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Tourismuskonzept für den Saarpfalz-Kreis vorgestellt

Tourismus im Saarpfalz-Kreis : Region muss sich bis 2025 anstrengen

Wie kann man die Biosphäre bis 2025 touristisch erschließen? Aber ohne Rummel. Die Saarpfalz-Touristik gab eine Studie in Auftrag.

Tourismus fällt nicht vom Himmel, sondern muss von langer Hand geplant werden. Es sei denn, ein bekannter Regisseur kommt auf die Idee, die Serie „Der Bliesgaudoktor“ zu drehen, mit fröhlichen Schafen, folgsamen Eseln und Haus Lochfeld als Wohnort. Aber ein solches Projekt ist derzeit nicht in Sicht und vermutlich auch nicht gewollt.

„Wir wollen ganz bestimmt keinen Massentourismus“, hatte Landrat Theophil Gallo schon öfter betont. Aber ein kleines Stück vom Tourismus-Kuchen hätte die Biosphärenregion schon gerne, weshalb die Saarpfalz-Touristik jetzt ein Konzept vorgestellt hat, das die Beraterfirma BTE Tourismus speziell für die Region erarbeitet hat.

Es gehe in erster Linie darum, das bereits seit zehn Jahren bestehende Konzept bis 2025 fortzuschreiben, so Wolfgang Henn von der Saarpfalz-Touristik, „auch, um zu wissen, wo wir stehen und wie wir uns als Tourismusregion weiterentwickeln können. Denn die Ansprüche der Gäste ändern sich und wir müssen uns darauf einstellen“. Die Erstellung des Konzeptes hat 10 000 Euro gekostet und wurde vom Wirtschaftsministerium gefördert. Zu diesem Ministerium gehört auch die Tourismuszentrale Saarland, die wiederum bei ihrer Außenwirkung die Biosphärenregion immer dabei hat, wenn es um die Vorstellung des gesamten Saarlandes als Tourismusregion geht. Die Fortschreibung des regionalen Tourismuskonzeptes sollte bereits im vergangenen Herbst starten, jedoch mussten die geplanten Workshops aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden. Die Arbeit konnte erst wieder in diesem Frühjahr weitergeführt werden.

Die Verzögerung sei aber im Rückblick durchaus positiv zu sehen, findet Silke Orth von der Beratungsfirma BTE, die das Konzept in Homburg vorstellte, „denn Corona hat den Tourismus grundlegend erschüttert. Die Prioritäten haben sich total verschoben“. Tatsache sei, dass kleine, naturnahe und nachhaltig aufgestellte Regionen wie die Biosphäre davon profitierten.

Diese Erkenntnis habe dazu geführt, das Tourismuskonzept noch einmal zu überarbeiten. „Zum Beispiel machen die Leute jetzt viele Ausflüge“, so Orth, „sie fahren viel mehr als vorher in ihrer eigenen Region herum, auch mit dem Fahrrad, und gehen essen. Der Ausflugstourismus hat sich am schnellsten von Corona erholt, während andere Tourismus-Bereiche noch lange nicht da sind, wo sie mal waren.“

Wie lauten nun die konkreten Vorschläge, um die Biosphärenregion attraktiver zu machen? Zunächst einmal benennt das Konzept Schwächen, die nicht allen Beteiligten gefallen dürften: zum Beispiel „fehlendes Tourismusbewusstsein bei Bevölkerung und Politik“. Oder „weiße Flecken“ bei der Beherbergung, mangelnde Professionalisierung und Profilierung der Hotel- und Gaststättenbetriebe und ein niedriger Bekanntheitsgrad der Region insgesamt.

Positiv sei, dass das Biosphärenreservat als Ankerpunkt für Natur- und Aktivtourismus in der Region gelte, dass es viele kleinere Kulturveranstaltungen gebe, sehr gut und qualitätsvoll seien auch die kulinarischen Angebote und die regionalen Produkte. Die regionalen und überregionalen Radwege würden gut genutzt und ein „vielfältiges Übernachtungsangebot mit Fokus auf Ferienwohnungen“ gebe es auch.

Was sind die Chancen? Die Sehnsucht der Menschen nach „echten und nachhaltigen Erlebnissen“, die steigende Bedeutung der Naherholung, die Lage als Grenzregion, was auch kulinarische Bedeutung habe (französische Küche).

Risiken seien, dass andere Destinationen auch nicht schlafen und sich weiterentwickeln, dass es weitere Leerstände in den Ortskernen geben könnte, was die „regionaltypischen Ortsbilder“ weiter einschränke. Was ja auch tatsächlich ein Punkt ist, den Gäste immer wieder bemängeln: Die Bliesgau-Dörfer seien nicht charakteristisch wie beispielsweise Dörfer im Elsass.

Es bleibt also noch ein weiter Weg, den man bis 2025 gehen muss, aber die Richtung stimme schon mal, betont Landrat Gallo. Mit sanftem, naturnahem Tourismus, schönen Wander- und Radwegen habe die Region gute Chancen, sich weiterzuentwickeln, sagt auch Wolfgang Henn.

Demnächst stehe ein neues Wandersiegel des Deutschen Wanderverbandes an. Mit einer umfangreichen Beschilderung nach Richtlinen von „Wanderbares Deutschland“ werde im Oktober begonnen. Der Saarpfalz-Kreis verfüge dann über 743 Wanderkilometer, die man mit 111 Wegen abwandern kann. Karten dazu kommen im Frühjahr heraus.