1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. Homburg

Corona-Phänomen: Stadt Homburg äußert sich zu Masken-Müll

Tierschützer warnen vor Vermüllung : SZ-Leser klagen über Masken-Müll auf Homburgs Straßen: Doch wie groß ist das Problem wirklich?

Achtlos weggeworfene Masken sind ein großes Ärgernis im Straßenbild von Homburg. SZ-Leser haben ihrer Wut bei uns Luft gemacht: Sie haben den Eindruck, dass es immer mehr Masken werden. Wir haben die Stadt Homburg mit diesem Corona-Phänomen konfrontiert: Handelt es sich dabei um eine ernsthafte Umweltsünde oder eine Lappalie?

Müll, der herumliegt, ist unerträglich. Das sagen unsere Leser häufig, wenn sie uns anrufen oder einen Leserbrief schreiben. Zum üblichen Müll, der auf den Straßen herumliegt, wie achtlos hingeworfene Kippen oder leere Getränkedosen, kommen seit über einem Jahr auch noch Masken hinzu. Mal hellblau, mal weiß, mal gefaltet, mal dreieckig.

In jeder Ecke sieht man sie: auf Parkplätzen, im Rinnstein, vor den Geschäften. Die meisten Menschen werfen sie nicht mutwillig weg, sondern verlieren sie. Zum Beispiel bei der Suche nach einem Taschentuch, dem Parkticket oder Kleingeld. Man kramt in der Manteltasche herum – und schwupps, schon segelt die Maske heraus. Da sie keinen Lärm macht und auch in der Minute nicht vermisst wird, ist sie weg.

Meist fällt der Verlust erst auf, wenn man ein Geschäft betreten will und minutenlang überall herumkramt, weil die Maske weg ist. „Wir haben dann immer ein frisches Exemplar bereit“, sagt Rainer Jung von Jung’s Bio in der Homburger Altstadt, „wir kennen das schon“.

Nun stellt sich natürlich die Frage: Liegen wirklich so viele Masken herum, oder fallen sie nur überproportional auf? Oder ist es so, wie es Illingens Bürgermeister Armin König kürzlich formulierte: „Jetzt liegen schon die Wälder voll mit dem ganzen Maskenmüll.“

Nachfragen bei der Stadt Homburg ergaben, dass es sich bei den weggeworfenen Masken wohl eher um eine hässliche Erscheinung als um eine Umweltkatastrophe handele. „Die Thematik hat bei uns im Haus im Prinzip zwei Ansprechpartner, zum einen das Ordnungsamt, zum anderen den Baubetriebshof, wo die Kollegen arbeiten, die sich letztlich um die Sauberkeit in der Stadt kümmern“, erklärt der Homburger Pressesprecher Jürgen Kruthoff, „sowohl unser Ordnungsamt als auch die Leitung des Baubetriebshofs sehen in der Stadt kein erhöhtes Müllaufkommen durch herumliegende oder -fliegende Gesichtsmasken.“

Es gebe zwar vereinzelt Masken, die durch ihre helle Farbe auch recht auffällig seien und daher leicht wahrgenommen werden könnten, „doch sehen wir hier kein neues Problem in Bezug auf die Sauberkeit im Stadtbild. Wir haben eher den Eindruck, dass die Homburger ihre nicht mehr benötigten Masken korrekt entsorgen“, heißt es weiter in der Mitteilung aus dem Rathaus, und: „Unser Trupp, der in Bezug auf die „Saubere Stadt“ im Einsatz ist, findet immer wieder einmal OP- oder FFP-Masken, aber nicht in nennenswerten Mengen.“

Eine gesonderte Erfassung oder auch ein gesonderter Umgang mit den Corona-Masken erfolge nicht. Rein subjektiv, so Jürgen Kruthoff, könne der Eindruck entstehen, dass der Maskenmüll zunehme, weil viele Menschen auch situationsbedingt „ein Auge dafür haben“, aber aus objektiver Sicht betrachtet, könne die Stadt Homburg in dieser Angelegenheit „im Prinzip Entwarnung geben“.

Sebastian Haßler, der vor einigen Wochen die Cleanup-Gruppe „Pro-Biosphäre – Aufräumen im Bliesgau“ gründete, sammelte innerhalb von zwei Tagen rund um die Spiel- und Sporthalle in Kleinblittersdorf immerhin 25 Masken ein. Das ist schon nicht ganz wenig. Und er warnt: Corona-Müll gefährde zunehmend auch die Tiere in der Biosphäre.

Deutsche Wildtier-Stiftung: Corona-Masken können für Tiere zur Todesfalle werden

Das sagt auch die Deutsche Wildtier-Stiftung: So kämen Vogelküken in Gummibändern von FFP-2-Masken zu Tode, weil die Vogeleltern den Abfall als Nistmaterial nutzten. Kleine Vögel wie Rotkehlchen und Spatzen könnten sich in den Haltegummis der Wegwerfmasken verfangen, Igel verhedderten sich ebenfalls darin. Möwen und Schwäne, aber auch Füchse und Wildschweine, futterten unbeabsichtigt Reste von Masken. Abgesehen davon, dass Tierärzte schon öfter in den Verdauungsorganen von Hunden und Katzen Plastikreste von Covid-19-Schutzmaterial und Maskenteile gefunden haben, so die Stiftung weiter. Was nicht verwundert, zumal auch schon Storchenjunge in der Bliesaue starben, weil sie von den Eltern unbeabsichtigt mit Plastikmüll gefüttert wurden.

 Ganz schlimm für Meerestiere sind Masken aus nicht biologisch abbaubaren Stoffen. Und es dürften inzwischen Millionen von Masken sein, die in den Ozeanen herumschwimmen. 
Ganz schlimm für Meerestiere sind Masken aus nicht biologisch abbaubaren Stoffen. Und es dürften inzwischen Millionen von Masken sein, die in den Ozeanen herumschwimmen.  Foto: dpa/Ralph Pace

Es sei deshalb für die Umwelt nicht gut, auf Plastikmaterial bei Masken zu setzen, findet beispielsweise Leonie Moritz, die das Homburger Saarpfalz-Gymnasium besucht. Sie plädierte in unserer Zeitung dafür, wiederverwendbare Stoffmasken mit schönem Design zu tragen, die man selber herstellen könne. Nach ihrer Meinung gehören sie inzwischen schon zum alltäglichen Modeaccessoire. Einwegmasken solle man vermeiden, um nicht noch mehr Müll anzuhäufen, findet sie.

In Saarbrücken sind Zigarettenstummel ein größeres Problem

Übrigens gab es, ebenso wie in Homburg, auch in der Landeshauptstadt Entwarnung: „Bei der Stadtreinigung ist uns Maskenmüll noch nicht so negativ aufgefallen“, berichtete auch Judith Pirrot, Sprecherin des Kommunalen Entsorgungsbetriebes (ZKE) in Saarbrücken. Ein viel größeres Problem seien weggeschnippte Zigarettenkippen. Auch in den Bussen und Bahnen der Saarbahn GmbH und an Haltestellen hielten sich illegal entsorgte Schutzmasken in Grenzen: „Nach Angaben der Reinigungsfirma ist das noch kein großes Problem,“ so die Pressesprecherin Ulrike Reimann.

Wer etwas gegen den Müll tun will, wird hier fündig:

cleanup.saarland/