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Teststationen vor Restaurants in Homburg

Teststationen in Homburg : Wer testet schon, um Cappuccino zu trinken

Einige Restaurants in Homburg halten für die Gäste Teststationen bereit, die von allen Bürgern genutzt werden können. Doch das Weihnachtsgeschäft rettet diese Maßnahme auch nicht mehr.  Viele betriebliche Weihnachtsessen sind abgesagt worden.

Noch vor vier Wochen waren sie eigentlich am Aussterben – die Testzentren in der Innenstadt. Ab und zu kam jemand vorbei, sonst herrschte gähnende Leere. Und mit der Ankündigung der Bundesregierung, Tests nun kostenpflichtig zu gestalten, sah man schon das baldige Ende besiegelt. Aber man soll sich in Corona-Zeiten nie zu früh freuen,  weder von einem Ende der Pandemie noch von einem Ende der Tests kann derzeit die Rede sein.

Denn eines ist auch dem Laien klar: Wer geimpft ist, genießt zwar einen gewissen Schutz, Corona nicht so richtig heftig zu bekommen, aber die Impfung sagt nichts darüber aus, ob man womöglich Überträger des Virus ist.  Also wurde entschieden: Wer ins Restaurant geht, muss geimpft und getestet sein. „Das finde ich auch in Ordnung, denn erst diese Kombination gibt die nötige Sicherheit, dass man wirklich mal zusammen an einem Tisch im Restaurant sitzen kann“, findet Corinna Welsch, die Hotelmanagerin des Schlossberg-Hotels in Homburg.

Sie hat innerhalb des Hauses eine Teststation eingerichtet, „es passt nicht zu unserer Philosophie, die Gäste in der Stadt herumzuschicken, wir testen hier vor Ort“. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden vom Roten Kreuz geschult, diese Tests durchzuführen, „wir haben vom Gesundheitsamt die Erlaubnis, diese Tests offiziell durchzuführen“, sagt die Hotelmanagerin, „das bedeutet, dass jeder zu uns kommen kann, auch wenn er nicht im Hotel übernachtet“. 

Da im Schlossberg-Hotel der Andrang deutlich geringer ist als im  Stadtzentrum, haben sich hier schon einige Leute testen lassen, „und die haben anschließend bei uns noch einen Aperitif getrunken, das fand ich sehr nett“, erzählt Corinna Welsch. Natürlich sind die Tests willkommen, aber sie können eine betriebliche Weihnachtsfeier am Ende auch nicht retten: „Wir hatten einige Absagen von größeren Gesellschaften. Die Veranstalter, oft waren es Firmen, wollten am Ende doch nicht verantworten, dass eine größere Gruppe  am Tisch nebeneinander sitzt. Test hin oder her.“

Insgesamt  ist das Gästeaufkommen  geringer geworden, „klar, die Gästezahl ist nach der 2G-plus-Regelung deutlich zurückgegangen, aber damit habe ich sowieso gerechnet“. Man könne es den Gästen mit der eigenen Teststation „so bequem wie möglich machen“, retten könne man die Adventssaison jetzt auch nicht mehr, in der viele Restaurants ihren Umsatz mit Gesellschaften machen. Dafür hofft Corionna Welsch auf Weihnachten, „da gibt es am ersten und zweiten Weihnachtstag ein feines Menü, die Tische stehen weit auseinander, und getestet wird sowieso. Natürlich auch das Personal. Jeder von uns muss täglich antreten“.

Etwas anders ist die Situation in der Innenstadt bei David Simon von „Chef kocht“: „Wir verkaufen jetzt wieder viel mehr Gerichte außer Haus“, erklärt er, „dafür fehlen uns komplett die spontanen Besucher.“ Klar, wer die Speisekarte vor der Tür liest und drinnen einen freien Platz  sieht, kommt kurzentschlossen  rein in die gemütliche Stube, um dort etwas zu essen, was beim Lesen Appetit gemacht hat, „das ist  nicht mehr der Fall“. Vor allem nachmittags, wenn früher mal Freundinnen vom Stadtbummel kamen und bei einem Kaffee entspannten, ist das Restaurant leer: „Wegen einer Tasse Kaffee lässt niemand extra einen Test machen“, so David Simon.

Was hingegen noch gut nachgefragt werde, seien seine Kochkurse, „da hat man sich angemeldet, da weiß man schon den genauen Termin, da lässt man sich dann auch entsprechend testen“. Ansonsten seien die Gäste alle sehr vernünftig, die meisten zeigten ungefragt die Dokumente vor, „damit haben wir überhaupt kein Problem“, sagt David Simon.

Auch im Ristorante „Ohlio“, in dem es durchgehend warme Küche gibt, herrscht nachmittags Leere, „gerade sind vier Gäste da“, seufzt Restaurantleiter Mario Dante, „seit 2G-plus Pflicht ist, ist die Gästeanzahl deutlich zurückgegangen“. Es liege daran, dass Ungeimpfte jetzt gar nicht mehr hereinkämen, „oder auch solche, die noch nicht vollständig geimpft sind, die darf ich auch nicht hereinlassen. Ich will keine Probleme mit einer Kontrolle bekommen, dann muss ich die Leute eben wieder wegschicken.“

Auch im „Ohlio“ sind viele Weihnachtsfeiern nun endgültig storniert worden, „das war abzusehen“, sagt Mario Dante. Im Übrigen hat auch das Ristorante eine eigene Teststation eingerichtet, „das haben wir direkt gemacht, als 2G-plus kam“, so Dante weiter, „denn wir wollten den Gästen diese Möglichkeit bieten.“ Auch hier können natürlich die Kunden und Geschäftsleute im Umkreis das Angebot wahrnehmen, „wer ins Fitnesscenter oder ins Kosmetikstudio geht, kann bequem bei uns testen lassen“. Im Testzentrum  arbeitet Restaurantpersonal, „damit wir unsere Leute nicht in Kurzarbeit schicken müssen, haben wir zehn unserer Angestellten beim DRK schulen lassen, die machen das jetzt richtig gut“.

 Eigentlich, so hatten sich die Betreiber gedacht, wäre ein Café mit Eisdiele im Winter auch ganz nett. Aber es lohnt sich derzeit nicht.
Eigentlich, so hatten sich die Betreiber gedacht, wäre ein Café mit Eisdiele im Winter auch ganz nett. Aber es lohnt sich derzeit nicht. Foto: Christine maack

Geschlossen ist inzwischen das „Gelatoh“: Eigentlich wäre es nett gewesen, auch im Winter ein kleines Eisangebot zum Cafébetrieb bereitzuhalten, aber es lohne sich nicht, denn „niemand lässt sich testen, wenn er nur einen Capuccino trinken möchte“,  so Marco Dantes Erfahrung.