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Was bringt die neue Saison der Deutschen Radio Philharmonie in Saarbrücken?

Die neue Spielzeit der Deutschen Radio Philharmonie : „Die große Symphonik ist wieder da“

Am Sonntag beginnt die neue Spielzeit der Deutschen Radio Philharmonie (DRP) – endlich wieder in voller Orchesterstärke. Wie funktioniert das in der Pandemie?

„Die große Symphonik ist wieder da“, sagt Pietari Inkinen, Chefdirigent der Deutschen Radio Philharmonie (DRP), und freut sich sichtlich. Am vergangenen Sonntag haben das Orchester und der Finne das Abschlusskonzert des Rheingau Musik Festivals im Kloster Eberbach gespielt, vor 500 Menschen. „Das war für mich das erste Signal einer Art Normalität“, sagt Inkinen, „es geht jetzt weiter“. Dass sein Orchester endlich wieder ohne Abstand proben und spielen könne, sei wunderbar. Und jetzt geht es sozusagen ungebremst in die neue Spielzeit, wieder mit dem gesamten Orchester-Apparat, nicht mehr mit pandemiebedingt reduzierten Formationen: An diesem Sonntag beginnt die neue Saison mit einer Matinee, ab 11 Uhr spielt das Orchester in der Saarbrücker Congresshalle Dvorak und Mozart.

Am Dienstag hatte der Saarländische Rundfunk zu einem Pressetermin per Videokonferenz eingeladen, um noch einmal aufs Programm hinzuweisen (wir berichteten) und einen „Situationsbericht“ in Corona-Zeiten zu geben. Und die Situation sieht so aus: „Das veröffentlichte Programm wird stattfinden, aber unter strengen Auflagen“, sagt Maria Grätzel, die Managerin der DRP. Die Musikerinnen und Musiker können wieder ohne Abstand spielen, kündigt sie an. „Dafür sind wir sehr dankbar. Wir hatten uns vorher streng an die coronabedingten Abstände gehalten - anderthalb Meter zwischen den Streichern, zwei Meter zwischen den Bläsern. Deswegen mussten wir das geplante Programm teilweise über den Haufen werfen.“ Doch Auflagen bleiben: So müssten alle Musikerinnen und Musiker der DRP, auch die geimpften oder genesenen, zum Konzert einen PCR-Test vorlegen. „Als Orchestermanager muss man eine extreme Balance versuchen“, sagt Grätzel, „man muss der Pandemie Rechnung tragen, ist verantwortlich für die Gesundheit von Orchester und Publikum. Zugleich muss man zu einem regulären Spielbetrieb zurückfinden.“

 DRP-Chefdirigent Pietari Inkinen.
DRP-Chefdirigent Pietari Inkinen. Foto: dpa/Thomas kienzle

Dieser Spielbetrieb muss in der Saarbrücker Congresshalle noch in verkleinerter Kulisse laufen: Vor Corona konnte die DRP da vor 1200 Menschen spielen, in den Coronazeiten, wenn Konzerte überhaupt möglich waren, vor 150. In der neuen Spielzeit sind es nun 250 Menschen maximal, für das Publikum gelten nach wir vor Abstandsregeln; Personen aus dem gleichen Haushalt können laut DRP nebeneinander sitzen.

Über die tagesaktuelle Pandemie-Lage kann man sich mittels der Spielzeit-Broschüre informieren – jeder Konzerttermin ist mit einem QR-Code versehen, der Infos aufs das Handy weiterleitet, seien es Änderungen bei der Verpflichtung des Maskentragens in der Halle oder eventuell im Programm. „Wir müssen eben flexibel bleiben“, sagt Grätzel. Das Publikum lasse sich von Corona jedenfalls nicht beirren, „der Zuspruch ist groß – wir haben nicht genug Karten für alle Nachfrage - es gibt schon Wartelisten“.

 DRP-Managerin Maria Grätzel.
DRP-Managerin Maria Grätzel. Foto: Pasquale D'Angiolillo/PDA

Wer keine Karten mehr bekommt oder doch lieber noch zuhause bleiben will, für den werden sieben Konzerte der Saison mitgefilmt (beginnend mit der Matinee am Sonntag), die Mitschnitte werden dann später auch in der Mediathek der ARD abrufbar sein. In SR2 KulturRadio werden die Konzerte meist live übertragen.

Dirigent Inkinen, der einen Sommer voller Proben in Bayreuth für den „Ring“ hinter sich hat, hat auch ein wenig Wagner mitgebracht. Im Mai wolle er Höhepunkte aus dem „Ring“ in Saarbrücken spielen, sagt er, zuvor auch im Silvesterkonzert im Festspielhaus Baden-Baden. Bei der Soiree mit Musik von Sergej Rachmaninow im April verspricht Inkinen gar „old school greatness“, Großartigkeit alter Schule. Und „ein Spielplan ohne Sibelius ist unmöglich“, sagt der Finne und wird einige weniger bekannte Werke des Landsmannes kredenzen.

Zugeschaltet beim Pressetermin war auch der estnische Komponist Jüri Reinvere – die DRP hat bei ihm ein Werk in Auftrag gegeben, das am 31. Oktober in der Congresshalle uraufgeführt wird: „Das innere Meer“, eine musikalische Reaktion auf Johanns Brahms` Sinfonie Nr.1, das auch im Konzert erklingen wird. „Diese Sinfonie von Brahms ist ein ganz besonderes Werk, sehr zerrissen“, sagt Reinvere – auf sein Werk darf man entsprechend gespannt sein.

Besuch von den französischen Nachbarn gibt es auch: Das „Orchestre National de Metz“ tritt am 10. Oktober in der Congresshalle auf, mit Musik von Brahms und Beethoven, die DRP stattet am 30. April einen Gegenbesuch im Metzer Arsenal ab.

Zugeschaltet beim Pressegespräch war auch der neue SR-Intendant Martin Grasmück – nach seiner Stimmung ob der neuen Spielzeit befragt, sagt er„es geht aufwärts“ - nach viel coronabedingtem Moll jetzt endlich wieder in Richtung Dur.

Programm der Spielzeit und Informationen unter:
www.drp-orchester.de