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Schausteller und Veranstalter in Homburg und Umgebung leiden Not

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona bremst Veranstalter im Saarpfalz-Kreis : Das Weihnachtsdorf steht in den Sternen

Die Corona-Beschränkungen haben Event-Managern und Schaustellern komplett ins Kontor gehauen. Es gab so gut wie keine Veranstaltungen. Auch im Herbst und Winter wird es wohl nicht besser.

Im Frühjahr, als Corona gerade auf dem Höhepunkt angelangt war, hoffte man natürlich auf den Herbst. Denn, so die oft gehörte Meinung, spätestens nach dem Sommer würde das Schlimmste überstanden sein, das Virus sei dann bestimmt im Griff - und wohl dem, der seinen Jahresurlaub schon von vorneherein in den Herbst verlegt hatte.

Nun sieht alles ganz anders aus, der Sommerurlaub hat dem Virus vielmehr einen ordentlichen Schub verliehen, und wer gehofft hatte, spätestens im Oktober wieder sein normales Leben aufnehmen zu können, sieht sich getäuscht. Wir werden also einen Herbst ohne Weinfeste, ohne bunte Märkte und ohne Bockbierfeste erleben. Und vermutlich eine Vorweihnachtszeit mit wenig Buden und ohne Eisfläche.

 Patrik Sartorio (links), Betreiber der Schwarzwald-Theke, versucht trotz der schwierigen Zeiten, das Lachen nicht zu verlieren.
Patrik Sartorio (links), Betreiber der Schwarzwald-Theke, versucht trotz der schwierigen Zeiten, das Lachen nicht zu verlieren. Foto: Stefan Bohlander

Die Gastronomie musste die Saison immerhin nicht gänzlich abschreiben, die Veranstalter von Festen und Events schon. „Dieses Jahr ist für unsere Branche eine komplette Katastrophe“, sagt Thorsten Bruch, dem die Firma Tob-Events gehört, mit der er sich in der Region und darüber hinaus als Event-Veranstalter einen Namen gemacht hat. „Bei uns sind 94 Prozent des Jahresumsatzes weggebrochen. Und es sieht nicht so aus, als würde sich das ändern.“ Die Emmes in Saarlouis konnte er abschreiben, die Lange Nacht der Wissenschaft auf dem Campus in Homburg, das Seefest am Ohmbach Weiher, die Homburger Wies’n und das Bockbieranstich-Fest der Karlsberg-Brauerei.

Und nun überlegt er, wie überhaupt noch etwas vom Weihnachtsdorf im Dezember zu retten ist. „Für die Eisfläche habe ich zwar mal den Termin geblockt, aber ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich diese Attraktion anbieten kann. Was nützt eine Eisfläche, wenn nur fünf Leute gleichzeitig drauf dürfen? Das kann ich mir bei den Energiekosten dann gleich sparen.“

Zum Glück habe er nur zwei fest angestellte Mitarbeiter, die in Kurzarbeit geschickt wurden, „es gibt ja nichts zu tun“, aber Leid täte es ihm um die vielen Studenten und nebenberuflichen Jobber, die regelmäßig beim Aufbau, beim Servieren, an der Garderobe oder „Backstage“ mitgeholfen haben. „Die haben jetzt keine Einkünfte mehr“. Schlimm sei, dass derzeit kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen sei. „Wir haben in der Event-Branche überhaupt keine Planungssicherheit.“

Auch für Marc Schultz aus Homburg sieht es schlecht aus. Der selbstständige Schausteller betreibt mehrere Fahrgeschäfte und hatte sich Anfang des Jahres schon auf die neue Fest- und Kirmes-Saison vorbereitet, dann kam Corona. Zwar durfte der Homburger seinen Crêpes-Stand sowohl auf dem Christian-Weber-Platz als auch in Saarbrücken (vor der Europa-Galerie) aufstellen, doch das kompensiere natürlich nicht das, was er voraussichtlich auf diversen Stadtfesten und Kirmessen eingenommen hätte. Es sei jedenfalls eine tolle Geste von Seiten der Verwaltungen, dass er wenigstens seinen  Stand habe aufstellen dürfen: „Sie haben ein Herz für Schausteller“, lobt er.

Doch was man nie so auf dem Schirm habe, sei die Tatsache, dass Schausteller zum großen Teil mit schweren Maschinen unterwegs seien und natürlich auch laufende Kosten hätten, so Marc Schultz. Er selbst ist Schausteller in der vierten Generation und betreibt neben dem Crêpes-Stand noch den „Jumper“, ein kreisrundes Spaßgerät, das sich dreht und kleine Sprungbewegungen macht.

Sein Fuhrpark umfasst 17 Fahrzeuge, die zum Teil auch noch angemeldet sein müssen. Zwar konnte er die Soforthilfe beantragen und bekam sie auch, doch die sei innerhalb eines Monats aufgebraucht gewesen. „Wir leben in der Hoffnung“, erklärt er seinen derzeitigen emotionalen Zustand. Man wolle „die Leute glücklich machen und unterhalten“, aber wann es weitergehe, wisse  derzeit niemand.

Mit seinen Geschäften ist Schultz in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz unterwegs, im Saarland sowieso. „Das Leben muss weitergehen und das Kind braucht neue Kleidung“, sagt er nur halb im Scherz. Ernster fügt er, der seinen Beruf seit 18 Jahren ausübt, hinzu: „Wir kämpfen uns da jetzt durch.“ Denn als Schausteller hafte man ja mit Haus und Hof, weswegen er Kredite und Versicherungen gestoppt und gestundet habe. Und er zeigt sich zuversichtlich, dass man den Anschluss an die Besucher nicht komplett verliere: „Die Menschen sind hungrig nach Normalität und wollen wieder schlendern.“

Ähnlich sieht es bei Patrik Sartorio aus. Der Schausteller in vierter Generation ist Betreiber der „Schwarzwald-Theke“, die derzeit regelmäßig hinter dem ehemaligen Stadtbad in der Gustav-Clauss-Anlage in St. Ingbert steht. Die hat er vor 25 Jahren gemeinsam mit seinem Vater gebaut, und nach anfänglichen Schwierigkeiten habe sie sich nun im dritten Jahr etabliert, zum Glück, wie er sagt. Denn so könne er zumindest noch eine Kleinigkeit verdienen. Corona erwischte ihn zum Start der neuen Saison. Die letzten Einnahmen hatte er an Ostern in St. Wendel. Mit seiner fahrbaren „Schwarzwald-Theke“ hatte er sich bereits auf die Kirmesse in Saarbrücken, Saarlouis, Merzig, Neunkirchen und eben St. Wendel gefreut. Das fehlt ihm jetzt natürlich. „Das kann ich im Park nicht auffangen“, wie er erzählt. Dort steht er täglich von etwa 14 bis gegen 21 Uhr, wenn das Wetter mitspielt.

Im Grunde genauso schaut es bei der Eventmanagerin Sabine Koch von der der St. Ingberter Plan-Events aus. Gerade erst sei das Oktoberfest abgesagt worden - und damit eines der Aushängeschilder des St. Ingberter Unternehmens. „Das ist besonders schmerzhaft, da es ein Herzensprojekt von uns ist“, wie sie sagt. Das Oktoberfest wurde nun zum gleichen Datum mit den gleichen Bands auf kommendes Jahr verschoben. Lange hatte sie noch Hoffnung, dass sie es über die Bühne bekommen könnte, doch nun wurde bis Ende Oktober im Grunde auch alles weitere aus ihrem Ausftragsbuch gestrichen

Ihre Firma betreibt auch die Industriekathedrale Alte Schmelz, in der die aktuellen Vorgaben mit bis zu 450 Personen bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen umsetzbar seien. Wirtschaftlich und planerisch sicher könne man in der derzeitigen Situation mit Hygienekonzepten und Abstandsregeln trotzdem nicht rechnen.

Vor allem von der Bundespolitik fühlten sich die Veranstalter alleingelassen, betont die Unternehmerin. Man gehörte zu den ersten, die dichtmachen mussten und werde vermutlich zu den Letzten gehören, die wiedereröffnen dürfen.

 Volles Haus, die Besucher dicht gedrängt, wie hier beim Bockbierfest im vergangenen Jahr, eine solche Veranstaltung ist in diesem Herbst zu Corona-Zeiten nicht machbar.
Volles Haus, die Besucher dicht gedrängt, wie hier beim Bockbierfest im vergangenen Jahr, eine solche Veranstaltung ist in diesem Herbst zu Corona-Zeiten nicht machbar. Foto: Thorsten Wolf

Denn man dürfe nicht vergessen, dass ein riesiger Wirtschaftszweig dahinterstehe, mit Plakatverteilern, Technikern, Caterern und so vielen weiteren mehr. Doch etwas ernüchtert stellt Koch fest: „Wir haben einfach keine Lobby wie zum Beispiel die Autobranche.“