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Saarlandmuseum zeigt "Auf dem R?cken der Dinge" von Simone Demandt

Ab Dienstag neue Foto-Ausstellung im Saarlandmuseum : So viel kriminelle Phantasie steckt in uns

Unter dem Titel ?Auf dem R?cken der Dinge? pr?sentiert das Saarlandmuseum die Fotografin Simone Demandt. Die f?hrt uns nachts in Labore und in Asservatenkammern.

Fotografien l?gen bekanntlich nicht. Also glauben wir ihnen viel, selbst in digitalen Zeiten. Doch zwischen der Abbildung und den Objekten liegt ein Ozean ? an Spekulationen, Assoziationen, ?ngsten, Verdachtsmomenten. Denn ein Kerzenst?nder sieht zwar auch bei Simone Demandt so aus wie ein Kerzenst?nder, eine Suppenkelle wie eine Suppenkelle, aber sie haben ihre Heimat verloren, sind dem Alltag entfremdet. Denn die Fotografin hat sie nicht in einem Haushalt abgelichtet, sondern in einem Polizeigeb?ude. Und weil die Fotografin sie in ihre Serie ?Instrumenta sceleris?(2011-2013) ? Werkzeuge des Verbrechens?? aufgenommen hat, wissen wir: Diese harmlosen Dinge stammen aus Asservatenkammern, waren Tatwerkzeuge, zumindest Gegenst?nde, die in Strafprozessen eine Rolle spielten. Und die Phantasie beginnt zu arbeiten ? die kriminelle?? wenn man so will ?auf dem R?cken der?? unschuldigen?? Dinge?.

Insgesamt f?nf der bekanntesten Serien der K?nstlerin wurden f?r die aktuelle Ausstellung in einem f?r K?nstler-Einzelausstellungen genutzten Raum im Obergeschoss des Erweiterungsbaus der Modernen Galerie zusammengef?hrt. Durch 43 Werke erh?lt man einen guten ?berblick ?ber Themen und Strategien der in Baden-Baden lebenden K?nstlerin, die vor etwa zehn Jahren eine Vertretungsprofessur an der Hochschule der Bildenden K?nste Saar hatte. So kam der Kontakt zur Stiftung Kulturbesitz zu Stande, die Demandt dann 2014 einlud an einem ungew?hnlichen Projekt teilzunehmen. F?r ?Mapping the museum? setzten sich Foto-K?nstler mit dem Rohbau des Vierten Pavillons auseinander. Demandt lieferte daf?r die Serie ?Schemen?, die Kurator Roland Augustin, Leiter der fotografischen Sammlung der Stiftung, in die aktuelle Ausstellung integriert hat. Auf den Fotos sieht man Projektionen von bekannten Saarbr?cker Sammlungsobjekten ? auf unfertigen, nackten W?nden. Daf?r hat Demandt digitale Vorlagen der Exponate ?ber Beamer an die W?nde geworfen und davon ein analoges Foto erstellt, das wiederum die Immaterialit?t der Objekte verschleiert: Wurden die Skulpturen nicht doch vor Ort abgelichtet oder spuken sie nur als Geistererscheinungen aus der Zukunft durch den Raum? Es ist ein trickreiches, labyrinthisches Spiel, das Demandt da in Gang setzt.

Die Stiftung h?tte gerne mehr Demandt-Werke in ihrer Sammlung, dabei sollen F?rderer und Sponsoren helfen. Vor allem auch an sie wendet sich die neue Reihe ?Museum der W?nsche?, mit der Sammlungsleiter auf L?cken aufmerksam machen wollen. Der Auftakt mit Demandt ist gelungen.

 Eine von Simone Demandts Nachtaufnahmen aus der Serie ?Dunkle Labore?.
Eine von Simone Demandts Nachtaufnahmen aus der Serie ?Dunkle Labore?. Foto: Demandt/Stiftung Saarl?nischer Kulturbesitz/Demandt/Stiftung Saarl?ndischer Kulturbesitz

Ihre Kunst unterl?uft Konventionen. Sie warnt davor, der als hoch erachteten Beweiskraft vermeintlich dokumentarischer Fotografie nicht auf den Leim zu gehen. Denn selbst, wenn Demandt f?r ihre Serie ?Freude am Leben? ?nur? leere Garagen fotografiert, so wie sie halt mal sind, weist sie darauf hin, dass sie, die Fotografin, eine B?hne daf?r hergerichtet hat. Die Autos wurden rausgefahren, und wenn der Hauptdarsteller fehlt, schreiben die Nebenakteure, die Putzmittel, M?lls?cke oder Kinderzelte ein neues St?ck, sprechen ?ber Leben und Charakter der Hausbesitzer.

?sthetisch stechen die ?Nacht-St?cke? aus der Werkgruppe ?Dunkle Labore? (2008-2009) in der Pr?sentation hervor. Mitunter gl?ht es auf samtig schwarzem Grund golden wie einst auf Rembrandts Leinw?nden. Die gesamte Nacht hindurch belichtete Demandt den Film, der nur das an Licht festhielt, was die blinkenden Maschinen unterschiedlicher Forschungseinrichtungen ?ber Stunden aussendeten. Die Langzeitaufnahme scheint das perfekte, authentische Protokoll. Doch ?ber Ver?nderung und die Dimension Zeit sagen die gro?formatigen Fotodrucke auf Alu-Dibond nichts, doch zu tanzen beginnen Grusel-Konnotationen, die mit Laboren verbunden sind, von Frankenstein bis Corona.

?Ein gesunder Zweifel lohnt immer?, auf diesen treffenden Nenner bringt Kurator Augustin Demandts Konzept. Der Titel der Ausstellung ?Auf dem R?cken der Dinge? f?hrt freilich in kulturphilosophische Tiefen, zu Friedrich Nietzsche, Michel Foucault, Ernst Bloch. Mitunter wirken solcherart Verweise wie tonnenschwere Sands?cke, die den Besucher in intellektuelle Tiefen ziehen, die sich an der Oberfl?che?? in den Exponaten selbst ? nicht wiederfinden. Bei Demandt ist das nicht so, ihr Werk h?lt der Verortung stand.

Der Besuch ist nur mit einem Schnelltest-Nachweis m?glich. In unmittelbarer N?he der Modernen Galerie gibt es das Corona-Testzentrum am Staatstheater. ?ffnungszeiten f?r die Demandt-Schau: Di-So 10-18 Uhr, Mi 10-20 Uhr. Tel. (0681) 9 96 40.