routiniertes Wohlfühl-Kino, aber doch mit Überraschungen.

Es bleibt eine unkaputtbare Arthouse-Regel: kein Wohlfühl-Film ohne blumigen deutschen Titel. Startete jüngst „Der Hochzeitsschneider von Athen“, der im Original übersetzt schlicht „Der Schneider“ heißt, läuft nun „Der Rosengarten von Madame Vernet“ an. Der heißt im Original schlicht „La fine fleur“, was so viel bedeutet wie „das Beste vom Besten“ – aber deutsche Titelübersetzer sind eben kreativ und erst dann wirklich zufrieden, wenn sie bevorzugt bei gallischen Filmen im germanischen Titel die Provence untergebracht haben, Lavendel oder „Madame“, „Monsieur“ oder die Liebe. Mon dieu.

Aber sei‘s drum – dafür können die Filme nichts, auch nicht der besagte „Rosengarten“. Der hat zu Filmbeginn seine größte Blüte hinter sich, denn der Ruhm von Madame Vernet als preisgekrönte Züchterin ist etwas verwelkt: Es ist Jahre her, dass eine ihrer Kreationen beim renommierten Rosenwettbewerb Bagatelle in Paris ausgezeichnet wurde. Die Nase vorn hat dort seit geraumer Zeit ein aalglatter Konkurrent, der das Rosenzüchten eher industriell begreift, als Geschäft, nicht als Leidenschaft

Die Konsequenz für Madame Vernet: Die Aufträge gehen zurück, Helfer auf dem Feld kann sie sich nicht mehr leisten – bis auf ein frisch herangekarrtes Trio, deren schmales Salär der Staat zahlt, in Form eines Resozialisierungs-Programms: Da ist der leicht reizbare Samir, die schnell panische Nadège und Fred, ein kurzfrisierter Banlieue-Jüngling mit Trainingsanzug und gut gefülltem Strafregister. Allzu schnell wird man sich nicht grün, aber eine gewagte Mission, bei der die resolute Züchterin ihre Schutzbefohlenen kurzerhand einspannt, bringt das Quartett etwas näher zusammen: Da der Konkurrent eine besondere Rose, mit der Frau Vernet züchten will, nicht ausleihen will, brechen sie in seine Anlage ein. Etwas amateurhaft, aber letztlich erfolgreich. Werden sie nun die Rosen aller Rosen züchten? Muss Madame Vernet ihren Laden an den Konkurrenten verkaufen? Oder gibt es eine Rettung in letzter Sekunde?

Nun, die ganz großen Überraschungen hat Regisseur Pierre Pinaud nicht im Sinn. Er operiert kompetent mit bewährten Plot-Elementen. Aber auffällig und sympathisch ist, dass er oft überraschend diskret bleibt – die sich anbietenden Momente der Rührung hält er betont knapp, und das Finale bei der Preisverleihung, das ein schlechterer Film wohl dramaturgisch ausgewalzt hätte, wird rasch und vergleichsweise unsentimental erzählt. Im Zentrum steht das Verhältnis zwischen Vernet (Catherine Frot), die sich nur schwer von ihrem Betrieb lösen kann, wurde der ihr doch vom geliebten Vater übertragen, und Fred (stark: Melan Omerta), der unter dem Trauma liebloser Eltern leidet, die ihn einst weggaben und heute kein Interesse an ihm haben. Diese beiden schließen eine anfangs etwas raue und ruppige, letztlich innige Freundschaft. Die gönnt man diesen Beiden, die ein wenig wie verlorene Seelen wirken.

Der Film läuft zurzeit in der Camera Zwo in Saarbrücken.