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Pfaff-Näherei in Homburg schließt nach 80 Jahren – Besitzerin wehmütig

„Ich wollte noch ein paar Jahre weiter machen“ : Wieso das Pfaff-Nähgeschäft in Homburg nach 80 Jahren endgültig schließt

Eine Nähmaschine von Pfaff – das war schon vor 100 Jahren der Traum vieler Hobby-Näherinnen. Nun geht die Ära des Traditionsgeschäftes, das über Jahrzehnte immer wieder übernommen wurde, endgültig zu Ende.

„Das ist natürlich längst vorbei“, sagt Heidi Diehl, „wer zu mir kommt, der betreibt das Nähen als Hobby, nicht als Notwendigkeit.“ Sie selbst näht, seit sie ein junges Mädchen ist, „das war immer mein Ding. An der Nähmaschine tolle Sachen machen“. Eigentlich hat sie eine kaufmännische Ausbildung durchlaufen, doch irgendwie lockte sie schon immer die Handarbeit: „Ich hatte 2006 gerade meinen Job verloren und war auf der Suche nach einer neuen Aufgabe“. Und so siegte endlich ihr Hobby, denn sie marschierte schnurstracks in das damalige Homburger Pfaff-Nähgeschäft.

Schon nach kurzer Zeit war klar: Heidi Diehl hatte Ahnung von der Sache und Spaß an Stoffen und Nähmaschinen. Als die Besitzerin krank wurde, die das Geschäft bereits von einer Vorgängerin übernommen hatte, machte Heidi Diehl Nägel mit Köpfen und wurde am 1. Juli 2009 Besitzerin der Homburger Stoffgalerie mitsamt der Pfaff-Vertretung und hatte damit ihr Hobby nun gänzlich zum Beruf gemacht. „Und am 31. Januar 2022 melde ich das Geschäft ab“, sagt sie. Ein bisschen traurig ist sie schon, „aber ich bin jetzt 47 Jahre im Beruf, ich denke, das reicht“.

Ihr Mann, der in einem Homburger Industriebetrieb gearbeitet hat, ist kürzlich in den Ruhestand gegangen, „ich wollte noch ein paar Jahre weiter machen“, sagt Heidi Diehl, „aber dann kam Corona dazwischen und damit verbunden seit dem Frühjahr 2020 die enormen Lieferschwierigkeiten bei den Pfaff-Nähmaschinen“.

Auf ihre geliebten Pfaff-Maschinen lässt die Pfälzerin aus Waldmohr nichts kommen. Und nun wird das Traditionsgeschäft mit der letzten – seit etwa 40 Jahren bestehenden Pfaff-Vertretung in Homburg –, am 31. Januar schließen. Es liegen noch einige Stoffballen im Geschäft, Knöpfe, Kurzwaren, Garn, die nun mit Rabatt verkauft werden. „Ich habe immer auf gute Qualität geachtet“, betont Heidi Diehl, „bei mir kam kein müffelnder Billigstoff über die Schwelle.“ Und so lesen sich ihre Produkte auch wie ein Relikt aus der guten alten Bundesrepublik: Prym-Reißverschlüsse, Gold-Zack-Band, Gütermann-Garn, Hilco-Stoffe aus Baden-Württemberg.

Ihre Kundinnen wussten das zu schätzen, die meisten waren langjährige Stammkundinnen, sie hatten schon ihre erste Nähmaschine bei ihrer Vorgängerin gekauft. „Alle Kundinnen bekamen eine Einweisung, sie konnten auch die Maschine vorbeibringen, wenn etwas nicht klappte“. Sie selbst lässt auf den Pfälzer Hersteller Pfaff nichts kommen, „ich habe selbst eine ganze Sammlung zu Hause, auch noch die gute alte Pfaff 260 von meiner Oma. Und das neueste Modell, das habe ich mir auch noch geleistet“. Wenn sie schwärmt, „wie die Nadel durch den doppelten Stofftransport durchgeht wie Butter“, dann merkt man, wie man an guten Nähmaschinen hängen kann.

Im kommenden Jahr wird Pfaff 160 Jahre alt, „aber da sind wir leider nicht mehr da“, bedauert Heidi Diehl. Sie wird weiter nähen, „privat für die beiden Enkelkinder“, und für sich als Hobby vielleicht noch ein paar Teddybären.

Wie beurteilt sie die Zukunft des Nähens? „Da gibt es viel Nachfrage, ich würde sagen, dass das Interesse sogar zunimmt. Oft kommen junge Frauen in der Elternzeit, die für die Kinder etwas Nettes nähen wollen. Oder Frauen, die im Laden nichts finden und das Nähen dann selbst in die Hand nehmen. Also, der Markt für Stoffe und Zubehör ist da.“ Was hat ihr am meisten Spaß gemacht? „Die Kindernähkurse. Die Kinder zwischen sieben und zehn hatten so viel Spaß an den bunten Stoffen und Taschen, die sie bei mir im Laden nähen durften, das war eine wahre Freude.“ Manche seien später als Kundinnen gekommen und nähen heute selbst.

Dagmar Pfeiffer, die Wirtschaftsförderin der Stadt Homburg, bedauert die Geschäftsauflösung, „damit gehen viele Jahre Pfaff-Vertretung in Homburg zu Ende. Aber bei Inhaber geführten Geschäften ist das nun mal so, auch Geschäftsleute wollen mal ihren Ruhestand genießen und nicht immer im Laden stehen“. Dass es nun einen langen Leerstand geben wird, hofft sie nicht: „Die Lage ist gut und bringt an der Stelle auch Laufkundschaft ein“.

Dagmar Pfeiffer und ihre Kollegen in der Saarpfalz haben sich schon „ganz lange“ mit der Entwicklung von Innenstädten befasst – was auch kürzlich belohnt wurde (wir berichteten). Es ging um das Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“, in dem festgestellt wurde, dass viele Städte und Gemeinden von tiefgreifenden Veränderungen in ihren Innenstädten und Ortskernen betroffen seien.

 Die gute alte Pfaff, eines der historischen Modelle aus der Fabrik in Kaiserslautern. Damals kam noch jedes Teil aus der Pfalz.
Die gute alte Pfaff, eines der historischen Modelle aus der Fabrik in Kaiserslautern. Damals kam noch jedes Teil aus der Pfalz. Foto: Christine Maack
 Der Kindernähkurs hat Heidi Diehl sehr viel Spaß gemacht.
Der Kindernähkurs hat Heidi Diehl sehr viel Spaß gemacht. Foto: Christine Maack

Die Frage war, wie der „anhaltende Strukturwandel im Einzelhandel“ bewältigt werden könne. Nach Homburg fließen aus diesem Bundesprogramm 605 000 Euro, St. Ingbert bekommt über 234 000 Euro aus dem Fördertopf. Die beiden Saarpfalz-Kommunen werden also mit insgesamt 839 000 Euro bedacht. Der Bund will den Städten mit diesen Zuwendungen dabei helfen, gegen das Sterben der Ortskerne und Innenstädte anzugehen. Ziel sei, „lebendige und attraktive Ortskerne und Stadtzentren zu entwickeln oder zu erhalten“. Das künftige Rentnerehepaar Diehl darf also gespannt sein, was aus ihrem ehemaligen Geschäft und dem städtischen Umfeld künftig wird.