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Weltkulturerbe Völklinger Hütte: Halbleiter-Krise bremst Ausstellung aus

Weltkulturerbe-Großprojekt kommt zwei Monate später : Großausstellung in Völklinger Hütte wegen Chip-Problemen verschoben – warum der neue Starttermin eine Chance ist

Es dürfte das erste Mal sein, dass im Weltkulturerbe Völklinger Hütte ein Großprojekt nicht wie geplant eröffnen kann. Nun bremst die Halbleiter-Krise ausgerechnet die erste Ausstellung des neuen Generaldirektors Ralf Beil aus. Kein Debakel, meint der, sondern eine Chance.

Die Probleme, die weltweite Lieferengpässe auf Grund der Pandemie vielen Branchen bereiten, haben nun auch hier zu Lande die Kulturbranche erreicht – und treffen eines der wenigen Top-Events des Jahres 2021, das diesjährige Ausstellungs-Großprojekt des Weltkulturerbes Völklinger Hütte „The World of Musikvideo“. Der Grund: Es fehlen Mikroprozessoren und Halterungen für Projektoren. Auch das Weltkulturerbe ist alsot von der internationalen Halneiter-Kise betroffen.

Mit dieser Ausstellung, die das Genre Musikvideo unter filmkünstlerischen Aspekten vorstellen will, handelt es sich um das erste umfangreichere, eigenkuratierte Projekt des Generaldirektors Ralf Beil, der im Mai 2020 ins Amt kam und damit seine Visitenkarte abgibt. Nun verschiebt sich die Ausstellungseröffnung um zwei Monate, auf den 21. Januar. Es ist dies mutmaßlich das erste Mal seit über 20 Jahren, dass das Weltkulturerbe eine als touristisches Publikums-Magnet geplante Schau nicht zum festgesetzten Termin eröffnet.

Doch nichts ist so schlecht, dass es nicht doch noch zu etwas gut ist, zumindest laut Pressemitteilung, die die Verschiebung kund tat. Dort wird der neue Starttermin als besondere Chance dargestellt – für eine Kooperation mit dem Saarbrücker Max Ophüls Preis. Als „Gastbeitrag“ und „Festivalparty“ soll die Eröffnung von „The world of music“ nun am Tag vor der offiziellen Ophüls-Preisverleihung laufen. Ursprünglich war für das Beil-Projekt der 13. November als Starttermin vorgesehen gewesen. An diesem ursprünglichen Eröffnungstag wird es nun eine Club-Veranstaltung geben: „Rave to the rhythm“. DJ Cone The Weird und der Videojockey/Videokünstler Pascal Hector werden ab 20 Uhr auf Basis der Musikvideoauswahl der Ausstellung ein Gesamtkunstwerk kreieren, das Tanz miteinschließt. „Rave to the rhythm“ sei „ein ganz besonderer Club-Abend, der bereits auf die kommende Ausstellung verweist“, heißt es in der Pressemitteilung. Tickets können bereits auf der Weltkulturerbe-Homepage gebucht werden.

Die Saarbrücker Zeitung hat Ralf Beil, der auf Grund terminlicher Verpflichtungen telefonisch nicht erreichbar war, schriftlich um weitere Details zu dieser Entscheidung gebeten. Wir fragten: Seit wann ahnen Sie, dass Sie den Eröffnungstermin nicht werden halten können? Beil: „Wir wissen schon länger, dass wir die Ausstellung verschieben werden müssen, aber bis vor wenigen Tagen war schlicht nicht klar, für wie lange, da es überhaupt keine konkreten Lieferzusagen gab – trotz aller Bemühungen der Beteiligten.“ Die zweite Frage lautete: Die Verschiebung eines so großen Projektes ist immer die Ultima Ratio. Was gab wann letztlich den Ausschlag, diesen Schritt zu gehen? Beil dazu: „Den Ausschlag zur Verschiebung gab, dass trotz monatelang laufender Bestellung schlicht keine Projektoren und Projektorenhalterungen zum gewünschten Zeitpunkt verfügbar waren – und ohne diese notwendige Hardware können wir keine Musikvideo-Ausstellung eröffnen.“

Dritte Frage: Was macht Sie sicher, dass der 21. Januar haltbar sein wird als neuer Eröffnungstermin? Beil meint: „Ich informiere die Öffentlichkeit just in dem Moment, wo die Aussagen der Lieferanten so belastbar sind, dass wir nach bestem Wissen und Gewissen einen neuen Termin anvisieren können.“ Letzte Frage: Mit „Corona“ wird derzeit viel entschuldigt. Warum halten Sie es im Fall von „The World of Music“ für glaubhaft, dass man die Verschiebung nicht auf Projektmanagement-Fehler zurückführen wird? Beil: „Weil es genau so ist: Wir sind ja nicht die Einzigen, die unter den globalen Lieferengpässen zu leiden haben. Die Autoindustrie, die Bauindustrie und zahlreiche andere Industriezweige haben ebensolche Probleme. Die Dimensionen unseres Großprojektes und der Gebläsehalle machen uns leider anfällig. Wenn wir nur 3 und nicht 61 Projektoren benötigen würden, wäre die Welt für uns alle einfacher. Aber die Wartezeit wird sich lohnen: Da bin ich mir sicher! Wir feiern nicht nur am 13. November, sondern auch am 21. Januar – alle sind bereits jetzt herzlich eingeladen!“