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Kulturveranstalter Julian Blomann kritisiert Regeln der Club- und Disko-Öffnung im Saarland

Kritik an saarländischer Regelung von Club-Öffnung : Club-Öffnung ist „ein Marketing-Gag, eine Mogelpackung“

Die Clubs und Diskotheken im Saarland dürfen am Freitag wieder öffnen und maximal 250 Menschen hereinlassen. Doch statt Freude in der Club-Szene herrscht große Enttäuschung – und so gut wie kein Club will öffnen. Der Saarbrücker Veranstalter Julian Blomann („Zum Hirsch“/„Agentur Erlebnisraum“) erklärt, warum.

Dass Clubs und Diskotheken im Saarland jetzt wieder öffnen dürfen, mit maximal 250 Menschen, ist doch eine gute Nachricht, oder?

BLOMANN Ja, auf den ersten Blick schon. Aber es ist ein Marketing-Gag, eine Mogelpackung. Denn das Entscheidende ist die Vorschrift von „fünf Quadratmetern pro Person“ – auf dieser Basis kann man nicht wirtschaftlich arbeiten. Ein Club etwa wie der „Mauerpfeiffer“ in Saarbrücken könnte mit seiner Fläche gerade mal 40 Leute reinlassen. Das ist wirtschaftlich völlig sinnlos.

Ab wann beginnt sich der Betrieb zu rechnen?

BLOMANN Das Problem ist die Auslastungsquote, was man in der Politik nicht zu verstehen scheint. Grob gesagt beginnt das wirtschaftliche Arbeiten im Kleinkunstbereich ab 60 Prozent Auslastung, bei Clubs erst ab 85 Prozent. Also ist alles unter dieser Auslastung nicht kostendeckend. Deswegen haben wir der Politik immer signalisiert: Macht uns erst auf, wenn diese Auslastung von  den Regeln her möglich ist. Seid ehrlich zu uns.

Und Letzteres vermissen Sie jetzt?

BLOMANN Wir ärgern uns sehr über das, was die Politik veröffentlicht hat. Es ist unfair von ihr, so zu tun, als könnten wir öffnen, aber de facto durch die Regeln dafür zu sorgen, dass wir trotzdem aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen sind. Unser enormer Frust kommt auch daher, dass wir seit Beginn der Krise in Gesprächen mit der Politik sind – regelmäßig, immer wieder. Wir reden, reden, reden über Probleme, über die Mindeststandards, mit denen eine Öffnung funktioniert, aus wirtschaftlicher Sicht oder aus Kundenperspektive oder aus medizinischer Sicht. Und das alles wird dann ignoriert. Was in der Verordnung angekommen ist, hat wenig nichts mit dem zu tun, was vorher diskutiert wurde. Dass die Öffnung nicht funktioniert, wusste die Politik – deswegen nenne ich das Ganze einen Marketing-Gag. Der Druck wurde der Politik jetzt wohl zu groß, weil auch andere Bundesländer öffnen - dann haut man so eine Verordnung raus, um in der Bevölkerung gut dazustehen. Aber faktisch sind und bleiben wir geschlossen. 

Mit wem sind diese Gespräche abgelaufen?

BLOMANN Mit allen relevanten Ministerien. Mit den Fachebenen, die Empfehlungen für die Redaktionskonferenz vorbereiten, in denen Vertreter verschiedener Ministerien sitzen und dort Vorlagen für den Ministerrat vorbereiten. Aber irgendwo zwischen der gut informierten Fachebene, die immer sehr gut informiert ist, und der Verordnung am Ende passiert irgendein Quatsch. Oder Politik. Da wird nicht mehr entschieden auf der Basis von Sinnhaftigkeit, sondern darauf, wie man etwas gut verkaufen kann. Und wem man den Schwarzen Peter zuschieben kann.

Also den Clubs?

BLOMANN Ja, wir müssen jetzt vielen Leuten erklären, warum wir geschlossen sind, obwohl wir doch eigentlich öffnen dürfen, was im ersten Moment nicht jeder versteht.

Gibt es Clubs, die am Wochenende trotzdem öffnen werden?

BLOMANN Ich weiß von keinem. In jedem Fall öffnet kein Club, der dem  Poprat-Verband angehört. Ausschließen will ich es nicht, denn es gibt für einen Unternehmer ja mehr Gründe, zu öffnen als reine Wirtschaftlichkeit. Ich bin kein Klubbesitzer, sondern führe mit dem „Hirsch“ eine Kleinkunstbühne, aber die Situation ist vergleichbar: Wir machen Veranstaltungen, obwohl sie nicht wirtschaftlich sind, einfach weil es darum geht, meine Mitarbeiter nach anderthalb Jahren nochmal in ihrem Job arbeiten zu lassen. Ich habe seit Beginn der Pandemie ein Drittel meiner festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verloren. Wenn ich nicht anfange, denen eine Perspektive zu geben, dann verliere ich die auch noch. Dann hat mich zwar Überbrückungsgeld durch die Krise gebracht, aber ich schließe trotzdem, weil ich keine Mitarbeiter habe.