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Streik am Uniklinikum in Homburg: „Die Wut ist groß“

Einschränkungen im Klinik-Betrieb : Am Uniklinikum in Homburg streiken um die 300 Mitarbeiter: „Die Wut ist groß“

Die Corona-Lage am Universitätsklinikum des Saarlandes ist angespannt. Doch am Dienstagmorgen sind 200 bis 300 Mitarbeiter in den Streik getreten. Die Wut unter ihnen ist groß.

Am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in Homburg sind am frühen Dienstagmorgen schätzungsweise 200 bis 300 Mitarbeiter in Streik getreten. Dies teilte Michael Quetting, Verdi-Pflegebeauftragter für Rheinland-Pfalz und das Saarland, mit. Um die 100 waren demnach zum Streikposten an der Einfahrt zum Klinikum gekommen. Hier soll es eine 24-stündige Mahnwache geben. Eine Delegation werde sich auch an der zentralen Kundgebung in Saarbrücken beteiligen. Gestreikt werde bis Donnerstag, 6 Uhr. In der Stadt werde derzeit eine Streikzeitung verteilt.

In Homburg stecke man in der aktuellen Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst der Länder in einer Zwickmühle, betonte Quetting. Einerseits sei die Streikbereitschaft sehr hoch, auch auf den Intensivstationen, andererseits fordere die aktuelle ernste Pandemielage volle Aufmerksamkeit für die Versorgung der Patienten. Es gebe viele Streikbereite, die man daher nicht streiken lassen könne, so Quetting weiter. Auf den Intensivstationen und in den Bereichen, in denen Covid-Patienten behandelt werden, stelle man daher die „Wahrnehmung des Streikrechts“ so weit zurück, dass hier mit so viel Personal gearbeitet werde, wie das UKS dies „an normalen Arbeitstagen für ausreichend“ erachtet habe. Man zeige hier Verantwortung. Deswegen habe man auch eine Homburger Erklärung veröffentlicht. Diese beinhaltet den dringenden Appell an die Tarifgemeinschaft deutscher Länder, „endlich ein angemessenes Angebot“ zu unterbreiten. Aber auch an den saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans und die Verantwortlichen vor Ort, ihren Einfluss geltend zu machen. Die Wut unter den Beschäftigten sei groß, die Stimmung könne kippen. Es sei eine sehr gefährliche Situation, sagte Quetting.

Im Uniklinikum ist man angesichts der aktuellen Entwicklung in der Corona-Pandemie zum Notfallplan zurückgekehrt.

Das Klinikum teilte mit, dass man wegen des Streiks am Dienstag und Mittwoch mit Einschränkungen im Dienstbetrieb rechne, „wobei die Notfallversorgung gewährleistet ist“. Allerdings könnten möglicherweise auch im Ambulanzbereich geplante Termine nicht stattfinden, mit längeren Wartezeiten sei zu rechnen.

Die Streikmaßnahmen hätten auch Auswirkungen auf den OP-Betrieb. Notfalleingriffe, aber auch dringliche Operationen werden weiterhin stattfinden, so das UKS. Andere Eingriffe, so weit medizinisch vertretbar, müssten jedoch verschoben werden.

Im Rahmen der Notdienstvereinbarung sei mit Verdi vereinbart worden, dass in den einzelnen Klinikbereichen „mindestens die personell geringste Besetzung der vergangenen vier Wochen zu gewährleisten ist“. Für besonders sensible Bereiche seien „darüber hinaus gehende Besetzungen definiert“ worden. Weiterhin sei vereinbart worden, dass die Covid-Intensivbereiche nicht bestreikt werden dürfen, bestätigte das Klinikum.

Einen 24 Stunden dauernden Warnstreik an den Universitätskliniken in Homburg hatte es bereits in der vergangenen Woche gegeben. Die Forderung der Dienstleitungsgesellschaft Verdi hat sich indes nicht geändert: 300 Euro mehr Lohn für den Bereich Gesundheitswesen. Grundsätzlich möchte die Gewerkschaft für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder fünf Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro erreichen.