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Saarbrücker Max-Ophüls-Filmfestival hat Programm vorgestellt

Filmfestival läuft vom 16. bis 26. Januar : Saarbrücker Ophüls-Festival: „Sehr poetisch, sehr emotional“

Am 16. Januar beginnt das 43. Filmfestival Max Ophüls Preis – diesmal läuft es länger und ebenso im Kino wie online. Wie funktioniert das? Und was gibt es zu sehen?

Beim Ophüls-Festival geht die Welt unter – zumindest im dystopischen Eröffnungsfilm der kommenden Ausgabe. Ansonsten aber trotzt das Festival des deutschsprachigen Nachwuchsfilms wacker der Corona-Lage mit einem ambitionierten Konzept: Nach der rein digitalen Pandemie-Ausgabe in diesem Januar geht es bald wieder in die Kinos, parallel dazu gibt es Online-Angebote (wir berichteten).

Am Donnerstag hat das Festival das Programm der kommenden Ausgabe (16. bis 26. Januar) vorgestellt, in den Räumen des neuen Sponsors Union Stiftung. Für Saarbrückens OB Uwe Conradt (CDU) ist es schon eine gute Nachricht, dass das Festival überhaupt stattfindet, das sei „nicht selbstverständlich in dieser Zeit“. Die Kulturdezernentin und Festival-Co-Geschäftsführerin Sabine Dengel (zusammen mit Festivalleiterin Svenja Böttger) betont, dass es diese Ausgabe nicht leicht hat: Wegen der coronahalber nicht vollständig möglichen Auslastung der Kinos – das Festival rechnet mit 50 Prozent – nehme das Kino diesmal weniger Ticketgelder ein, „bei gleichbleibenden Ausgaben“.

Elf Tage Kino: Das Festival wird verlängert, an elf Tagen laufen 27 Premierenprogramme der vier Wettbewerbe. Tickets kosten 8,50 Euro. Die Produktionen sind gleichzeitig in den Festivalkinos zu sehen: in Saarbrücken im Cinestar, im Filmhaus, in der Camera Zwo, im Kino Achteinhalb und im Passage-Kino; außerdem in den Thalia Lichtspielen in Bous, im Eden Cinehouse in Homburg, in der Kinowerkstatt St. Ingbert und im Capitol Movieworld in Saarlouis. Nach den Premieren gibt es im Cinestar ein Gespräch mit Gästen des Filmteams, das in alle Kinos übertragen wird.

  Im Kurzfilm „Fluffy Tales“ der saarländischen Regisseurin Alison Kuhn spielt Alexandra Sagurna ein Model, das in einem Werbespot kurzerhand einen Hund spielen soll.
Im Kurzfilm „Fluffy Tales“ der saarländischen Regisseurin Alison Kuhn spielt Alexandra Sagurna ein Model, das in einem Werbespot kurzerhand einen Hund spielen soll. Foto: Antonia Pepita Giesler

Was gibt es zu sehen?  Insgesamt 80 Filme sind geplant, 49 laufen im Wettbewerb in den saarländischen Kinos, 31 im Rahmenprogramm, das allerdings ausschließlich online zu sehen ist. Im Spielfilmwettbewerb laufen zehn Produktionen, im Dokumentarwettbewerb acht; in der Sparte des Mittellangen Films (25 bis 60 Minuten) sind elf Beiträge zu sehen, beim Kurzfilm 20.

Besagter Eröffnungsfilm am Montag, 16. Januar, ist „Everything will change“. Regisseur Marten Persiel erzählt von einer düsteren Welt des Jahres 2054 nach dem Klimakollaps und drei jungen Rebellen, die recherchieren, wie die Welt in die Katastrophe geschlittert ist. In einer Nebenrolle mit dabei: Wim Wenders, Regisseur („Der Himmel über Berlin“) und Ophüls-Ehrengast 2021.

Klimawandel und Artensterben seien Themen in einigen Filmen des Festivals, betonen die Leiterin Svenja Böttger und der Künstlerische Leiter Oliver Baumgarten. Ebenfalls gehe es oft um die Geschlechterthematik, um gesellschaftliche Rollenbilder und um sexuelle Gewalt. Im Spielfilmwettbewerb erzählt „Ladybitch“ von Paula Knüpfling und Marina Prados von einer jungen Schauspielerin, die sich gegen einen Bühnenregisseur wehren muss, der sie sexuell belästigt. Im Spielfilm „Risse im Fundament“ von Genia Leis und Gerald Sommerauer beginnt eine junge Architekturstudentin ein Praktikum bei einem renommierten Architekten – in der intensiven Zusammenarbeit stellen sich schnell Fragen nach sexuellen Rollenbildern und Machtverhältnissen. „Es sind große Themen, sehr toll im Kleinen erzählt“, verspricht Svenja Böttger.

Nach ihrer preisgekrönten Doku „The Case You“ über sexuelle Übergriffe bei einem Casting ist die saarländische Regisseurin/Autorin Alison Kuhn nun mit der satirischen Produktion „Fluffy Tales“ (Uraufführung) im Kurzfilmwettbewerb vertreten: Als bei Dreharbeiten für einen Hundefutter-Werbespot der vierbeinige Darsteller ausfällt, soll das Model Ella die Rolle übernehmen – auf allen Vieren.

 Eine Szene aus dem Schweizer Spielfilm „Soul of a Beast“ von Lorenz Merz über die Gefühlswirren eines jungen Mannes, 
Eine Szene aus dem Schweizer Spielfilm „Soul of a Beast“ von Lorenz Merz über die Gefühlswirren eines jungen Mannes,  Foto: MOP

Im Dokumentarwettbewerb geht es  unter anderem um sehr Privates der Filmemacherinnen und Filmemacher: In „Anima – Die Kleider meines Vaters“ entdeckt die Regisseurin Uli Decker, dass ihr jüngst verstorbener Vater zu Lebzeiten sehr gerne Frauenkleider und eine Perücke trug; in „Nestwärme – Mein Opa, der Nationalsozialismus und ich“ findet Regisseur Eric Esser im Nachlass Bilder seines Großvaters aus den 1940er Jahren mit einem Hakenkreuz am Jackenaufschlag. Eine Entdeckung, die in der Familie eine Debatte auslöst, die der Film nachzeichnet.

Weitere Empfehlungen der Festivalmacher sind unter anderem der Schweizer Spielfilm „Soul of a Beast“ von Lorenz Merz über  jugendliche Gefühlswelten („sehr poetisch, sehr emotional“, sagt Oliver Baumgarten), und „Mayor, Shepherd, Widow, Dragon“: Eliza Petkovas Doku zeigt das Leben in einem bulgarischen Bergdorf, dem durch Überalterung die Bewohner abhanden kommen.

Wer den Ophüls-Festivals vor Corona nachtrauert, sollte sich die Uraufführung von „Schlussklappe“ anschauen. Niclas Mehnes Film entstand im Januar 2019 in Saarbrücken bei einer Ophüls-Woche, in der volle Kinos und Lolas Bistro noch eine Selbstverständlichkeit waren.

Informationen über alle Filme des Programms gibt es auf der Festivalseite. Der Kartenverkauf für Kino und Online beginnt am 10. Januar um 10 Uhr.
Kontakt: https://ffmop.de