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Saar-Staatstheater eröffnet Spielzeit mit Verdis "Il Trovatore".

Kostenpflichtiger Inhalt: Spielzeiteröffnung am Saarländischen Staatstheater mit "Il Trovatore" : Gequälte Seelen in Isolationshaft

Trotz zwangsläufig kleinerer Besetzung verspricht das Saar-Staatstheater zur Spielzeit-Eröffnung am nächsten Sonntag einen bildgewaltigen, musikalisch spannenden „Trovatore“ von Verdi.

In der Oper geht es bekanntlich weniger um die Handlung als um große Emotionen, gespiegelt in der Musik. Verdis musikalisch gewaltiger „Il Trovatore“ ist dafür ein Musterbeispiel, denn wer sich diese verwirrende, abstruse Handlung ausgedacht hat – das Libretto stammt von Salvatore Cammarano – kann nicht ganz bei Sinnen gewesen sein. Trotzdem (oder gerade deshalb?) war diese Oper, als sie 1853 in Rom uraufgeführt wurde, sofort ein durchschlagender Erfolg. Verdi gelang damit der große Durchbruch.

In Saarbrücken wird der beliebte „Troubadour“ nun in einer Corona-gerechten Fassung gespielt. Wer eine konzertante Aufführung in Kostümen befürchtet, kann beruhigt sein. Es soll trotz Abstandregelung und Mini-Orchester so richtig knallen, wie es sich für eine Verdi-Oper gehört. Das jedenfalls versprechen Regisseur Tomo Sugao und Generalmusikdirektor Sébastian Rouland.

Aber erstmal zur verwirrenden Geschichte. Die spielt im frühen 15. Jahrhundert in Südspanien und geht so: Graf Luna junior und der Rebell Manrico führen Krieg gegeneinander und haben sich ausgerechnet in dieselbe Frau (Leonora) verliebt. Sie sind Brüder, wissen es aber nicht. Denn Manrico wurde als Kind von Azucena geraubt, die dadurch ihre Mutter rächen wollte, welche wiederum vom Vater der Brüder (Luna senior) auf den Scheiterhaufen gebracht worden war. Azucena ist Zigeunerin und gehört damit zu den Randständigen, Ausgeschlossenen in der Gesellschaft. Sie erzählt die Vorgeschichte zum eigentlichen Konflikt in Rückblicken. Azucena, die das Grafenkind aus Rache ebenfalls verbrennen wollte, tötete stattdessen „im Wahn“ ihren eigenen Jungen. Zurück blieb Manrico, den sie liebevoll großzieht. Der ist jetzt ein Rebell und verliebt... Für die psychische Gesundheit der Azucena ist das alles verheerend. Und so dreht sich die Oper in der Saarbrücker Inszenierung von Tomo Sugao um die Figur der gequälten Zigeunerin, die heute eine Roma wäre und als Obdachlose durch die Handlung führt.

„Azucena wird ausgegrenzt, man nimmt Abstand von ihr“, erläutert Tomo Sugao. Um dieses Thema der Vereinzelung, Ausgrenzung, Einsamkeit und Verzweiflung kreise sein Regiekonzept. Und es trifft damit ganz gut den Nerv der Corona-Zeit. Auf der Bühne spiegeln sieben Boxen oder Türme die Isoliertheit der Hauptfiguren. Ein Trauma nach dem anderen wird hier behandelt. „Diese sieben drehbaren Räume tanzen wiederum auf einer Drehscheibe“, verrät der Regisseur. Weder das Liebespaar Leonora und Manrico, noch die verfeindeten Brüder treffen während der Inszenierung direkt aufeinander. Denn gespielt und gesungen wird fast ausschließlich in diesen auch dekorativ das Seelenleben der Figuren widerspiegelnden Räumen. Und so haben die Sänger Raum, um ungehemmt zu agieren, denn auf Abstandmarkierungen muss hier keiner achten. Eine clevere Idee. „Es wird szenisch ein Spektakel werden, sehr bildgewaltig“, verspricht Sugao und fügt hinzu, dass Verdi die abstruse Handlung mit ihren psychologisch extremen Situationen der Hauptfiguren in eine geniale, mitreißende musikalische Sprache übersetzte.

Berühmt sind beispielsweise die Chorszenen im „Troubadour“. Doch der Theaterchor bleibt weitestgehend unsichtbar. „Wir spielen ihn ein, 27 Choristen singen den Zigeunerchor dabei live aus dem Orchestersaal im dritten Stock“, erläutert Generalmusikdirektor Sébastien Rouland und verspricht, dass der „Masse-Effekt“ auch mit drastisch reduzierter Besetzung trotzdem zu hören sei. „Wir spielen mit 14 Musikern im Orchestergraben, wo sonst um die 50 sitzen“. Die fast kammermusikalische Besetzung des „Trovatore“ lasse einen „transparenten, flexiblen Klang“ zu, kündigt Rouland an und lobt das „gelungene Arrangement“ von Uli Meyer. „Es ist ein intimes Stück, und deshalb passt die kleine Besetzung eigentlich ganz gut“, sagt er. Für den Dirigenten, der sich wie das ganze Team auf die neuen Erfordernisse in Zeiten der Pandemie einstellen musste, ist dieser „Trovatore“ jetzt schon ein „gelungenes Experiment“.

Insgesamt hat das Staatsorchester 83 Mitglieder. Damit alle beschäftigt sind, habe man für die Spielzeit ein umfangreiches Ersatzprogramm erarbeitet, das auf viele kleinere Ensembles verteilt wurde, berichtet der Generalmusikdirektor zum Schluss. Denn für alle Künstler, die nicht spielen könnten, sei es eine harte Zeit. Und so sei die Freude darüber wieder öffnen zu können, bei allen Beteiligten umso größer, sagt Rouland und appelliert an das Publikum: „Kommen Sie, haben Sie keine Angst. Bei uns sind Sie sicher!“

Die Premiere von „Trovatore“ am Sonntag ist bereits ausgebucht. Weitere Termine im September: 11., 13., 17., 19. und 25. www.staatstheater.saarland