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Die Kerb in Einöd wird nun doch gefeiert

Brauchtum in Homburg : Die Kerb in Einöd wird nun doch gefeiert

Auch wenn der Ortsrat Einöd die Kerb im Stadtteil bereits offiziell abgesagt hatte, bleiben die Straußbuwe und -mäde dabei, dass in diesem Jahr auf dem Dorfplatz kräftig gefeiert wird.

Auf die Frage „Wemm is die Kerb?“ kann die Antwort nur lauten: „Unser!“ Doch in Einöd gibt es da aktuell unterschiedliche Definitionen dieses „Unser“. So hat der Ortsrat des Homburger Stadtteils in unserer Samstagsausgabe mitgeteilt, dass er die Kerb in diesem Jahr absagt – aufgrund der Corona-Pandemie, wie Ortsvorsteher Karl Schuberth (SPD) schriftlich mitteilte (wir berichteten). Nun waren die Einöder Straußbuwe und Straußmäde von dieser Mitteilung einigermaßen überrascht. Für sie ist klar: die Kerb findet natürlich statt. Und das auch ohne Beteiligung des Ortsrates.

Wir treffen vier aus der Straußgesellschaft am Mittwochnachmittag auf dem Dorfplatz in Einöd. Da machen Kerbeparrer Felix Eis-Pick, Laura Peters, Maximilian und David Volk mehr als deutlich, dass sie keinen Konflikt mit dem Ortsrat wollen. Ebenso deutlich machen sie aber auch, dass die Veranstaltung der Kerb die Sache der Straußbuwen und Straußmäde ist und nicht des Ortsrates. Die Absage aus dem Rat habe zu einiger Verwunderung geführt, erzählt Felix Eis-Pick, „weil das mit uns weniger kommuniziert wurde. Wir waren auch frustriert, weil wir 15 junge Leute uns über das Jahr hinweg Gedanken gemacht haben, wie wir die Kerb umsetzen können. Wir hatten viel Arbeit – und dann ist das Ganze in der Kommunikation leider gescheitert“.

In der Sitzung des Ortsrates selbst sei man nicht dabei gewesen, ergänzt Laura Peters, habe die Ratsmitglieder aber über ein entsprechend gestaltetes Handout über die Pläne informiert. „Man sollte sehen, dass wir uns wirklich Gedanken gemacht haben und nicht einfach was ins Blaue machen.“ Man habe sich auch mit dem Ordnungsamt der Stadt Homburg in Verbindung gesetzt. Und deswegen sei auch die Hoffnung da gewesen, so Peters, dass der Einöder Ortsrat unterstützend aktiv werde.

Die öffentliche Absage der Kerb durch den Rat habe im Ort für viel Unsicherheit gesorgt, schildert Peters die aktuelle Situation. „Wir haben von unheimlich vielen Stellen Nachfragen bekommen.“ Die Leute hätten wissen wollen, was überhaupt los ist. Auch deswegen wolle man nur Klarheit schaffen und die Botschaft verkünden: die Kerb findet statt. Dass der Ortsrat sich aus der Veranstaltung zurückziehe, dass sei schon vorher bekannt gewesen, so Eis-Pick und Peters. Damit sei klar gewesen, dass das samstägliche Feuerwerk, gestiftet vom Rat, nicht stattfinden würde. Dass es nun aber zu einer formalen Absage gekommen ist, sei überraschend.

Dass man entgegen dieser Entscheidung nun doch die Kerb stattfinden lassen will, verstehen die Straußbuwe und Straußmäde nicht als Schritt gegen den Ortsrat. Auch sei man sich klar darüber, dass sich das „Nein“ des Rates nicht gegen die Straußgesellschaft richte, „das ist uns bewusst. Da hat keiner einen bösen Willen, das ist einfach in der Kommunikation schief gelaufen. Wir wollen niemand in die Pfanne hauen“. Ganz im Gegenteil, man verstehe sich als aktiver Teil des Dorflebens. Eis-Pick: „Wir machen das ja unter anderem für einen guten Zweck. Wir sind junge Leute, die das Ganze organisieren und die die Einnahmen eigentlich Eins zu Eins weitergeben an Institutionen wie die Feuerwehr und viele Vereine.“

Was Felix Volk klar macht: Würde die Kerb nach 2020 nun ein zweites Mal ausfallen, würden wohl so einige Straußbuwe und Straußmäde die Lust verlieren. „Und da der Nachwuchs eh sehr rar ist, sind wir froh über jeden, der noch dabei ist.“ Und für Laura Peters ist klar, dass die Kerb im Ort richtig verankert ist. Und dieser Anker soll nach der Zwangspause im vergangenen Jahr nun wieder fest greifen. Und das mit einem ausgewachsenen Kerwe-Programm: Am Freitag, 17. September, soll es ab 18 Uhr auf dem Kerbeplatz, dem Dorfplatz am alten Rathaus, im offenen Festzelt mit Live-Musik losgehen, dann sind Die Konsorten am Start. Am Samstag, 18. September, gibt es einen traditionellen Fassbieranstich samt Spanferkel-Rollbraten, Einlass auf dem Kerwe-Platz ist um 17 Uhr. Für Live-Musik sorgen dann bei der Abendveranstaltung Die Hüttenrocker. Am Sonntag, 19. September, lockt um 15 Uhr die Kerweredd auf den Dorfplatz, danach gibt’s um 17 Uhr das Kerwespiel zwischen der Spielvereinigung Einöd-Ingweiler und dem SV Blickweiler. Und zum Abschluss servieren die Straußbuwe und Straußmäde am Dienstag, 21. September, ab 15 Uhr auf dem Kerweplatz „Kuchen und Musik“.

Für alle Veranstaltungen auf dem Dorfplatz gilt die 3-G-Regel. Das bedeutet, dass nur Geimpfte, Genesene und Getestete Einlass erhalten. All das macht deutlich: Die „Enedder Kerb“ 2021 findet statt – das ist die klare Botschaft der Straußbuwe und Straußmäde um Kerbeparrer Felix Eis-Pick.

Einöds Ortsvorsteher Karl Schuberth bleibt unterdessen bei der Entscheidung des Ortsrats. „Der Ortsrat ist laut Kommunalem Selbstverwaltungsgesetz zuständig für die Planung von Volksfesten und Brauchtumsveranstaltungen. Also hat der Ortsrat entschieden: Wir sagen das ab, weil uns das zu gefährlich ist.“ Allerdings: „Wenn nun irgendwelche anderen Gruppierungen – ob das Straußbuwe sind oder sonstige – sagen, dass sie was in Eigenregie machen, dann ist das unbenommen. Dann müssen die das beantragen und müssen die Durchführung nach Hygienerichtlinien gewährleisten. Da hat niemand was dagegen. Was wir abgesagt haben, das ist die Kerb. Also kein Kerweplatz mit Ständen, kein Feuerwerk.“ Schuberths Botschaft ebenso deutlich wie die der Straußgesellschaft: „Wir als Ortsrat haben die Kerb abgesagt. Und das halte ich nach wie vor für richtig.“

 Trotz Absage durch den Ortsrat halten die Straußbuwe und Straußmäde an der Kerb fest, das machen Felix Eis-Pick, Laura Peters sowie Maximilian und David Volk (von links) im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich.
Trotz Absage durch den Ortsrat halten die Straußbuwe und Straußmäde an der Kerb fest, das machen Felix Eis-Pick, Laura Peters sowie Maximilian und David Volk (von links) im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. Foto: Thorsten Wolf

Das Fazit also: Die Kerb findet 2021 unter der alleinigen Regie der Einöder Straußbuwe und Straußmäde als Privatveranstaltung statt, der Ortsrat wird sich in diesem Jahr nicht beteiligen.