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Terror des 11. September 2001: Wie Saarländer sich an den Tag erinnern

Als die Zwillingstürme fallen : So erinnern sich die Saarpfälzer an den 11. September 2001

Der 11. September 2001 ging als der Tag des Terrors in die Geschichtsbücher ein. Am Samstag wurde auf der ganzen Welt daran erinnert. Wir wollten auch Leserinnen und Leser aus unserer Region zu Wort kommen lassen. Wie haben Saarpfälzer jenen Tag erlebt?

Es war ein Dienstag im September, der 11. September 2001, an dem die Vereinigten Staaten ins Herz getroffen wurden. Terroristen entführten vier Flugzeuge, zwei steuerten die Entführer in die Zwillingstürme des World Trade Center. Um 8.46 Uhr schlug eine der Maschinen im Nordturm und um 9.03 Uhr eine im Südturm des World Trade Center ein. Innerhalb von eineinhalb Stunden stürzten die durch die Flugzeugeinschläge instabil gewordenen Hochhaustürme in sich zusammen. Zahlreiche Menschen verlieren ihr Leben.

Welche Spuren hat dieser Tag bei Saarländern hinterlassen? Wie haben sie ihn erlebt? Die SZ hat nachgefragt. „Ich erinnere mich, dass ich im Krankenhaus war, weil mein Vater an der Hüfte operiert wurde“, sagt Barbara. Abends erst habe sie die Bilder im Fernsehen gesehen. „Ich habe meinen Augen nicht getraut. So viele Menschen, die wie sonst zur Arbeit gingen und in den Schrecken hineingezogen wurden.“ Ihren damals zehnjährigen Töchtern erzählt die 56-Jährige Blieskastelerin vom Vorgefallenen: „Ich wollte diejenige sein, die es ihnen beibringt.“

 Der Südturm des World Trade Center stürzt in sich zusammen.
Der Südturm des World Trade Center stürzt in sich zusammen. Foto: AP/Gulnara Samoilova

Antonino Truvado arbeitet an jenem 11. September auf dem Bau. „’New York brennt!’, hat mein Chef mittags gerufen. Ein schlimmer, unglaublicher Tag.“ Sprachlos hätten ihn die Medienberichte abends gemacht. „Es ist seitdem mehr Bitterkeit in mir. Das Leben ist ohnehin schon schwer genug und dann so etwas. Was soll man da sagen?“

Wolfgang Brandt hat vom Geschehen aus dem Internet erfahren. „Das war noch bevor die Türme einstürzten. Ich habe mich nur gefragt, ob es all den Menschen, die in den Türmen gefangenen waren, gelingen würde, zu entkommen“, erzählt der 62-Jährige. Für ihn selbst sei es ein erschütternder Tag gewesen.

Manfred Roth saß im Sofa, schaute zufällig Fernsehen, als es passierte. „Ich habe die schrecklichen Bilder live gesehen. Es war unfassbar. Niemand wusste, wie sich die Situation entwickeln würde“, sagt der 83-Jährige. Eine 69-Jährige St. Ingberterin erzählt, dass sie im Büro am Computer saß. Eine Kollegin kam ins Zimmer gestürzt. „Ob ich wisse, was in New York passiert sei. Ich hatte Gänsehaut als ich davon hörte.“ Ein furchtbares, unwirkliches Ereignis, wie aus einem Science-Fiction-Film sei es für sie gewesen. „So etwas vergisst man nie.“

 Ein Feuerwehrmann vor den Trümmern des World Trade Center Rettungskräfte an.
Ein Feuerwehrmann vor den Trümmern des World Trade Center Rettungskräfte an. Foto: dpa/Preston Keres

Als Ingrid Stöpke von den Anschlägen erfuhr, schaltete sie den Fernseher ein. „Ich habe nur geweint – es war so schrecklich.“ Ihr Mann sei zu der Zeit schwer krank gewesen. Mit ihm über das Vorgefallene zu sprechen, war der heute 80-Jährigen nicht möglich. „Das hat mich sehr mitgenommen.“ Nichts als Frieden wünsche sie sich auf der Welt.

Mauricette Arweiler arbeitet an jenem Dienstag wie gewöhnlich in der Universität des Saarlandes. Ihr Mann ruft an und erzählt vom Geschehenen. „Ich habe mir sofort Sorgen um meine Tochter gemacht, die mit ihrer Familie in den USA lebt – in Cincinnati, Ohio.“ Als dann noch die Mitarbeiterin eines anderen Lehrstuhls sagt, dass Krieg in den USA ausgebrochen sei, ist ans Weiterarbeiten nicht mehr zu denken. Ihrer Tochter gehe es gut, erfährt Arweiler später von ihrem Mann. „Am Telefon hat meine Tochter abends erzählt, dass der Himmel bei ihnen nun wie leergefegt sei.“

Karin ist Musiklehrerin, unterrichtet unter anderem Violine und Bratsche – auch an diesem 11. September. „Nachmittags habe ich zu Hause gesehen, was passiert war. Ich konnte es nicht glauben. Es war surreal und wirkte wie ein Film.“ Bei den Orchesterproben am Abend ist die Bestürzung und Fassungslosigkeit der Musiker zu spüren. „Seit dem 11. September halte ich mehr für möglich. Leider auch Negatives“, sagt die Musiklehrerin.

 Kevin Lenhard
Kevin Lenhard Foto: Markus Renz

Kevin Lenhard ist heute 16, wurde vier Jahre nach den Anschlägen geboren. Im Unterricht hätten sie über den 11. September gesprochen. „Es ist wichtig, dass darüber gesprochen wird. Wir alle dürfen den Tag nicht vergessen.“ Simon Möller ist ein Jahr jung, als der Terror die USA erschüttert. „Im Freundeskreis ist der 11. September weniger ein Thema. Eher in der Familie“, sagt der 21-Jährige. Für ihn sei wichtig, dass Menschen sich dafür einsetzten, dass so etwas nie wieder geschehe. „Frieden ist leicht gesagt und unglaublich schwer umsetzbar.“

Das erste Flugzeug haben die Terroristen in den Nordturm gesteuert, als Günther Schollmayer davon im Radio hört. Er ist in jenem Moment auf der Autobahn zwischen Quierschied und Schwalbach unterwegs. Vom zweiten Flugzeugeinschlag erfährt er direkt im Radio, gerade in Schwalbach angekommen. „Es war eine Mischung aus Ungläubigkeit und Schrecken, was ich empfand. Ich habe mich gefragt, ob ein neuer Krieg begonnen hat. Auch deshalb, weil ich in der Zeit des Kalten Krieges aufgewachsen bin.“ Angst habe er nicht verspürt, erzählt der heute 52-jährige Lehrer. „Ich war früher Polizist und hatte schon manches gesehen.“

 Günther Schollmayer
Günther Schollmayer Foto: Markus Renz

Die heute 27-jährige Nicola erfuhr erst einige Zeit später im Internet von den Anschlägen. „So etwas darf nie wieder passieren. Der Terror hat nicht nur das World Trade Center zerstört. Er hat Leben ausgelöscht und Familien zerbrochen.“ Terror könne man wahrscheinlich nicht ausmerzen. Stärker denn je sei an solchen Tagen und im Nachhinein gesellschaftlicher Zusammenhalt gefragt. „Der Terror darf nicht siegen.“

 Marlene Martini
Marlene Martini Foto: Markus Renz

Dass so viele unschuldige Menschen ihr Leben verloren, bekümmert Marlene Martini am 11. September 2001 am meisten. „Einfach entsetzlich. Es ist unvorstellbar, dass so etwas geschehen konnte“, sagt die 80-Jährige. „Dieser Tag war einer der grausamsten der vergangenen Jahre.“ Martini erzählt, dass sie die Bilder im Fernsehen gesehen habe. Wie genau der Tag verlief, daran erinnert sich die 80-Jährige nicht mehr. „Ich sehe in den Anschlägen vom 11. September bis heute einen politischen Auftrag, alles Erdenkliche in Bewegung zu setzen, damit so etwas nie mehr geschieht.“