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Bliesgau bleibt weiterin Unesco-Biosphärenreservat

Von der Unesco weiter bestätigt : Schöner leben: Biosphäre bleibt erhalten

Für weitere zehn Jahre werden 36 000 Hektar in der Saarpfalz als Unesco-Biosphärenreservat anerkannt. Umweltminister Reinhold Jost und Landrat Theophil Gallo geben die Auszeichnung an die vielen Partner und Helfer weiter. Erst sie erfüllten die Landschaft mit Leben.

Die Freude war groß, obwohl natürlich alle Beteiligten damit gerechnet hatten: Die Unesco hat dem Bliesgau für weitere zehn Jahre den Status als Biosphärenreservat zuerkannt. Der Landrat des Saarpfalz-Kreises, Theophil Gallo, der auch Verbandsvorsitzender des Biosphärenzweckverbandes ist, wusste die frohe Kunde inoffiziell schon vorher, hat aber noch auf die Bestätigung gewartet.

Eigentlich  hätte diese Entscheidung viel früher erfolgen müssen,  zumal ein nationales Fachgremium   bereits im April 2020 signalisiert hatte, dass die nationale Empfehlung nun an das internationale Unesco-Komitee in Paris weitergeleitet würde und im Sommer 2020 mit einer positiven Antwort gerechnet werden könne. Dazu hatte es sogar schon eine positiv gestimmte Pressekonferenz gegeben. Nun ist es am Ende  Spätsommer 2021 geworden, vermutlich auch wegen Corona. Nachteile sind mit dieser Verzögerung nicht verbunden, wichtig ist allein die Anerkennung.

Denn von dieser  hängt viel ab, einerseits Fördergeld, aber auch Ansehen, denn ein Unesco-Biosphärenreservat ist ein Prestigeobjekt  für eine Region und auch ein wichtiger Bestandteil des Tourismus.

Landrat Gallo hat das Potenzial der Region früh erkannt, „deshalb habe ich schon gleich nach meinem Amtsantritt die Biosphäre zur Chefsache gemacht. Was sich um die Biosphäre drehte, landete zuerst bei mir“. Er habe das Amt „in einer schwierigen Situation übernommen“, sagt Gallo, „auch die Stimmung innerhalb der  Bevölkerung war alles andere als positiv.  In Kirkel hatten die Anwohner Befürchtungen, dass sie nicht mehr wie früher in den Wald gehen dürften, und die Gemeinde Mandelbachtal hatte sich schon überlegt, ganz aus dem Projekt auszutreten“.

Doch nun sind alle froh und stolz, und kein Mensch wünscht sich heute mehr eine biosphärenlose Zeit zurück. Dass die Zustimmung innerhalb des Saarpfalz-Kreises inzwischen  so groß ist, liegt vor allem  an den vielen Partnerbetrieben, die hochwertige Produkte herstellen, von Öl über Honig zu Biogemüse, Marmelade oder Saft.  Auch das Engagement der Gästeführer, Wanderführer, der ehrenamtlichen Helfer, der Gaststätten und Museen hat sehr viel zur Akzeptanz beigetragen.

Um die ganze Entwicklung zu verstehen, muss man sich die Bedingungen der Unesco für den Bliesgau ansehen, denn kein Biosphärenreservat gleicht dem anderen. Im Falle des Saarpfalz-Kreises ging es eben nicht um eine einsame, unberührte Landschaft, sondern um eine Modellregion für eine nachhaltige Entwicklung.

Auf  36 000 Hektar  in der Saarpfalz soll modellhaft  aufgezeigt werden, wie die Erhaltung der Artenvielfalt mit einer Kulturlandschaft in Einklang gebracht werden kann und  gleichzeitig eine positive wirtschaftliche und soziale Entwicklung herbeigeführt wird: also Natur und Mensch im Einklang. Beide machen, was sie zum Lebenserhalt brauchen, aber sie lassen sich gegenseitig in Ruhe. Der Mensch soll die Natur nutzen, aber nicht ausbeuten.

Da man diese Ziele nicht einfach verordnen kann, sondern von allen Bürgern mitgetragen werden müssen, wurden die  Bliesgau-Kommunen in einem Zweckverband zusammengeschlossen – was sich, laut Unesco-Prüfung „als innovative Führungsstruktur erfolgreich etabliert“ habe.

Wichtig für die Akzeptanz sei gewesen, „dass wir ganz viele Leute in das Projekt eingebunden haben, vor allem auch Hersteller, Vermarkter, Tourismus-Experten. So wurde die Befürchtung zerstreut, den Bürgern werde von oben herab ein Unesco-Projekt verordnet, mit dem sie nichts  zu tun haben. Jetzt wissen sie, dass sie die eigentlichen Akteure sind. Damit identifizieren sie sich“, hatte es Frank John einmal formuliert, der mit seiner Gemeinde Kirkel im Kernbereich der Biosphäre liegt.

Die Unesco begrüßte laut Ministerium auch das Konzept Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), das eine Reihe von Bildungsanbietern in der Region einbezieht. Außerdem würden in der Biosphäre nachhaltige Entwicklungsstrategien entwickelt und die Projekte in den Bereichen Tourismus, Naturschutz, Regionalvermarktung und Klimaschutz seien vorbildlich.

Sowas hört man natürlich gerne, „aber wir können uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, es muss weitergehen“, sagt Landrat Gallo. Die nächsten Pläne stehen schon fest: Ein Teil von Bexbach soll in die Biosphäre einbezogen werden, und auch ein Biosphärenhaus- oder Zentrum soll kommen.

Der Standort Blieskastel ist schon klar, „aber die Finanzierung ist ein ziemlicher Brocken“, so Gallo. Er rechnet mit einer Summe von sechs bis acht Millionen Euro. Das klingt auf den ersten Blick nach sehr viel Geld, aber wer einen Eindruck haben möchte, wie ein schickes Biosphärenhaus aussehen kann, kann sich mal das Biosphärenhaus in Fischbach bei Dahn ansehen, es gehört zur Biosphäre Pfälzerwald/Nordvogesen.

Für Umweltminister Reinhold Jost ist das Biosphärenreservat ein wichtiger Leuchtturm fürs Saarland, und er lobt vor allem die vielen Akteure, die die Landschaft mit Leben erfüllen: „Unsere vielen Partner und Helfer schaffen einen Mehrwert für diese Landschaft, der nicht mit Geld zu beziffern ist“. Und auch ein kleines Augenzwinkern in Richtung Lebensqualität macht der Minister: „Wir sind da alle schon sehr stolz drauf. Die Saarpfälzer leben in einer so schönen Gegend, auf die viele andere neidisch sind.“ Die Landschaft im Bliesgau sei vielfältig, es gebe Wald, Orchideen, Streuobst und „Naturschutz durch Landnutzung“. Der Ökolandbau helfe der Natur, sich zu regenerieren, „wir brauchen diese Nutzung, um das abwechslungsreiche Landschaftsbild so zu erhalten, wie es ist. Mit freien Flächen, Landwirtschaft, Blühwiesen und Streuobstwiesen. Das ist auch gut für Schmetterlinge.“

Und wer nun Lust bekommen hat, sich in der Biosphäre ein wenig umzuschauen, hat hier zwei Tipps für den September:

Am  Sonntag, 19. September, findet zwischen 10 und 12.15 Uhr eine Wanderung statt: Der Biosphärenwald in Zeiten von Klimawandel, Insektenbefall und sonstigen Schadereignissen. Wie muss sich der Biosphärenwald entwickeln, um sich diesen Herausforderungen zu stellen? Treffpunkt: oberer Parkplatz des Ausfluglokals Fischerhütte Kirrberg. Veranstalter: Michael Müller, zertifizierter Waldpädagoge.

 Die Jahreszeitenwanderungen mit Eseln sind besonders bei Kindern beliebt. In jeder Saison wird ein anderer Schwerpunkt behandelt. Besonders gemütlich und romantisch ist immer die Adventswanderung.
Die Jahreszeitenwanderungen mit Eseln sind besonders bei Kindern beliebt. In jeder Saison wird ein anderer Schwerpunkt behandelt. Besonders gemütlich und romantisch ist immer die Adventswanderung. Foto: Wolfgang Henn/WolfgangHenn
 Im  Biosphärenreservat ist eines der größten Vorkommen wilder Orchideenarten in Deutschland. Auch Schmetterlinge fühlen sich hier wohl.
Im  Biosphärenreservat ist eines der größten Vorkommen wilder Orchideenarten in Deutschland. Auch Schmetterlinge fühlen sich hier wohl. Foto: BeckerBredel/BeckerBredel;GMLR
 Lore Stolz verarbeitet eigene Früchte, Obst von Streuobstwiesen und viele Wildfrüchte zu Marmeladen und Brotaufstrichen.
Lore Stolz verarbeitet eigene Früchte, Obst von Streuobstwiesen und viele Wildfrüchte zu Marmeladen und Brotaufstrichen. Foto: Peter Gaschott
 Blühwiese Biosphäre
Blühwiese Biosphäre Foto: Christine Maack

Am Samstag, 25. September, findet von 9.30 bis 17 Uhr eine Vorführung zur  Kunst der Destillation – altes Handwerk der Duftgewinnung statt. Es geht darum, wie die Aromen in die Flasche gelangen. Die bekannteste Methode um ätherische Öle zu gewinnen ist die Wasserdampfdestillation.