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So würde ein Corona-Lockdown auf Einzelhändler im Saarpfalz-Kreis wirken

Einzelhandel im Saarpfalz-Kreis : Saar-Händler: „Einen weiteren Lockdown darf es auf keinen Fall geben“

Die Corona-Zahlen steigen, die vierte Welle hat in Deutschland begonnen. Droht ein weiterer Lockdown, und was würde er für den Einzelhandel im Saarpfalz-Kreis bedeuten?

In Deutschland hat die vierte Corona-Welle begonnen, so die Bewertung des Robert Koch-Instituts. Die Corona-Fallzahlen jedenfalls steigen. Den größten Anteil an den Neuinfektionen hat bundesweit die sogenannte Delta-Variante des Coronavirus. Droht erneut ein Lockdown?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schließt wegen der wachsenden Zahl Geimpfter bislang einen Lockdown aus. Doch was wäre, wenn er notwendig würde? Würden Einzelhändler im Saarpfalz-Kreis den Lockdown überstehen?

„Einen weiteren Lockdown darf es auf keinen Fall geben“, sagt Thomas Schlicker, Angestellter im Kleidungsgeschäft „Galileo Outdoor“ in Homburg. „Finanziell unmöglich wäre ein Lockdown für uns zwar nicht, aber wir müssen erst einmal wieder auf eine solide finanzielle Basis kommen.“

Während des ersten Lockdowns im März 2020 war das Geschäft mit fünf Mitarbeitern gezwungen zu schließen. Der zweite Lockdown von Mitte Dezember 2020 an, in dem ab Januar ein Öffnen mit Termin-Shopping möglich war, konnte die Einbußen nur wenig lindern. „Um Kosten zu sparen, haben wir seit Mai 2020 montags geschlossen“, erklärt Schlicker. In letzter Zeit seien Outdoor-Artikel wieder stärker gefragt gewesen.

Das Homburger Reformhaus Escher war vom vorangegangenen Herunterfahren der Wirtschaft nur insoweit betroffen, als es weniger Kunden besuchten. „Wir hatten durchgehend geöffnet und sind allein vom Einkaufsverhalten der Menschen abhängig“, erklärt eine Mitarbeiterin.

 Monika Lehmann (links im Bild) und Heike Ehlers, Mitarbeiterinnen im Eine-Welt-Laden in der Homburger Altstadt.
Monika Lehmann (links im Bild) und Heike Ehlers, Mitarbeiterinnen im Eine-Welt-Laden in der Homburger Altstadt. Foto: Markus Renz

Beim Kleidungsgeschäft NKD in Homburg stellt sich die Situation anders dar. „Ein weiter Lockdown? Das geht gar nicht“, sagt Filialleiterin Hülya Tosun. „Ein Lockdown belastet nicht nur finanziell, er wirkt sich auch auf die Psyche aus.“

Sechs Wochen hätten sie während des ersten Lockdown im März 2020 geschlossen gehabt. Viele Kunden seien nach der Wiedereröffnung verunsichert gewesen. „Wir hatten Glück, dass wir viele Stammkunden haben“, sagt Tosun. Die Filialleiterin hofft, dass die Politik alles daran setzt, einen erneuten Lockdown zu verhindern.

„Ein weiterer Lockdown wäre eine Katastrophe – sowohl für die Lieferanten als auch die Kunden“, sagt Monika Lehmann vom Eine-Welt-Laden Homburg. Während des ersten Lockdowns im März 2020 hatte der Laden drei Monate lang geschlossen. Im zweiten Lockdown kurz vor Weihnachten 2020 war der Eine-Welt-Laden zunächst zu, „ab Februar hatten wir geöffnet und verkauften ausschließlich Lebensmittel“, erklärt Lehmann.

Die Zahl der ehrenamtlich Tätigen in dem Laden schrumpfte während der Pandemie von 30 auf 24. „Gäbe es einen weiteren Lockdown, wäre der Fortbestand des Ladens bedroht“, sagt Lehmann gegenüber unserer Zeitung. Trotz der Stammkundschaft, die dem Laden auch in der außergewöhnlichen Zeit die Treue hielt.

Stefan Linke, Inhaber und Geschäftsführer des Textileinrichters Rase, sagt, dass im Fall eines Lockdowns die Umsätze in den Filialen wegbrechen würden, zudem könnten währenddessen keine neuen Kunden angeworben werden. Kirsten Reiser, die in der Filiale in Homburg angestellt ist, bestätigt das: „Wir vertreiben Handwerk. Auch wenn die Filiale zu ist, können wir Kunden zur Montage von zum Beispiel Gardinen oder Sonnenschutz weiter besuchen.“

 Für Jörg Müller vom Homburger Schuhgeschäft wäre ein weiterer Lockdown kaum mehr zu verkraften. Es wäre für ihn „eine Katastrophe“.
Für Jörg Müller vom Homburger Schuhgeschäft wäre ein weiterer Lockdown kaum mehr zu verkraften. Es wäre für ihn „eine Katastrophe“. Foto: Markus Renz

Eine Angestellte des Homburger Klier Friseurs ist vor allem genervt von den Lockdown-Phasen. „Finanziell könnten wir einen weiteren Lockdown verkraften“, sagt sie. Eine Mitarbeiterin des Homburger Kleidungsgeschäfts „R & S Topmode“ sieht mit einem weiteren Lockdown hingegen große monetäre Einbußen auf das Geschäft zukommen. „Maximal einen Monat Lockdown könnten wir uns noch leisten. Sonst ist Ende.“

Auch für Jörg Müller, Inhaber des Schuhgeschäfts Müller in Homburg, würde ein weiterer Lockdown eine finanzielle Katastrophe bedeuten, wie er sagt. „Auf die Äußerungen von Jens Spahn gebe ich nichts. Schon nach dem ersten Lockdown hieß es, es gäbe keinen weiteren“, sagt Müller. Zeitnah habe er von den staatlichen Krisen-Hilfen profitieren können. „Wer es durch die Krise schafft, wird sich aber erst zeigen, wenn die Kredite kommendes Jahr beglichen werden müssen.“

Bruno De Simone ist Buchhändler bei „Klein Buch + Papier“ in St. Ingbert, eine Prognose für den Fall eines weiteren Lockdown will er nicht geben: „Alles spekulativ. Fakt ist, wir haben Lockdown-Erfahrung und hatten während dieser Zeit Umsatzeinbußen.“ Und das, obwohl viele Kunden den im Januar eingerichteten Abholservice für Buchbestellungen genutzt hätten. „Ich bin optimistisch, dass es keinen Lockdown mehr geben wird“, sagt De Simone.

Etwas so Schweres wie die Corona-Zeit hat Anne Kuhn-Diao in den 25 Jahren seit Eröffnung des Ladens nie erlebt. Die Geschäftsführerin des Mode- und Wohnaccessoire-Ladens „Kuhn-Ambiente“ in St. Ingbert musste das Geschäft während des ersten Lockdowns schließen, während des zweiten konnten Kunden im Laden Waren abholen. „Das Angebot wurde aber kaum genutzt.“ Seit Jahren würde die Laufkundschaft weniger, während der Lockdown-Phasen habe sie gefehlt. „Falls uns ein weiterer Lockdown bevorsteht, könnte es das Aus bedeuten.“

 Anne Kuhn-Diao von Kuhn-Ambiente in St. Ingbert (nicht im Bild): „Einkaufen im Laden ist anders als Online-Shopping. Man sieht die Objekte wirklich.“
Anne Kuhn-Diao von Kuhn-Ambiente in St. Ingbert (nicht im Bild): „Einkaufen im Laden ist anders als Online-Shopping. Man sieht die Objekte wirklich.“ Foto: Markus Renz

Auf die Zusicherung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, es werde keinen erneuten Lockdown geben, sofern nicht neue Virus-Mutationen auch Geimpfte bedrohten, gibt Kuhn-Diao wenig: „Corona ist höhere Gewalt, die Situation kann sich jederzeit ändern.“ Die Geschäftsführerin hofft vielmehr auf das Einfühlungsvermögen von Kunden. „Ich denke, die Menschen müssen sich überlegen, ob sie auch künftig in der Innenstadt einkaufen möchten. Anders als beim Online-Einkauf sieht man die Waren vor Ort – man sieht sie wirklich.“

Petra Mandalka ist Fotografin bei „Hofra-Fotografie“ in St. Ingbert, das Abbilden von Wirklichkeit ist ihr Metier. Während des ersten Lockdowns hatte das Fotogeschäft geschlossen, im zweiten hätten sie nach einer Weile die Erlaubnis erhalten, auf Termin Passbilder von Kunden anzufertigen. Staatliche Hilfsgelder kamen erst im April dieses Jahres. „Wir sind froh um die finanzielle Hilfe, die Umsatzausfälle insgesamt können sie aber nicht ausgleichen“, sagt Mandalka.

Bei einem weiteren Lockdown würde es für das Fotogeschäft eng werden, befürchtet die Fotografin. „Ich habe die Sorge, dass viele Kunden sich umorientieren. Ich beobachte jetzt schon ein anderes Einkaufsverhalten. Es wird eher gezielt eingekauft als gebummelt.“ Noch immer werde in dem Fotogeschäft während eingeschränkter Öffnungszeiten gearbeitet, an zwei Nachmittagen sei es geschlossen. „Gibt es einen neuen Lockdown, dann wird es richtig eng.“