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Stadt Homburg: Ärger um Online-Terminvergabe-Portal - dieser Trick hilft

Eigenwilliges Terminvergabe-Portal : Ärger bei der Online-Terminvergabe der Stadt Homburg – dieser Trick hilft

Wer im Internetportal der Stadt Homburg pflichtbewusst die Häkchen bei Terminwünschen setzt, kriegt niemals einen Termin bei der Stadt. Der verflixte Ok-Button bleibt ausgegraut. Ein Kniff hilft.

Sie sei zwar schon etwas älter, das Internet sei ihr aber keineswegs fremd. Renate Polack ist 69 und im Internet auf ein scheinbar unüberwindbares Hindernis gestoßen. Eigentlich wollte die Seniorin nur ihren Personalausweis bei der Stadt Homburg verlängern lassen, um so auch am 26. September wählen zu können. Der kürzeste Weg führt übers Telefon, dachte sich Polack.

Von der Stadt erhält sie zunächst die Auskunft, dass momentan keine Termine vergeben würden. Aufgeben ist für die Seniorin keine Option. Ihr Ausweis läuft schließlich am 14. September ab, möchte sie am 26. September wählen, ist höchste Eile geboten.

 Das Portal, das nicht will: Termine vergibt das Online-Portal der Stadt Homburg nach dem "Alles oder nix"-Prinzip.
Das Portal, das nicht will: Termine vergibt das Online-Portal der Stadt Homburg nach dem "Alles oder nix"-Prinzip. Foto: Markus Renz

Polack informiert sich und erfährt von der Stadt, dass die Terminvergabe ins Internet verlagert wurde. Ein neues Portal zur Terminvergabe wurde angelegt: termine-reservieren.de/termine/homburg. Erstellt hat es für die Stadt wohl die Firma Kommunix, zumindest führt die Webadresse „termine-reservieren.de“ zu dem Anbieter. Kommunix beschreibt sich auf der eigenen Webseite als „ein mittelständisches, familiengeführtes Unternehmen, das seit 1991 erfolgreiche Softwarelösungen für den kommunalen Verwaltungsbereich entwickelt“.

Die Lösung, die für die Terminvergabe der Stadt Homburg entwickelt wurde, hätte eher die Bezeichnung Hürde verdient. Als Polack das Portal aufruft, macht sie die geforderten Eingaben: Funktionseinheit? Klar, Bürgeramt. Aus den vier aufgelisteten Angelegenheiten wählt die 69-Jährige „Ausweise und Pässe“. Grund: Beantragung Personalausweis, „+1“ einstellen als Termin für eine Person.

Und jetzt wird’s schwer. Eine lange Liste mit erforderlichen Dokumenten ploppt auf. „Um zum nächsten Schritt der Terminvereinbarung zu kommen, müssen die folgenden Unterlagen und Dokumente vorhanden sein und bestätigt werden“ steht da frivol.

 Wählerisch darf man im Online-Portal nicht sein, sonst bleibt der Ok-Button grau. Einer SZ-Leserin, die wählen gehen will und nur ihren Personalausweis verlängern wollte, wurde das zum Verhängnis.
Wählerisch darf man im Online-Portal nicht sein, sonst bleibt der Ok-Button grau. Einer SZ-Leserin, die wählen gehen will und nur ihren Personalausweis verlängern wollte, wurde das zum Verhängnis. Foto: Markus Renz

Identitätsnachweis (alter Personalausweis, Reisepass, Kinderreisepass, Geburtsurkunde) habe ich, sagt sich Polack und setzt ein Häkchen. „Bei Erstbeantragung eines Personalausweises benötigen wir eine Geburtsurkunde im Original“ lautet das nächste Erfordernis. Ist ja keine Erstbeantragung, sagt sich Polack, und setzt kein grünes Häkchen.

Ein aktuelles biometrisches Lichtbild? Hat Polack, also Häkchen. Ist eine Zustimmungserklärung des weiteren Sorgeberechtigten erforderlich? Nein, ist sie nicht, also kein Häkchen. Und so weiter. Nur geht es jetzt nicht weiter.

Auch nachdem Polack alle Felder sinngemäß ausgefüllt hat, will der Bestätigungsbutton einfach nicht grün werden. Er bleibt ausgegraut. Lässt man die Maus auf ihm ruhen, erscheint ein Warnschildchen neben der Maus und zeigt: Lieber Nutzer, auf diesen Button kannst du nicht klicken.

 Wer "termine-reservieren.de" in der Adressleiste des Browsers eingibt, landet bei Kommunix, einem Anbieter von Terminverwaltungs-Lösungen.
Wer "termine-reservieren.de" in der Adressleiste des Browsers eingibt, landet bei Kommunix, einem Anbieter von Terminverwaltungs-Lösungen. Foto: Markus Renz

Also Ende, kein Okay und damit kein Termin. Falsch, wer einen haben möchte, der muss alles wollen. Der muss seinen Personalausweis erstmals beantragen (Häkchen), der muss eine Einbürgerungsurkunde im Original vorlegen, obwohl keine Antragstellung nach Einbürgerung (Häkchen), der muss zugleich den Personalausweis bis 24 Jahre für 22,80 Euro und den vorläufigen Personalausweis für 10 Euro beantragen. Also Häkchen, Häkchen, Häkchen. Nur wenn alle Häkchen gesetzt sind, wird auch der Ok-Button grün und man gelangt, endlich, auf die Seite, wo sich eine Uhrzeit für den gewünschten Termin auswählen lässt.

Geschafft, jetzt nur noch die persönlichen Daten eintragen und dem großen, großen Personalausweis-Beantragungstermin steht nichts mehr im Wege. Wir erinnern uns, das Portal wurde von der Firma Kommunix erstellt: „Aus der Praxis – für die Praxis!“, heißt es so schön auf der Webseite des Unternehmens.

Wer den Häkchen-Kniff kennt, kriegt den Termin. Wer ihn nicht kennt, geht leer aus. Polack kannte den Kniff nicht. Sie wartet und wartet, doch ohne grünes Ok erscheint die Seite zur Terminauswahl nicht. Auch nicht nach Minuten des Wartens. Die Nerven der Seniorin liegen blank, wie sie sagt. Die Bundestagswahl rückt mit jedem Tag näher.

Polack fragt bei der Stadt nach. Auf eine Mail, in der sie schildert, dass die Online-Terminvereinbarung nicht möglich ist, erhält sie die Antwort, man könne ihr per Mail keine Termine zur Auswahl geben. Von nun an beschäftigen Polack zwei Fragen: „Um Himmels Willen, was mache ich, wenn ich in zehn Jahren wieder einen Personalausweis benötige? Welche künstliche Intelligenz arbeitet dann auf dem Bürgeramt, gibt es dann überhaupt noch Mitarbeiter?“

Wer weiß. Sicher ist, das Kommunix-Portal streikt auch in anderen Anliegen – konsequent. Wer einen Fischereischein beantragen möchte, fischt im Trüben. Ohne alle Häkchen geht nix. Das heißt der Fischereischein muss sowohl für ein Jahr für eine Gebühr von 13 Euro als auch für fünf Jahre für eine Gebühr von 56 Euro beantragt werden. Und ohne aktuelles Passfoto des Jugendlichen – bei Erstausstellung – geht wieder nix. „Aus der Praxis – für die Praxis“.

Wie gut, dass die Beantragung einer Lebensbescheinigung nur ein Häkchen benötigt. Es genügt ein Identitätsnachweis (zum Beispiel Ausweis, Pass, elektronischer Aufenthaltstitel). Ja, und der Ok-Button dankt es mit grüner Farbe. Das Portal ist momentan also nicht ganz nix, ein bisschen Leben steckt drin.

termine-reservieren.de/termine/homburg