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Deswegen ist Homburg ist der "letzte" Wahlkreis 299: ein Rückblick

Homburg/St Ingbert/Neunkirchen : Wie Homburg zum „letzten“ Wahlkreis wurde

299 Wahlkreise gibt es bundesweit, das war aber nicht immer so. Ein Neuzuschnitt sorgte für mehr als neue Nummern – und das hatte auch Auswirkungen auf Homburg.

Eigentlich ist der Name Wahlkreis Homburg irreführend, denn hier wählen ja nicht ausschließlich Homburger, sondern noch sehr viele Menschen mehr, die in anderen Kommunen wohnen. Der Wahlkreis umfasst nämlich den gesamten Saarpfalz-Kreis mit all seinen Kommunen: Neben Homburg sind das Bexbach, Blieskastel, Gersheim, Kirkel, Mandelbachtal und auch St. Ingbert. Dazu kommen außerdem noch Friedrichsthal, Sulzbach, Quierschied des Regionalverbandes Saarbrücken, die Stadt Neunkirchen und die Gemeinde Spiesen-Elversberg des Landkreises Neunkirchen. Irgendwie also eine recht wilde Mischung.

Und er ist auf eine numerische Art und Weise Schlusslicht, denn schaut man sich die Gesamtanzahl aller Wahlkreise in Deutschland an, dann gibt es 299 – und eben diese Nummer trägt der hiesige Kreis. Überhaupt bilden die vier saarländischen Wahlkreise (296 Saarbrücken, 297 Saarlouis, 298 St. Wendel) den Abschluss der Liste.

Die Nummer 299 trug der Wahlkreis bereits bei den Bundestagswahlen in den Jahren 2005, 2009, 2013 und 2017, aber erhalten hat er diese erst im Jahr 2002. Zuvor war der Wahlkreis Homburg mit der Nummer 248 gelistet – auch da umfasste er bereits ein größeres Gebiet.

Für die Wahl 2002 waren allerdings die Wahlkreise im Saarland von fünf auf vier reduziert worden. Der neue Wahlkreis 299 hatte damals Zuwachs bekommen: Der bis dahin noch existierende Wahlkreis 245 Saarbrücken II kam hinzu. Damit wurde der neu zugeschnittene Wahlkreis 299 zum „letzten“, denn für die Bundestagswahl 2002 wurden die Wahlkreise bundesweit von 328 auf 299 verringert.

Das Gebiet des neuen Wahlkreises 299 umfasste da rund 210 000 Wahlberechtigte. 2002 traten übrigens als die aussichtsreichsten Wahlkreiskandidaten Astrid Klug (SPD) und Albrecht Feibel (CDU) gegeneinander an, Klug setzte sich durch.

Der Bundeswahlleiter gibt zum Wahlkreis 299 einige Strukturdaten an: Er umfasst eine Fläche von 550 Quadratkilometern. 240 000 Personen leben hier, 214 400 sind Deutsche (Stand: 31. Dezember 2019).

Um die 182 790 der deutschen Bevölkerung sind 18 Jahre und älter – damit wahlberechtigt, so der Stand zum 31. Dezember 2020, der sich aus den Zahlen ergibt, die wiederum das statistische Landesamtes zur Bundestagswahl vorgelegt hat.

2017 gab es im Wahlkreis 192 410 Wahlberechtigte, nicht jeder, aber doch viele machten ihr Kreuzchen: Die Wahlbeteiligung lag bei 75,9 Prozent. 198 117 Bürger waren 2013 zur Wahl aufgerufen, die Beteiligung sank auf 72 Prozent. Bei beiden Wahlen siegte die CDU im Wahlkreis 299 mit 31 Prozent beziehungsweise 36,6 Prozent (2013) vor der SPD (2017: 27,7 Prozent; 2013: 31,9 Prozent. Die weiteren Ergebnisse im Wahlkreis: 2017: Linke (12,4), Grüne (5,6) FDP (7,7), AfD (11,7). 2013: Linke (10,2), Grüne (5,1), FDP (3,8), AfD (5,6).

Wie immer gibt es junge Menschen, für die diese Bundestagswahl am 26. September das erste Mal ist. Es gibt im Wahlkreis 299 etwa 3656 Erstwähler, die 18- bis 20-Jährigen machen durchschnittlich um die zwei Prozent aller Wahlberechtigten in den Kommunen aus. In manchen sind es etwas mehr, zum Beispiel in Homburg, hier liegt man bei 2,3 Prozent, in anderen weniger wie in Quierschied, wo lediglich 1,7 Prozent der wahlberechtigten Bürger zwischen 18 und 20 Jahren alt sind.

Unter 30 Jahre alt sind im Wahlkreis rund 24 130 Wahlberechtigte, das bedeutet durchschnittlich etwa 13,2 Prozent aller, die wählen dürfen. Eine große Einzelgruppe machen die über 70-Jährigen aus mit 23 Prozent im Durchschnitt in den Kreis-Kommunen, rechnerisch sind das um die 42 000 Wahlberechtigte in dieser Altersgruppe.

Zehn Direktkandidaten treten diesmal im Wahlkreis 299 zur Bundestagswahl an, so die Auskunft der Bundeswahlleitung. Die aussichtsreichsten dürften hier, wie seit Jahrzehnten, die von CDU und SPD sein. Seit 1957 haben die Sozialdemokraten das Direktmandat am häufigsten gewonnen, zwölfmal waren sie erfolgreich, fünfmal ging es an CDU-Kandidaten.

Die meisten Namen der erfolgreichen Sozialdemokraten dürften den Älteren noch ein Begriff sein: Kurt Conrad (siegte 1957), Werner Wilhelm (1969, 1972, 1976). Lothar Fischer dominierte über Jahre, sechsmal hintereinander war er der Wahlkreissieger zwischen 1980 und 1998. Damit gehörte er 22 Jahre lang dem Deutschen Bundestag an, eben für den damaligen Wahlkreis 248 – von 1980 bis 2002, zunächst in Bonn und dann in Berlin. Ihm folgte Astrid Klug, die zweimal hintereinander gewann (2002 und 2005), sich dann aber 2009 dem CDU-Mann Alex Funk geschlagen geben musste, der 2013 abermals erfolgreich war. Funk legte sein Mandat kurz vor der Bundestagswahl 2017 nieder, verzichtete auf eine erneute Kandidatur, weil er seine Zukunft im saarländischen Landtag sah – er ist hier heute CDU-Fraktionschef. Die CDU hatte auch bei den Wahlen 1961 und 1965 schon einmal den Wahlkreissieger gestellt: Johann Klein war das in diesen Perioden. Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren hatte sich CDU-Mann Markus Uhl den Wahlkreis gesichert. Er tritt diesmal erneut an, wieder ist sein Kontrahent der SPD’ler Esra Limbacher. 2017 war es ein langer Wahlabend geworden, geprägt von zähem Warten. Bis kurz vor 20 Uhr stand gerade einmal das Ergebnis von drei Gemeinden im Wahlkreis Homburg fest, und es blieb lange knapp, zunächst führte Uhl mit hauchdünnem Vorsprung, dann lag sein Kontrahent Limbacher vorn. Und es sollte bis weit nach 21 Uhr dauern, bis sich Uhl mit 33,6 Prozent durchsetzte. Limbacher holte am Ende 31,4 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis.

 Viel Geduld war am Wahlabend vor vier Jahren gefragt. Lange stand nicht fest, wer den Wahlkreis 299 als Direktkandidat gewinnen wird. Am Ende setzte sich Markus Uhl (CDU, links sitzend) gegen SPD-Kandidat Esra Limbacher (rechts sitzend) durch.
Viel Geduld war am Wahlabend vor vier Jahren gefragt. Lange stand nicht fest, wer den Wahlkreis 299 als Direktkandidat gewinnen wird. Am Ende setzte sich Markus Uhl (CDU, links sitzend) gegen SPD-Kandidat Esra Limbacher (rechts sitzend) durch. Foto: Thorsten Wolf

Beide kandidieren übrigens bei dieser Wahl auch auf den Landeslisten ihrer Partei; Uhl auf Platz vier, Limbacher auf Platz fünf. Daneben gibt es im Wahlkreis 299 weitere Direktkandidaten anderer Parteien. Das sind Florain Spaniol (Linke), Christian Wirth (AfD), Ralf Armbrüster (FDP), Evelyne Görlinger (Die Partei), Axel Kammerer (Freie Wähler), Ute Weisang (Die Basis), Claus Jacob (ÖDP) und Marie-Luise Herber (Grüne). Fünf Parteien (NPD, Piraten, Tierschutzpartei, Team Todenhöfer und Volt), die an mit zugelassenen Landeslisten an der Wahl teilnehmen, haben keine Wahlkreisbewerber aufgestellt, eine Partei (MLPD) hat dies nur für den Wahlkreis Saarbrücken getan.