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Impfaktion in Homburg bis kommenden Samstag auf dem Ilmenauer Platz

Sonderaktion in Homburg : Impfen in der Homburger Innenstadt

Noch bis kommenden Samstag hat jeder Interessierte die Möglichkeit, sich kostenlos auf dem Ilmenauer Platz impfen zu lassen.

Es waren mehr als deutliche Worte, die der Landrat des Saarpfalz-Kreises, Theophil Gallo (SPD), da am Montag in Sachen Impfen fand: „Es kann sich nicht jeder seine eigene Realität bilden und auf irgendeinen ‚Experten‘ hören.“ Auch an der Ziel-Adresse dieser Aussage ließ Gallo keinen Zweifel aufkommen, in seinem Visier: Impfgegner und Corona-Leugner. Der Ort für die eindeutige Stellungnahme war gut gewählt, galt es doch für Gallo und Homburgs Verwaltungschef Michael Forster (CDU) am Montagmorgen, das mobile Impfangebot des Impfzentrums Neunkirchen auf dem Ilmenauer-Platz in der Homburger Altstadt vorzustellen. Dort besteht noch bis einschließlich Samstag die Möglichkeit, sich ohne Voranmeldung gegen Corona impfen zu lassen.

Impfen sei nach wie vor das Gebot der Stunde, sagte Gallo. „Jeder Geimpfte gibt ein Stück mehr Sicherheit für die anderen.“ Auch Michael Forster warb für das Impfen als entscheidendem Schritt hin zu einer Normalisierung des gesellschaftlichen Lebens. Deswegen sei er natürlich froh, dass es nun für eine Woche ein solches mobiles Angebot in Homburg gebe. Und wie auch Gallo gab Forster seiner Überzeugung Ausdruck, dass „jeder, der die Nadel im Arm hat, zur Gesundheit aller beiträgt. Es trägt dazu bei, dass die Menschen mehr Freiheiten finden. Und im Umkehrschluss habe ich kein Problem damit, dass die Leute, die sich nicht impfen lassen, an manchen Sachen einfach nicht teilhaben dürfen. Denn wir sind so weit, dass wir jedem ein Impfangebot machen können. Jeder hat die Chance. Und wer das nicht nutzt und nicht zu allgemeinen Gesunderhaltung beiträgt, der muss halt auf manches verzichten“. So sei er, wie Forster verdeutlichte, „stringent“ dafür, dass manche Dinge nur für Geimpfte und Genesene möglich seien. Mit Blick auf das nun für eine Woche vorhandene mobile Impfangebot in der Homburger City formulierte Forster unisono mit Gallo quasi ein Leitbild: „Wenn die Leute nicht zur Nadel kommen, dann muss die Nadel zu den Leuten.“

Dass dies aus Sicht von Forster und Gallo von entscheidender Bedeutung ist, dies verdeutlichte der Landrat mit Blick auf die aktuelle Corona-Entwicklung und hier vor allem auf die Situation im Gesundheitswesen. So sei das Personal in den Krankenhäusern und bei den Kreisgesundheitsämtern in den Hochphasen der Pandemie über Gebühr belastet gewesen. „Das hat einen enormen Leistungsdruck erzeugt.“ Man sei aber in den einzelnen Einrichtungen nie so personalisiert, „dass man alle größeren Arbeitsanfälle auffangen kann“. Das habe bedeutet, dass die Menschen dort über Monate hinweg über ihrem Limit gearbeitet hätten, so Gallo. „Jetzt geht es in die vierte Welle hinein, wir haben jetzt eine Inzidenz von 96. Wir kommen jetzt also wieder in eine Situation, in der die Belastung in den Krankenhäusern wieder zunimmt – obwohl schon viele Menschen geimpft sind.“

Gegenwärtig seien es vor allem Jüngere und Nichtgeimpfte, die mit schweren Verläufen in die Krankenhäuser müssten. „Wir kriegen hier keine Ruhe.“ Für die Menschen, die hier die Versorgungsleistung erbrächten, sei dieser Zustand unzumutbar. So sei es für ihn ein Teil Rücksichtslosigkeit, wenn man sich nicht impfen lasse, „weil ich Querdenker bin oder Corona-Leugner und eine andere Meinung habe“. Freiheiten, so Gallo, seien wichtig, es gehe aber auch um gegenseitige Rücksichtnahme.

Nun besteht also für all diejenigen, die sich noch nicht haben impfen lassen, die Möglichkeit, dies ganz unkompliziert und ohne Anmeldung auf dem Homburger Ilmenauer-Platz zu tun. Verantwortlich vor Ort ist Walter Höcky vom Impfzentrum Neunkirchen. Von dort aus ist man mit insgesamt drei mobilen Angeboten in der Region unterwegs. „Wir schwirren vom Impfzentrum aus ein bisschen ins Land, zu den Leuten. Bislang kamen die Leute ja zu uns nach Neunkirchen. Jetzt versuchen wir in den Gemeinden vor Ort, die Menschen zum Impfen zu motivieren.“

Sehr realistisch schätzte Höcky die Resonanz auf das nun für eine Woche in Homburg gestartete Angebot. „Das dauert ein bisschen, bis sich das rumspricht, sei es durch die Presse oder durch Mund-zu-Mund-Propaganda.“ So rechne er in Homburg, auf Basis von Erfahrungen aus anderen Einsätzen, mit einer Durchschnittszahl von 20 bis 25 Impflingen pro Tag. „Das ist so unsere Erwartungshaltung.“ Das diese Zahl eher gering wirke, räumte Höcky ein. Dies liege aber auch daran, dass man mit den gegenwärtig gewählten Öffnungszeiten zwischen 9 und 14 Uhr Berufstätige eher nicht erreiche. „Da wird natürlich überlegt, ob wie unsere Impfzeiten ein bisschen nach hinten ausweiten, damit auch Berufstätige sich impfen lassen können.“

Konflikte mit Impfgegner habe er, wie Höcky schilderte, selbst noch nicht erlebt. Allerdings seien ihm von anderen Impfteams Vorfälle bekannt, bei denen es vor Ort durchaus zu massiven Wortwechseln gekommen sei.

 Homburgs Bürgermeister Michael Forster (rechts) und Landrat Theophil Gallo (links daneben) mit dem Team des mobilen Impfzentrums.
Homburgs Bürgermeister Michael Forster (rechts) und Landrat Theophil Gallo (links daneben) mit dem Team des mobilen Impfzentrums. Foto: Thorsten Wolf

Davon war man am Montag zum Start des mobilen Impfangebotes in der Homburger Innenstadt zum Glück weit entfernt. Und tatsächlich nutzten schon bis elf Uhr eine Handvoll Bürger die Möglichkeit, sich mit Impfstoffen von Biontech/Pfizer oder Johnson&Johnson gegen das neuartige Corona-Virus schützen zu lassen. Für den, für den nach einer Erstimpfung mit Biotech dann nach drei Wochen die nächste Spritze fällig sei, stehe entweder das Impzentrum in Neunkirchen oder der Hausarzt zu Verfügung. „Oder man kann den Impfbus aufsuchen.“ Für die Impfung im mobilen Impfzentrum, so Walter Höcky, benötige man lediglich den Personalausweis, die Krankenversicherungskarte und, wenn vorhanden, ein Impfbuch. Das Impfzertifikat erhalte man nach einer kurzen Wartezeit direkt vor Ort.