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Netzwerk Freie Szene Saar zeigt Festival „Plopp“

Netzwerk Freie Szene Saar zeigt Festival „Plopp“ : Ein kleines großes Festival namens „Plopp“

„Plopp“ heißt das ambitionierte Festival des Netzwerks Freie Szene Saar – mit 15 Spieltagen an 13 Orten in vier Städten des Saarlandes. Was gibt es wo zu sehen?

Eine gute und überraschende Nachricht für das Netzwerk Freie Szene Saar: Als der Verband am Montag sein Festival „Plopp – Die freie Reihe“ vorstellte, sagte Michaela Kilper-Beer vom Saarbrücker Kulturzentrum KuBa, dass das Netzwerk ab jetzt dessen Veranstaltungsraum, die alte Kantine, nutzen könne. Große Freude. Denn, das klang mehrmals bei dem Pressetermin im Saarbrücker „Terminus“ an, fehlt es den freien Künstlerinnen und Künstlern an Räumen zum Proben, an Bühnen zum Agieren.

So gesehen macht „Plopp“ die Not zur Tugend: Die Kunst sucht sich ihre Räume und bespielt an 15 Tagen 13 Orte in vier Städten: Saarbrücken, Saarlouis, Neunkirchen und Völklingen, wo im Juli ein Festival-Prolog zu sehen war. In der schwierigsten Corona-Zeit habe man nach „variablen Formaten“ gesucht, die man der jeweiligen Situation anpassen könne, erklärt Katharina Bihler vom Vorstand des Netzwerks: zwischen zehn und 15 Minuten, spielbar vor einem zwar kleinen Publikum, aber mehrmals am Tag. „Das kann man  bei einem Stadtspaziergang einbauen, auch nach oder vor der Bundestagswahl“, sagt Bihler – am 26. September kann man sich eine szenische Lesung mit Gabriele Bernstein und Dieter Hofmann im Saarlandmuseum anschauen, mit Texten  von Leonhard Frank (1882-1961).

 Beim Pressetermin im „Terminus“: Musiker Julien Blondel, Regisseurin Corinna Preishaupt, Künstlerin Katharin Biehler und Tänzer/Choreograf Samuel Meystre.
Beim Pressetermin im „Terminus“: Musiker Julien Blondel, Regisseurin Corinna Preishaupt, Künstlerin Katharin Biehler und Tänzer/Choreograf Samuel Meystre. Foto: Tobias Keßler

Grundgedanke des Festivals, dessen Eintritt meistens frei ist, sei die „Kooperation mit Institutionen der Bildenden Kunst“, bewusst auch über Saarbrücken hinaus, erklärt Bihler. Einmal, um sich stärker auszutauschen und das Netzwerk weiter zu verweben – vor allem aber, um künstlerisch auf die Räume zu reagieren. So sieht das auch Cellist Julien Blondel: „Wir haben nicht nach Räumen gesucht, wo wir spielen dürfen, weil wir nicht weiter stören, sondern wir wollen Arbeiten zeigen, die Bezug zum Ort haben oder für ihn geschaffen werden.“ Im Falle Blondels ist der Ort die Städtische Galerie Neunkirchen, wo er am 3. Oktober mit Gabriele Basilico (Kontrabass) auf die Werke dort reagieren wird: die Stadtansichten der Fotografin Mona Breede, ab 10. September zu sehen unter dem Ausstellungstitel „Urban Stories“.

 Elizabeth Wiles singt Arien von Verdi und Händel.
Elizabeth Wiles singt Arien von Verdi und Händel. Foto: Henrik Bollmann

Haupt-Unterstützer des „Plopp“-Festivals, das mit neuen Werken, aber auch mit neuen Formationen und Zusammenarbeiten aufwarten will,  sind das Saar-Kulturministerium und Lotto/Saartoto mit je 22 500 Euro – mit Spenden liegt das Budget bei knapp 50 000 Euro. Zum Auftakt am Sonntag, 29. August, zeigen die Tänzer Tom Diener und Samuel Meystre das Stück „In:Sight Out“ – Meystre, Schweizer und Wahl-Saarbrücker, freut sich, dass er das Stück beim Museumsfest zeigen kann, um so ein neues Publikum für den Tanz ansprechen zu können. Zwischen 11 und 16 Uhr ist „In:Sight Out“ stündlich zu sehen, mal drinnen, mal vor dem Museum, immer aber mit einer Glaswand, die die beiden Tänzer trennen und zu Spiegelfiguren machen wird.

Was bietet „Plopp“ außerdem? Das In.Zeit Ensemble will den Klang­raum des Innenhofs der Stadtgalerie in Saarbrücken erforschen – sind die hereinziehenden Geräusche des St. Johanner Markts nicht schon eine Musik für sich? Und wie kann man sie begleiten? Die Fragen will das Ensemble am 4. September beantworten. In der Stadtgalerie selbst gastiert tags drauf Sigi Becker mit französischen Chansons in deutscher Sprache. Am 11. September erweisen Margret Gampper (Gesang) und Bernd Möhl (Klavier) im Saarlandmuseum der Liedkultur die Ehre – aus dem sehr weiten Feld zwischen Bert Brecht und Bill Ramsey, Georg Kreisler und Hazy Osterwald.

  Die Tänzerin Lucyna Zwolinska ist in einer Performance mit Video zu sehen.
Die Tänzerin Lucyna Zwolinska ist in einer Performance mit Video zu sehen. Foto: André Mailänder

Bei der Pressevorstellung saßen die Netzwerk-Köpfe unter drei Gemälden der im August 2020 gestorbenen Malerin Andrea Neumann – deren Werke sind aktuell unter dem Titel „Übergänge“ im KuBa am Eurobahnhof zu sehen; am 12. September wird die Künstlerin Élodie Brochier, die mit Neumann befreundet war und deren Werk gut kennt, in einer theatralen Improvisation laut Festival „das ästhetische Protokoll“ der Entstehungsgeschichten erzählen, „und zwar auf völlig erfundene Weise“. Man muss gespannt sein.

Die Französin, die in die Luft ging

In der Ludwig Galerie in Saarlouis werden sich Katharina Bihler, rezitierend, und Claudia Kemmerer, singend, in einer „Operminiatur“ einer Luftfahrtpionierin widmen: einer Französin, die 1784 bei Lyon in einem Ballon buchstäblich in die Luft ging; Premiere von „Die Luftschifferin jener Tage“ ist am 25. September. Am selben Tag gibt es im Hof des Saarbrücker Theaters im Viertel Musiktanztheater um Leben, Tod und mexikanische Trauerkultur: „Las Flores Iloronas“ mit dem Mutantheater.

Das Netzwerk Freie Szene Saar sei zuletzt stark gewachsen, sagt Katharina Bihler – eine der Neuzugänge ist die Sopranistin Elizabeth Wiles, die bei „Plopp“ mitwirkt: Am 2. Oktober singt sie in der Saarbrücker Innenstadt, der Ort ist noch unklar, zwei Arien – aus Verdis „Otello“ und Händels „Semele“. Außerdem in Saarbrücken: eine Musik- und Tanzperformance mit Gabriele Basilico (Kontrabass) und Lucyna Zwolinska (Tanz & Video) am 2. Oktober im Historischen Museum Saar; eine Performance im Glaskasten vor dem Museum für Vor- und Frühgeschichte mit Corinna Preisberg und Marius Buck (9. Oktober); eine Tanz-Improvisation in der HBK mit Bahzad Sulaiman (9. Oktober) und eine Literatur-Performance über Simone de Beauvoir in der Villa Europa (Termin folgt) – mit den Schauspielerinnen Mirjam Kuchinke und Juliane Lang, begleitet von Julien Blondel.

Am 16. Oktober nimmt sich „Plopp“ im Saarbrücker Theater im Viertel  der Grimmschen Märchenwelt an: Élodie Brochier rezitiert zusammen mit Ralf Peter, zur Musik von Wollie Kaiser, ausgesuchte und selten vorgetragene Märchen, denen das Festival „Absurdität, Skurrilität oder auch Brutalität“ attestiert. Nach so viel geballter Kunst von der Saar endet „Plopp“ im Oktober (genauer Termin ist noch nicht klar) im Saarbrücker Überzwerg-Theater: Dort wird das traditionsreiche Figurentheater Ernst Heiter aus Mecklenburg-Vorpommern zwei Märchen spielen: „Frau Fischer und ihr Mann“ und den unsterblichen „Froschkönig“.

Informationen und ganzes Programm:
www.freieszenesaar.de/plopp