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DSD-Gelände in Homburg : Was jetzt auf dem riesigen Areal passieren soll

Das sind die Pläne der Investoren : Was nun auf dem DSD-Gelände in Homburg passieren soll

1999 wurde das DSD-Gelände in Homburg stillgelegt. Jetzt will eine Investorengruppe der riesigen Fläche einen neuen Nutzen geben. Wir haben uns vor Ort umgesehen – und stellen die spannenden Zukunftspläne vor.

Ja, man kann das DSD-Gelände in Homburg riesig nennen. Weil es mit 180 000 Quadratmeter eine enorme Fläche umfasst. Weil die alten Hallen riesige Dimensionen haben. Und: Weil die 1999 aufgegebene Industrieanlage eine riesige Chance für Homburg ist, in der Innenstadt neuen Wohnraum zu schaffen. Genau diese Chance wollen Ferrostaal als Eigentümer und der Immobilienspezialist Munitor aus Saarbrücken gemeinsam nutzen: Bis zum 31. August lagen in der Homburger Stadtverwaltung die Pläne aus, die zeigen, wie das Gelände in der Zukunft in ein neues Stadtquartier verwandeln werden soll. Wohnen und Arbeiten sollen in einem Mischgebiet möglich sein (wir berichteten mehrfach). Um beim Begriff „riesig“ zu bleiben – so muss man wohl auch die Herausforderungen bewerten, die mit diesem Projekt verbunden sind. Denn bevor etwas Neues entstehen kann, muss das Alte weichen. Und dieses Alte hat Dimensionen, die man sich von außen kaum vorstellen kann.

Am vergangenen Donnerstag sind wir mit Patrick Müller, Geschäftsführer der Munitor-Gruppe, auf dem Gelände unterwegs. „Wir stehen hier auf einem offen gelassenen, alten Industriegelände, das seit vielen Jahren eine neue Nutzung sucht.“ Eben die habe man der Stadt Homburg schon vor einiger Zeit präsentiert. Nun, so Müller, hoffe man darauf, dass das Projekt auch angegangen werden könne. Konkret sollen auf den rund 18 Hektar verschiedenste Nutzungen realisiert werden, Wohnen und Gewerbe im Einklang. Dabei müsse man, wie Müller erläutert, sehr „verkehrsaktive Zonen“ berücksichtigen. Hier reagiere man mit Gewerbeflächen. „Und wir werden ruhigere Zonen haben, in die wir natürlich Wohnbebauung hinbringen wollen.“

Gerade das Thema Verkehr wird eine nicht unerhebliche Rolle für die Entwicklung des DSD-Geländes spielen, Stichwort: der Neubau der B 423 vom Forum aus in die Mastau. Dieses Projekt betrifft das Konversionsareal direkt (wir berichteten). Bedeutet das „Wohnen an der Bundesstraße“? Das werde es nicht direkt sein, verdeutlicht Müller. „Wir halten davon Abstand. Und es gibt natürlich entsprechende Maßnahmen, die ergriffen werden.“ Aber: Aus Sicht der Investoren sei es ein „kleines Problem“, dass gegenwärtig das Planfeststellungsverfahren für den Straßenneubau noch nicht abgeschlossen sei. „Wir hängen da quasi ein bisschen im luftleeren Raum. Wäre das Verfahren abgeschlossen, wäre das für uns einfacher. Aber wir haben die Flächen, die eventuell für den Straßenneubau erforderlich sein könnten, berücksichtigt.“ Einen Zeitdruck entstehe durch das Verfahren zum Bau der Bundesstraße für Ferrostaal/Munitor nicht. Wann es hier zu einem Ergebnis komme, das sei „egal. Wir haben alles drumherum geplant. Und wenn die Straße so kommt, dann kommt sie so. Und wenn nicht, dann nicht“.

So entspannt, wie Müller die Entscheidungsfindung in Sachen Bundesstraße betrachtet, so entspannt betrachtet er auch die vorbereitenden Arbeiten auf dem DSD-Gelände selbst. „Man muss natürlich die Gebäude zurückbauen. Und man muss natürlich schauen, ob es Altlasten gibt. Und die müssen entsorgt werden.“ Hier habe man sehr umfangreiche Bodenbeprobungen durchgeführt. „Wir haben an einigen Hotspots auch was gefunden. Das wird entsprechend sach- und fachgerecht entsorgt.“ Natürlich, das räumt Müller ein, sei man bei solchen Projekten nie vor Überraschungen sicher. „Man kann nicht alles umgraben und schauen, wo etwas ist.“ Es sei aber nichts Ungewöhnliches, mit solchen Überraschungen umzugehen. „Das ist Business as usual“, also normales Geschäft, versichert Müller.

Doch nicht nur, was vielleicht noch unerkannt im Boden schlummert, könnte zu einer Herausforderung werden: Schon der Abriss der riesigen Hallen an sich mutet wie eine Mammutaufgabe an. Tausende Tonnen von Beton, Stein und Stahl müssen verschwinden, bevor auch nur eine neue Wand hochgezogen werden kann. Und bei einem Rundgang durch eben diese Hallen wird deutlich, dass das nicht billig werden wird. Von Millionensummen zu sprechen, dürfte hier nicht untertrieben sein. Doch all das scheint das Investoren-Duo nicht zu schrecken. Und bei der Stadt sieht man das Engagement von Ferrostaal/Munitor natürlich und folgerichtig positiv. „Das ist ein zentrales Gelände in der Innenstadt, das ist beste Lage. Und dass wir Wohnungen in Homburg brauchen, das steht außer Frage“, beschreibt Linda Barth von der Pressestelle der Stadt die Erwartungshaltung.

Noch kann man sich das angedachte neue Quartier kaum vorstellen, so wuchtig und massiv wirkt das, was DSD in Homburg hinterlassen hat. Die mehr als zwei Jahrzehnte Leerstand haben an der eigentlichen Bausubstanz kaum genagt. Die Mauern und Hallenböden wirken wie für die Ewigkeit geschaffen. Maschinen selbst findet man kaum noch. Und auch, was an Kupferkabeln mal da war, haben Diebe schon längst entwendet. Trotz Wachdienst und Video-Überwachung. Aber die Kran-Konstruktionen an den Hallendächern, aus massivem Stahl, und die aufwendigen Dachkonstruktionen selbst vermitteln noch einen guten Eindruck aus der Zeit vor 1999. Und auch so manches Büro und so manch kleine Werkstatt bieten noch ganz persönliche Eindrücke aus der aktiven Zeit des DSD-Geländes.

Das Verfahren der ersten Offenlage ist seit Ende August beendet. Es habe wohl Einwände gegen die Planungen gegeben, so Linda Barth. Diese würden nun geprüft. Wie geht es weiter? Nächstes Ziel ist es, das Bebauungsplanverfahren für das DSD-Gelände weiter voranzutreiben. Angestoßen wurde dieser Prozess im Frühjahr des vergangenen Jahres mit dem sogenannten Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan „Westlich des Forums“ durch den Homburger Stadtrat. Am Ende, nach weiteren Verfahrensschritten, ist dann wieder der Stadtrat gefragt. Der muss dann mit einem Satzungsbeschluss Baurecht auf dem Gelände schaffen. Patrick Müller ist optimistisch: „Und dann kann es losgehen.“