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Star-Tenor José Cura in Saarbrücken: Was er im Lockdown gemacht hat

Star-Tenor und Multitalent : Warum Star-Tenor José Cura drei Mal mehr als andere arbeitet

Als Sänger ist José Cura ein Weltstar, in Saarbrücken ist er am Pult des Saarländischen Staatsorchesters jetzt am Sonntag und Montag in Saarbrücken in gleich zwei anderen Rollen zu erleben.

Am Vorabend ist er aus seiner Wahlheimat Madrid eingeflogen; nun hat José Cura, Artist in Residence am Saarländischen Staatstheater (SST), die erste Probe mit dem Staatsorchester hinter sich. Und er seufzt über eine Problematik, die derzeit allen Dirigenten der Welt zu schaffen macht: die Herausforderung, einen organischen Ensembleklang zu formen, wenn die Musiker auf Abstand sitzen. Aber der gebürtige Argentinier, Jahrgang 1962, ist nicht nur Dirigent, sondern auch Komponist, der jetzt in Saarbrücken beim ersten Sinfoniekonzert in der Congresshalle zwei eigene Werke zur Uraufführung bringt.

Noch überstrahlt wird diese doppelte Karriere jedoch von seinem Ruhm als Sänger: Als Tenor ist Cura ein Weltstar, ein seltener Vertreter des Verismo und berühmt für seine expressiven Interpretationen und sein kraftvoll strahlendes Timbre mit dunklen baritonalen Reflexen. Und weil er genau weiß, welche Szenerie für Sänger funktioniert und welche nicht, entwirft er bei seinen Opernproduktionen meistens auch das Bühnenbild selbst. Dass er außerdem fotografisch Beeindruckendes vorzuweisen hat, tut Cura als nebensächlich ab – das sei lediglich ein Ausgleich zum Job.

Kein Wunder jedenfalls, dass die Presse sich mit Superlativen für den temperamentvollen Allroundkünstler überschlägt, ihn gar als Universal-Genie feiert. Wie fühlt man sich als musikalischer da Vinci? „Ich bin lediglich jemand, der mit vielen Talenten gesegnet ist und das Glück hat, dass diese Begabungen sich miteinander vereinen lassen“, erwidert Cura. Natürlich habe er manchmal Angst, sich zu verzetteln und Fehler zu machen. „Aber deswegen arbeite ich ja auch drei Mal mehr als andere Leute.“ Als getriebener Workaholic sieht er sich jedoch nicht. „Ich genieße das Privileg, eine Arbeit zu machen, die ich liebe. Meine Arbeit ist mein Leben!“ Obwohl er sich seit seinem 50. Geburtstag Gedanken mache über die ihm noch verbleibende Spanne an Jahren und deswegen der Corona-Pandemie auch Positives abgewinnen kann. „Vielleicht“, grübelt Cura, „öffnet es uns die Augen für das Wesentliche. Oft wissen wir etwas nicht zu schätzen, bis wir es verloren haben. Carpe diem!“

Cura hat den Lockdown genutzt, um ein Gitarrenkonzert zu schreiben: Sein „Concierto para un Resurgir“ feiert in Saarbrücken Premiere, genau wie die Orchestersuite zu seiner Oper „Montezuma e il Prete Rosso“; parallel erklingt Ottorino Respighis „Trittico Botticelliano“. Dass hier musikalische Welten verschmelzen, ist typisch für Cura. Als Sänger brilliert er vor allem im klassischen italienischen Opernrepertoire, sein Debüt gab er jedoch in einer modernen Oper von Hans Werner Henze.

Diese Bandbreite spiegelt sich auch in seinem kompositorischen Schaffen: Cura schöpft aus der Tradition, um sie zu reharmonisieren. So fußt seine Orchestersuite auf neobarocken Elementen; und in seinem Konzert für das „scheue, weil in seinem transparenten Klangbild leicht zu erdrückende Instrument Gitarre“ bringt er uns die Folklore seiner Heimat nahe. Dafür habe er bewusst eine leicht verständliche Tonsprache gewählt, erklärt Cura und kommt auf eines der Hauptprobleme zeitgenössischer Musik zu sprechen: Das Publikum lehne sie oft nur ab, weil es sie nicht verstehe. „Wahrscheinlich steht deswegen so wenig Modernes auf den Spielplänen“, bedauert Cura. „Aber Musik ist Kommunikation“, betont er; also müsse ein Komponist sich um eine verständliche Sprache bemühen.

Nach Bach sei in der Musik nichts Neues mehr erfunden worden, meint Cura; dem Anspruch nach Originalität könne man daher nicht mit Mutwilligkeit und Effekthascherei begegnen, sondern nur mit Authentizität und Aufrichtigkeit: „Das Publikum merkt sofort, ob man wahrhaftig und glaubwürdig ist oder nicht.“ Das Handwerk sei immer dasselbe; die Kunst bestehe darin, wie man es kombiniere. „Ich singe mit der Mentalität eines Dirigenten“, erklärt Cura, „und ich dirigiere mit dem Wissen eines Sängers.“ Und wenn er für Sänger komponiert, tut er das mit dem Bewusstsein für deren Bedürfnisse. Cura: „Nach dem Schreiben probiere ich jede einzelne Stimme aus. Und wenn ich selbst sie nicht mit Freude bewältigen kann, korrigiere ich sie. Ich hasse es, Musik zu singen, die sich unnatürlich anfühlt!“

Konzerte: Sonntag, 19. September 11 Uhr und 15 Uhr; Montag, 20. September, 19.30 Uhr, Congresshalle Saarbrücken. Am 13. Februar kommt Cura erneut ans SST, dann als Sänger: Mit dem Opernensemble präsentiert er um 18 Uhr im Großen Haus die schönsten Arien und Duette seiner Laufbahn.


www.staatstheater.saarland