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Gersheim: Michael Clivot sieht finanzielle Lage kritisch  ​

Finanzielle Lage in Gersheim kritisch : „Das ganze System stimmt nicht mehr, daran muss etwas geändert werden“

Die finanzieller Lage Gersheims ist kritisch, findet Bürgermeister Michael Clivot (SPD). Ändern müsse sich dahinter stehende System grundlegend. Was er damit meint und wie sich die Lage seiner Gemeinde entwickelt hat, hat Clivot im Gespräch mit unserer Zeitung verraten.

Bei der letzten Kommunalwahl haben die Wähler der zweitkleinsten Gemeinde des Saarlandes Michael Clivot (SPD) zum Bürgermeister gewählt. Dabei waren die ersten Amtsjahre geprägt von der Bewältigung der Corona-Pandemie: „Aber jetzt kehrt wieder Stück für Stück Normalität ein, es können wieder Feste und Versammlungen stattfinden, und ich kann auch wieder das Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern suchen“, zeigt sich der Gersheimer Verwaltungschef erleichtert.

Das waren die wichtigsten Projekte in Gersheim 2022

Als wichtige Projekte des vergangenen Jahres nennt Clivot die Gründung der Energiegesellschaft, die Planung der neuen Photovoltaik-Anlage in Walsheim und die positive Nachfragebündelung in Sachen Glasfaser. Dies sei ein wichtiger Baustein für die Infrastruktur der ohnehin in Sachen Wirtschaftskraft etwas benachteiligten Gemeinde. Weiterhin sei es mit vielen Helfern gelungen, den Bürgerbus Gersheim zu einem Erfolg werden zu lassen. Ebenso sei auch der neu gegründete Beirat für Senioren und Menschen mit Behinderung als Erfolg zu verbuchen. Stolz sei man zudem auf die abgeschlossenen Projekte, wie den Neubau Feuerwehrgerätehaus in Herbitzheim und Gersheim, darüber hinaus werde man Ende Januar das sanierte Dorfgemeinschaftshaus in Walsheim einweihen.

Die Gemeinde Gersheim muss in Medelsheim eine neue Schule bauen. Partner wird die Stadt Blieskastel sein, aber auch das Land muss bei der Finanzierung mithelfen.
Die Gemeinde Gersheim muss in Medelsheim eine neue Schule bauen. Partner wird die Stadt Blieskastel sein, aber auch das Land muss bei der Finanzierung mithelfen. Foto: Erich Schwarz​

Für das kommende Jahr steht ein Bildungsforum auf der Agenda, bei dem sich alle Kitas, Schulen, die Träger der Freiwilligen Ganztagseinrichtungen und sonstige an Bildung Beteiligte zusammenschließen sollen. Man will für die Zukunft im Bildungsbereich gut aufgestellt sein, deshalb müssten alle Partner in diesem Bereich an einen Tisch. Geplant ist weiterhin ein Neubau der Schule in Medelsheim, wobei hier auch die Stadt Blieskastel als weiterer Träger und ebenso das Land mit ins pädagogische Boot genommen werden müssten. Neu- und Anbaumaßnahmen seien auch für die Kitas der Gemeinde geplant: „Die Kitas sind alle voll, wir können hier einen deutlich erhöhten Bedarf feststellen“. Auch soll die Kooperation zwischen Schulen und Kitas verbessert werden. Im Bereich Interkommunale Zusammenarbeit liefen derzeit viele enge Gespräche. Man werde in Zukunft etwa beim Gebäudemanagement stärker zusammenarbeiten.

Gersheim soll ein Tourismuskonzept bekommen

Der Gersheimer Verwaltungschef will im kommenden Jahr ein Tourismuskonzept erstellen: „Die Region ist sehr interessant, aber es fehlt im touristischen Bereich noch vieles. Hier müssen wir das vorhandene Potenzial noch besser ausschöpfen“, sieht Clivot in diesem Bereich noch Luft nach oben. Auch in Sachen Digitalisierung will man voranschreiten, die Verwaltung soll darin besser werden und will weitere Dienste für die Bürger anbieten. Sehr gut klappe nach wie vor die Zusammenarbeit mit der CDU-Opposition im Gemeinderat. Die Oppositionspartei sei kritisch und hinterfrage vieles, aber insgesamt gehe man sehr respektvoll miteinander um. Äußerst angespannt bleibe weiterhin die finanzielle Lage der Gemeinde. Inzwischen sieht der sozialdemokratische Bürgermeister auch die teilweise Schuldenübernahme durch das Land etwas kritischer: „Die Lage hat sich für uns nur unwesentlich verbessert, weil das Problem nur halb gelöst wurde. Die Schwierigkeit besteht darin, dass wir nun keine Schulden mehr machen sollen“.

„Aber das ganze System stimmt nicht mehr, daran muss etwas geändert werden“

Man könne zwar auch für dieses Jahr einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen, aber die Lage verschlimmere sich dramatisch weiter: „Ich kritisiere auch nicht die Kreisumlage, die sich drastisch erhöht hat. Aber das ganze System stimmt nicht mehr, daran muss etwas geändert werden“, ist Clivot kritisch. Man spare überall und an allem, nur die Schulen, die Kitas und die Feuerwehren würden gut ausgestattet: „Aber wie lange wird das noch gehen?“, schätzt der Bürgermeister die Lage sehr skeptisch ein. Zudem machten auch der Gemeinde die extrem gestiegenen Kosten etwa im Energiebereich oder beim Sprit zu schaffen: „Wir können auch Steuern und Gebühren nicht endlos weiter erhöhen“, ist Clivot überzeugt.

Selbst als ausfinanziert geltende Projekte müssten erneut auf den Prüfstand. Es gelte, die Gleichheit der Lebensverhältnisse zu überprüfen: „Wir können uns jetzt schon vieles nicht mehr leisten, was sich andere leisten können“, übt Clivot Kritik. „Wenn wir hier nur sparen, und die Gebühren gehen hoch, warum soll ich hier noch wohnen?“ – das sei die Frage. Einen positiven Glanzpunkt im angefangenen Jahr soll die Feier zum 60. Jubiläum des Élysée-Vertrages setzen, was man zusammen mit der französischen Partnergemeinde Bazancourt angehen werde.

Auf seine persönliche Zukunft angesprochen, bleibt Clivot eher bescheiden. So wurde sein Name auch schon als Kandidat für die Nachfolge des Landrates Theophil Gallo genannt, der aus Altersgründen nicht mehr antreten wird. Clivot unterstreicht, dass er für zehn Jahre als Bürgermeister gewählt sei, das Amt fülle ihn aus, und er sei auch gern Bürgermeister: „Aber man soll niemals nie sagen, wer weiß, was die Zukunft noch bringt. Aber zunächst bin ich hier für zehn Jahre gewählt“.