Homburger Woche : 50 Herzen fürs Kraftwerk

Weihnachten steht vor der Tür, und damit auch das eine oder andere Geschenk. Erwachsene sagen ja immer, sie hätten schon alles und wollten sich nichts schenken. Außer natürlich einer Kreuzfahrt oder einer schönen Rundtour durch Südafrika oder Australien.

Das ist nun weggefallen und wird so bald nicht mehr kommen. Kreuzfahrt gilt als schädlich, Südafrika hat Omikron und Australien ist plötzlich gar nicht mehr so wirklich das Abiturientinnen-Traumziel mit putzigen Koalas, sondern hat sich als unangenehmer Corona-Polizeistaat entpuppt.

Unbedenklich wäre ein Urlaub auf dem Erbeskopp, aber wer schenkt sich sowas schon zu Weihnachten? Aber was wissen wir schon, wie es noch kommen wird? In dieser Woche beschloss Deutschland, keine Langzeit-Gasverträge mehr mit Russland abzuschließen, bald gehen drei Großkraftwerke vom Netz und Frankreich gab eine Notmeldung ab, dass es zwei erneuerungsbedürftige Kernkraftwerke vor dem Frühjahr nicht ans Netz kriegt und im Winter seinen Strom selbst braucht. Worauf sich der Strompreis am Spotmarkt augenblicklich verdoppelt hat. Langsam dämmert’s, dass es ein unschöner Winter werden könnte, sofern die Temperaturen bei uns länger unter den Gefrierpunkt sacken.

Wie wäre es da mit Strom-Geschenken? Zum Beispiel: „Wir schenken Mama 130 Kilowattstunden für ihren Föhn“, oder ein gemeinsames Geschenk: „Wir sammeln für eine Netzfrequenz von 50 Hertz für unser Kraftwerk“. Das hört sich doch gut an, fast wie ein beliebtes Gesundheitselixier. Das Kraftwerk kann 50 Hertz gut gebrauchen, unter 49 war’s das mit Weihnachten. Und auf dem Erbeskopp rutscht man abrupt vom Lift. Das nennt man dann Lastabwurf.